Modellauto: Bernauer rast mit Tempo 80 über Mini-Rennstrecke

Ein Mann, eine Leidenschaft: Peter Braun mit seinem Modellauto im Maßstab 1:5 auf der Rennstrecke des RC Speedracer in Bernau.
Sergej ScheibeZu letzterer Spezies zählt auch Peter Braun. Er gehört dem Modellclub RC Speedracer Bernau an, der nach wochenlanger Corona-Pause nun wieder durchstartet. An diesem Wochenende findet auf der Rennpiste des RC, dem Motodrom an der Bernauer Albertshofer Chaussee, das sogenannte Ostermasters in der Klasse „VG5“ statt. Und genau so ein VG5-Gefährt hat auch Braun. „Das ist die größte Klasse, mit einem Maßstab 1:5“, sagt der 64-jährige Bernauer, der gebürtig aus Senftenberg stammt und als Baggerfahrer arbeitet.
Die Power einer Kettensäge
Die Leidenschaft für die rasanten Modell-Flitzer hat ihn vor 18 Jahren gepackt. „Vorher habe ich Modellfliegen gemacht“, erzählt Braun. Doch dann war er zufällig bei der Eröffnung des neuen Bernauer Rennsportclubs – und sofort infiziert. „Ich habe mir direkt ein Auto gekauft und los ging‘s“. Inzwischen ist aus dem einen Auto eine größere Sammlung geworden, inklusive einiger Elektro-Buggy’s.
Sein „VG5“-Modell, mit dem er am Wochenende startet und das optisch einem DTM-Tourenwagen nachempfunden ist, hat einen Verbrennermotor unter der Haube, der auf 23 Kubikzentimeter Hubraum kommt. „Das ist vergleichbar mit einer Kettensäge“, so Braun. Der Verbrauch seiner rasenden Kettensäge: 800 Milliliter bei 30 Minuten Dauerbetrieb. Top-Speed: fast 80 km/h. Kostenpunkt: knapp 3000 Euro.
Wer allerdings glaubt, es sei ein Kinderspiel, so ein Modellauto in Höchstgeschwindigkeit über die Piste zu jagen, der erntet von Braun nur ein müdes Lächeln. „Das ist kein Spielzeug, das man aus der Kiste nimmt und dann losfährt“, sagt der Modellauto-Fan. Stattdessen wird getüftelt, was das Zeug hält. Spur einstellen, Dämpfer anpassen, sogar die richtige Reifentemperatur spielt bei den Mini-Flitzern eine Rolle. Für die Gummi-Pneus gibt es extra Heizdecken, die vor dem Rennen aufgezogen werden. Optimal seien 85 Grad. „Das geht zu wie bei richtigen Rennautos“, sagt Braun, der zu den Oldies bei den Bernauer Speedracern gehört.
Einige im Verein haben sich sogar schon bundesweit einen Namen gemacht, so wie der frühere Deutsche Meister Benjamin Schumann. Mit Niklas Hillig, Dritter der letzten nationalen Titelkämpfte, hat man zudem ein großes Talent in den eigenen Reihen.
Abstand wegen Corona
Beim Ostmasters an diesem Wochenende wird es auf dem Motodrom, das sich im Gewerbegebiet versteckt, auch wieder rund gehen. Coronabedingt gibt es allerdings Einschränkungen. Auf dem Fahrerstand, wo die Hobbysportler mit ihren Fernbedienungen stehen, gilt zum Beispiel die Abstandsregel von 1,50 Meter. Peter Braun fiebert dem Rennen trotzdem entgegen. Erwartet werden Modellauto-Sportler aus mehreren Bundesländern. Dass es laut Wettervorhersage regnen könnte, stört Braun nicht: „Selbst bei Pfützen wird knallhart gefahren – dann aber mit Regenreifen.“
Unfreiwilliger Umzug im Jahr 2011
Der RC Speedracer Bernau hat etwa 40 Mitglieder und ist im Gewerbegebiet an der Albertshofer Chaussee in Bernau zu finden, direkt neben der Verkehrswacht.
Die Rennstrecke, Motodrom genannt, ist 240 Meter lang und komplett asphaltiert. Es gibt auch eine Off-Road-Strecke aus Kunstrasen.
Der Club, ursprünglich 2003 gegründet, hatte seine Modellrennstrecke bis 2011 noch im Bernauer Gebiet Gieses Plan. Doch nach Protesten von Anwohnern über den Lärm musste man umziehen. Mit viel Einsatz und finanzieller Hilfe von Sponsoren konnte der Club am neuen Standort ebenfalls eine Rennstrecke bauen. Die Kosten: 51000 Euro. 2015 wurde sie eröffnet.
Mehr Infos zum Verein unter: www.rcspeedracer.de.⇥che
