Monster Truck-Show: Stuntman Jeffrey Korth sorgt in Bernau für Aufsehen
Kopfzerbrechen bereiten dem 40-Jährigen dagegen derzeit ganz andere Dinge. Sie haben meist mit Corona zu tun, und mit den negativen Folgen der Pandemie für seinen Berufszweig. „Es sind wirklich schwierige Zeiten für uns“, sagt Korth, ein großer Kerl mit breiten Schultern. Besonders groß ist die Angst vor einem erneuten Lockdown. „Ein zweiter Lockdown bricht uns wahrscheinlich das Genick“, betont Korth, „und nicht nur uns.“
Mit „nicht nur uns“ meint er all die anderen Schausteller, die wie er im Moment versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen.
Aktuell tourt er mit seiner „World of Motorshow“ durch Brandenburg. Nach Stationen in Beeskow, Fürstenwalde, Wildau, Strausberg und Bernau geht es an den kommenden beiden Wochenenden nach Fredersdorf/Vogelsdorf. Im Anschluss weiter nach Velten, dann nach Berlin. Er nimmt mit, was er kriegen kann. Doch zu den Veranstaltungen ist er darauf angewiesen, dass auch genügend Zuschauer das Spektakel sehen wollen, trotz Abstandsregeln und Co., sonst wird es finanziell eng.
„Wir schauen quasi von Show zu Show“, sagt Diana Korth, seine Frau, die sich um Organisation und Ticketing kümmert. Die Gefahr, dass alles plötzlich vorbei sein könnte, sie fährt jetzt immer mit.
Ein normales Veranstaltungsjahr sah bei Jeffrey Korth, der bereits in der dritten Familien-Generation als Stuntman sein Können zeigt ("mit vier Jahren bin ich im Feuertunnel gefahren"), bislang so aus: Im März war Reise-Start, Schluss im November. Neun Monate die volle Action, bis zu 40 Shows. Diesmal aber ging es erst im Juli los. Die Einnahmen von vier Monaten – komplett futsch.
„Ich hatte einige schlaflose Nächte deswegen“, gesteht Korth, dessen Großvater die Stunt-Dynastie in den 1960er Jahren einst begründete. Zwischenzeitlich ist der Thüringer sogar Lkw gefahren, damit Geld in die Kasse kommt. Denn bei ihm hängt buchstäblich die ganze Familie im Geschäft mit drin.
Da ist zum Beispiel Sohn Anthony, der bald 18 wird. Er fährt selbst Stunts, seine Spezialität sind Überschläge mit Autos. Zum Stunt-Team gehört zudem Cousin David (37), der bei einigen Shows für einen echten Kamikaze-Moment sorgt: durch einen Sturzflug mit dem Auto am Kran hängend aus 35 Metern.
Auch die Töchter Jaimy (16) und Selina sind dabei. Jaimy ist bei Veranstaltungen als DJ und für den Ton im Einsatz, Selina fährt Stunts mit dem Quad. Das gilt auch für den jüngsten Spross der Stunt-Familie, den fünfjährigen Kenny. Er düst bei den Shows – wie einst der Papa – durch einen Feuertunnel. Fragt man ihn, was er mal werden will, sagt er mit hochgestrecktem Daumen: „Stuntman.“ Als Papa Jeffrey das hört, muss er grinsen. Nur die dritte Tochter Katy (8) fällt in der Familie etwas aus der Reihe, sie will gern Ballerina werden, erzählt sie. Korth findet das gut. „Wir stellen ihnen das frei, sie sollen machen, was sie wollen.“ Während der Tour gehen die Kinder an Schulen vor Ort oder lernen durch Fernschule am Laptop.
Jeffrey Korth liebt es, unterwegs zu sein. Und rumgekommen ist er schon viel. Er hatte Auftritte im „ZDF-Fernsehgarten“ und bei „Wetten dass?“ Für eine Show war er auf Einladung sogar in Shanghai. Und er hält mehrere Guinness-Weltrekorde, einen davon im Slalomfahren mit dem Auto auf zwei Rädern.
Wie lange er die Knochen noch hinhalten will? „Das kannst du schon bis 60 machen, nur bei den Sprüngen lasse ich die Jüngeren ran.“ Doch ob es noch bis 60 geht, das weiß aktuell keiner so genau.
Trotz Corona will Jeffrey Korth den Kopf aber nicht in den Sand stecken. „Als wir im Juli erfahren haben, dass wir wieder veranstalten können, hat es richtig gekribbelt.“ Und für dieses Kribbeln lebt er.
"Joker" und "Mad Machine" als Höhepunkt
Jeffrey Korth ist in Bad Langensalza (Thüringen) zu Hause. Früher ist der Stuntman mit Vater André und Bruder Steven auf Tour gewesen. Seit 2018 hat er mit "The World of Motorshow" seine eigene Veranstaltungsreihe. Bis zu 40 Shows absolviert er jährlich. Durch Corona sind es nun viel weniger.
Zu den Höhepunkten gehören die beiden Monstertrucks "Joker" (900 PS) und "Monster Machine" (500 PS). Beide haben Big-Block-Motoren von Chevrolet verbaut. "Joker" kommt auf eine Reifenhöhe von 1,70 Meter. Der Wert: circa 75 000 Euro. Ein weiteres Highlight ist ein umgebauter MAN-Truck, 18 Tonnen schwer, mit dem Jeffrey Korth auf zwei Rädern in Schräglage fährt.⇥che






