Müll in Bernau
: Sofas im Graben, Reifen im Feld – Stadt hat ein Müllproblem

Die Entsorgung ist einfach – oft sogar kostenlos. Trotzdem landet Jahr für Jahr mehr Müll in der Natur rund um Bernau. Woran liegt es?
Von
Sophia Schwan
Bernau
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Illegale Müllablagerung im Barnim

Illegale Müllablagerung im Barnim ist nach wie vor ein zunehmendes Problem.

Kreiswerke Barnim
  • Bernau hat ein zunehmendes Problem mit illegaler Müllentsorgung.
  • 2023 wurden 1.064 Fälle gemeldet, 270 Tonnen Müll gesammelt.
  • Trotz kostenloser Abholung für Müll werden häufig Sofas, Reifen und anderer Sperrmüll illegal entsorgt.
  • Umweltpädagogen besuchen Schulen und Kitas, um Kinder zu Müllprofis auszubilden.
  • Bernau plant Teilnahme am World Cleanup Day am 20. September.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Traktorreifen im Gebüsch, alte Sofas auf Feldwegen, Farbeimer am Waldrand: Illegale Müllablagerung ist auch in Bernau ein sichtbares Problem und es nimmt zu. Dabei gäbe es längst unkomplizierte Alternativen. Doch Jahr für Jahr landen tonnenweise Abfälle dort, wo sie nicht hingehören – mitten in der Natur.

Im Landkreis Barnim wurden 2023 insgesamt 1.064 Fälle illegaler Müllentsorgung gemeldet – so viele wie nie zuvor. Die BDG, zuständig für die Abfallentsorgung, beziffert die gesammelte Menge auf ganze 270 Tonnen.

Illegale Müllentsorgung im Barnim: Was alles in der Natur landet

Besonders häufig betroffen: Sperrmüll. Alte Matratzen, Möbel, Teppiche – Dinge, die weder in den Wald noch an den Straßenrand gehören, sondern auf den Recyclinghof oder zur Sperrmüllabholung.

Dabei ist die legale Entsorgung einfacher denn je: In Bernau bietet die BDG kostenfreie Abholung für Sperrmüll, Elektroschrott und Metallschrott direkt vor der Haustür an. Schadstoffmobile sind regelmäßig unterwegs. Wer will, muss keinen Müll schleppen – nur Bescheid geben. „Unser System ist flächendeckend und haushaltsnah“, heißt es von der BDG. „Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, Abfälle illegal zu entsorgen.“

Trotz Recyclinghof und Sperrmüllabholung: Müll wird oft weiterhin wild entsorgt

Trotzdem bleibt das Problem auch in Bernau bestehen. Zwar führt die Stadt keine eigene Statistik, doch laut Verwaltung sind illegale Ablagerungen ein dauerhaftes Thema. Besonders betroffen sind gut erreichbare Stellen – etwa an Wegen, auf Brachflächen oder am Rand von Siedlungen.

Die Folgen sind nicht nur unschön, sondern auch teuer: Rund ein mittlerer fünfstelliger Betrag fällt jedes Jahr an, um den Müll einzusammeln. Der Bauhof ist fast täglich unterwegs – mit Müllpressfahrzeug, Pritschenwagen und Fußtrupps, die Parks, Plätze und Spielplätze reinigen. Und obwohl es Bußgelder für illegale Entsorgung gibt – verhängt wurde in Bernau bisher keines.

Dass es auch anders geht, zeigte der Frühjahrsputz im April: Rund 2.800 Menschen – darunter Schulklassen, Vereine und viele engagierte Bürger– räumten in der Stadt auf. Sie sammelten Flaschen, Verpackungen und auch sperrige Funde wie Heizungsrohre oder Traktorreifen.

Doch was nach der Aktion bleibt, ist oft ernüchternd: Kaum ist aufgeräumt, taucht an vielen Stellen neuer Müll auf.

Illegale Müllentsorgung in Bernau: Sind die Gebühren wirklich ein Problem?

Liegt es an den Entsorgungskosten? Die BDG sagt: Jede Gebührenerhöhung sorgt für Rückfragen – doch die meisten Abfallarten lassen sich kostenfrei entsorgen. Um Missverständnisse zu vermeiden, informiert die BDG über ihre App, Social Media und die Kampagne „Jut für den Kreislauf“ über Gebühren, Mülltrennung und Entsorgungswege.

Trotzdem würden laut den Kreiswerken regelmäßig falsche Dinge in den Restmülltonnen landen. In solchen Fällen bleibt die Tonne stehen – mit einer Hinweismarke versehen. Falsche Trennung führt im schlimmsten Fall dazu, dass Müll am Ende jedoch genau dort landet, wo er nicht hinsoll: in der Landschaft.

Dass Müll direkt vor dem Recyclinghof abgelegt wird, passiert laut BDG allerdings selten – im vergangenen Jahr fünfmal. Eine Müllstreife ist trotzdem unterwegs. Sie dokumentiert illegale Ablagerungen, macht Beweisfotos und verständigt die Polizei. Ob das abschreckt, ist jedoch unklar. Die BDG sagt selbst: „Das lässt sich schwer einschätzen.“

Umweltbildung in Bernau: Wie Schüler zu Abfallprofis werden

Wer als Kind lernt, was Müll in der Natur anrichtet, trägt ihn später seltener dorthin. Genau hier setzt das Umweltbildungsteam der Kreiswerke Barnim an – auch in Bernau.

Seit April 2024 sind zwei Umweltpädagogen im Einsatz, die Schulen und Kitas im Landkreis besuchen. Sie zeigen Kindern, wie Recycling, Mülltrennung und Vermeidung ganz praktisch funktionieren – nicht nur einmal im Jahr, sondern als Teil des Alltags.

Ein Pilotprojekt unter dem Titel „Gib Abfall 'ne saubere Abfuhr – Abfallprofis für den Barnim“ läuft bereits in Biesenthal und Eberswalde. Schulklassen werden zu Multiplikatoren ausgebildet und tragen ihr Wissen an andere Kinder weiter. Auch in Bernau sollen bald erste Schulen mitmachen.

Die Stadt denkt zudem über eine zukünftige Teilnahme am internationalen World Cleanup Day am 20. September nach, um ein Umdenken zu fördern.