Nach 45 Jahren: Bernaus Finanzdezernentin geht in den Ruhestand

Freundlich, aber bestimmt: 1990 trat Renate Geißler in den öffentlichen Dienst ein. Sie war die Wächterin über kommunale Haushalte – erst in Panketal, dann in Eberswalde und schließlich in Bernau.
Sergej ScheibeWer Renate Geißler kennt, der weiß, allein mit dieser Aufzählung von Dingen, die sie gern tut, verrät sie schon mehr, als ihr eigentlich lieb ist. Die zurückhaltende zierliche Frau hat nie viel von sich preisgegeben. Selbst Kollegen, mit denen sie jahrelang eng zusammen arbeitete, wussten so gut wie nichts von ihr. „Ich war immer für eine strikte Trennung von Beruf und Privat. Ich wollte nicht in Abhängigkeit geraten“, erklärt sie.
Die Wächterin über den Haushalt Bernaus kam 2015 zurück in den Niederbarnim. Zuvor hatte sie 14 Jahre der Stadt Eberswalde als Kämmerin gedient. Dorthin war sie Anfang dieses Jahrtausends aus der Panketaler Amtsverwaltung gewechselt. Die Gemeindegebietsreform stand damals an. Und das künstliche Verwaltungsgebilde mit den sieben Gemeinden rund um Bernau — Börnicke, Ladeburg, Lobetal, Rüdnitz, Schönow, Schwanebeck und Zepernick – zeigte erste Auflösungserscheinungen.
„Alles war in der Schwebe“, erinnert sich Renate Geißler. Amtsdirektor Carsten Bockhardt war bereits als Erster Beigeordneter zum Landkreis gewechselt. Die Ladeburger hatten sich entschieden, Bernau beizutreten. Ihnen folgten — bis auf Zepernick, Schwanebeck und Rüdnitz — auch alle anderen Dörfer. Und weil der damalige Bernauer Bürgermeister Hubert Handke nicht sehr erpicht darauf war, führende Mitarbeiter aus Panketal in sein Rathaus zu lassen, bewarb sich die Finanzdezernentin lieber gleich woanders. "Glück gehabt“, stellt sie fest, auch wenn der Arbeitsweg für die Schwanebeckerin nun deutlich länger war. „Es war eine gute Zeit in Eberswalde“, sagt sie mit dem Abstand der Jahre.
Im Oktober 2014 zog André Stahl als Bürgermeister in das Bernauer Rathaus ein. Er brauchte dringend jemanden, der sich um die Finanzen der Stadt kümmerte. Renate Geißler wurde ihm von mehreren Seiten empfohlen, und die damals 58–Jährige sagte ja. Im Frühjahr 2015 trat sie ihr neues Amt an.
Die Jahre sind wie im Flug vergangen. Über einen Mangel an Arbeit konnten sie und ihre Mitarbeiter sich nie beklagen. Denn so beruhigend es auch ist, eine volle Kasse wie Bernau zu haben und aus dem Vollen schöpfen zu können — vier Jahre rückwirkend fehlten beispielsweise die Jahresabschlüsse, die nachzuarbeiten waren. Auch einem Prinzip blieb Renate Geißler treu: Bei jedem Vorhaben, dass sich die Stadtverordneten oder auch die Stadtverwaltung wünschen, wird eingehend geprüft, ob die Finanzierung möglich ist. „Das hat mich Carsten Bockhardt gelehrt“, ist sie ihrem früheren Chef aus Panketal bis heute dankbar.
Übrigens gilt das Bockhardtsche Prinzip auch im Privatleben von Renate Geißler. „Bevor wir was anfangen, will ich wissen, dass es klappt“, sagt sie.
