Der rund 1300 Hektar große Stadtwald prägt die Landschaft nördlich von Biesenthal. Er gilt als Monokultur, die Kiefernbestände machen 87 Prozent aus. Der Anteil der Buche beträgt vier Prozent ohne Waldumbau. Darüber hinaus sind Birken und Douglasien anzutreffen, außerdem – zum Teil nur noch sehr wenige – Eschen, Fichten und Erlen. Noch einen trockenen Sommer würden die letzten kleinen Fichtenstandorte nicht überstehen, prognostiziert der Förster. Problematisch sind vor allem stadtnahe Flächen. Aus Verkehrssicherungsgründen müssen an Straßen immer wieder Bäume gefällt werden.
Ein Fall für die Hochschule
In den vergangenen beiden Jahren sind keine Verjüngungsmaßnahmen durchgeführt worden. Das Risiko von Anpflanzungen, so Schulz, sei zu groß gewesen und hätte aufgrund der Trockenheit zu einem wirtschaftlichen Desaster führen können. Durch Waldbrände habe es 2018 keine gravierenden Schäden gegeben, auch 2019 sei der Biesenthaler Wald noch vergleichsweise glimpflich davongekommen. "Wir haben bisher einfach Glück gehabt", fasst Thomas Schulz zusammen und baut mit Blick auf die Klimaentwicklung zugleich vor: "Wir müssen den Wald weiterbringen. Wenn sich irgendein Schadinsekt ausbreitet, dann ist aufgrund der Kierfern-Monokultur der gesamte Wald zwischen Biesenthal und Sophienstädt gefährdet." Wie wertvoll er ist, sei daran abzulesen, dass 70 bis 80 Prozent des Trinkwassers aus dem Stadtwald komme. Wirtschaftlich wird für 2020 ein Ertrag von etwa 200 000 Euro prognostiziert, wobei der die Preise am Holzmarkt sehr schwankend sind. Die Nutzung des Waldes sollte immer unter zehn Prozent des Zuwachses liegen, so Schulz. Auch daran wird deutlich, dass ein zweimaliger Ausfall der Verjüngung nicht ohne Bedeutung ist.
Thomas Schulz schlägt vor diesem Hintergrund die Erarbeitung eines Konzeptes mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNEE) vor. Es sollte die Ziele für die Waldnutzung in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht festlegen. Möglich sei auch, dass dies im Zusammenhang mit der Erstellung einer Masterarbeit an der HNEE geschehe. Letzten Endes gehe es um die Frage, was die Stadt mit dem Stadtwald anfangen will. Das Konzept sollte dann 2021 als Grundlage für die Forstarbeit beziehungsweise Dienstleister beschlossen werden.
Licht und Totholz
Bürger interessierten oft ähnliche Fragen zum Wald, so Thomas Schulz. "Ohne Licht funktioniert kein Waldumbau. Damit die Verjüngung erfolgen kann, muss zunächst einmal Holz gemacht werden." Auch Totholz sei im Wald wichtig, es sollte aber nicht Überhand nehmen, damit sich Insekten entwickeln, die wiederum Schadinsekten in Schach halten.
Im Bauausschuss kam der Vorschlag zur Erarbeitung eines Konzeptes für den Wald gut an. Im Mai und Juni stehen Waldbesichtigungen der Stadtverordneten auf dem Plan.