Online: Im Barnim bieten erste Ärzte Video-Sprechstunden an

Mit Headset am Bildschirm: Doktor Kati Voigt bietet seit April in ihrer Praxis für Diabetologie in Panketal sogenannte Videocalls an. 15 Patienten nutzen die digitale Sprechstunde bereits regelmäßig. Und die Nachfrage steigt.
Sergej ScheibeSeit April bietet Voigt nun die digitale Sprechstunde an. Damit gehört sie im Niederbarnim zu den Pionierinnen, da bislang nur wenige Mediziner einen solchen Service bereitstellen. Ausgenommen sind die 70 Haus- und Fachärzte, die zur Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch gehören. Seit April haben Patienten dort ebenfalls die Möglichkeit, eine Videosprechstunde zu buchen. Am Bernauer Immanuel Klinikum wird die Option einer Video-Sprechstunde zudem geprüft, heißt es auf MOZ-Nachfrage.
Für die Panketaler Fachärztin Kati Voigt liegen die Vorteile der digitalen Sprechstunde auf der Hand: „So lassen sich lange Anfahrtswege für Patienten und lange Wartezeiten sparen“, sagt die 44-Jährige, deren Patientenstamm weit über den Barnim hinausgeht. Ein weiterer Vorteil: Es besteht kein Ansteckungsrisiko im Wartezimmer. Ein wichtiger Faktor in Zeiten des Coronavirus. Wobei Voigt betont. „Die Idee zur digitalen Sprechstunde hatte ich auch schon vor Corona.“
Smartphone oder Computer
Technisch ist nicht viel nötig, um den Arzt digital zu treffen. Der Patient braucht nur Smartphone oder einen Computer. Beide Geräte müssen mit einer Kamera ausgerüstet sein. Wichtig ist zudem, dass die Internetverbindung stabil ist.
Die digitale Sprechstunde läuft dann in der Regel wie folgt ab: Der Patient bekommt einen Code per Mail zugeschickt, wählt sich kurz vor der verabredeten Termin in das virtuelle Wartezimmer ein. Und dann, wenn auch der Arzt bereit ist, kann der sogenannte Videocall starten. Die Verbindung zwischen Arzt und Patient läuft dabei verschlüsselt ab, das ist eine der Bedingungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Anbieter für diese Videodienste gibt es mehrere.
Kati Voigt trifft inzwischen 15 ihrer Patienten regelmäßig auf digitalem Wege. Und die Zahl steigt. „Gerade in der Diabetologie, in der es viele chronisch Kranke gibt, kann ich so viele Besprechungen durchführen“, erklärt Voigt. Zum Beispiel, um die Blutzuckerwerte zu analysieren. Oder, wenn Patienten vorher bei einer Blutentnahme waren. Dann könne man die Befunde, sobald sie vorliegen, anschließend per Videoanruf durchgehen. Und sollte ein Medikament nötig sein, wird das ebenfalls besprochen – und das Rezept per Post nach Hause geschickt.
In Eberswalde stärker verbreitet
Warum es bislang im Niederbarnim nur wenige Ärzte gibt, die auch Online-Sprechstunden anbieten, kann Kati Voigt nicht verstehen. Solange die Internetverbindung stabil sei, könne praktisch nichts schiefgehen. "Und aus meiner Erfahrung fragen auch ältere Menschen nach diesem Angebot.“
Im Eberswalder Raum ist die Online-Sprechstunde bereits stärker verbreitet. Nach Angaben der Gesellschaft für Leben und Gesundheit mbH (GLG) bieten aktuell insgesamt sieben Praxen der Stadt digitale Sprechzeiten an. Darunter befinden sich Internisten, Allgemeinmediziner, ein Pneumologe, eine Hautärztin und auch ein Kinderarzt.
Telemedizin seit 2018 möglich
Seit der Deutsche Ärztetag 2018 das Fernbehandlungsverbot gelockert hat, können Patienten per Telefon oder Videochat behandelt werden.
Allerdingsdürfen Ärzte bisher nur 20 Prozent ihrer Patienten ausschließlich per Video behandeln. Diese Beschränkung wurde wegen Corona aufgehoben. Seit 1. April sind Online-Behandlungen unbegrenzt möglich.
Grundsätzlich kann jeder Arzt eine Videosprechstunde anbieten. Ausgenommen sind lediglich Laborärzte, Nuklearmediziner, Pathologen und Radiologen.⇥red
