Open Air
: Heimspiel für Comedy-Duo

Auf der Bühne der Stolzenhagener Liegewiese trifft das erfolgreiche Comedy-Duo „Tiere streicheln Menschen“ auf bekannte Gesichter.
Von
Hans Still
Stolzenhagen
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  • Gelungener Abend: "Tiere streicheln Menschen", das sind der frühere Stolzenhagener Sven van Thom (l.) und Martin "Gotti" Gottschild. Beide sorgten am Sonnabend trotz des zeitweiligen Regens für ausgelassene Stimmung.

    Gelungener Abend: "Tiere streicheln Menschen", das sind der frühere Stolzenhagener Sven van Thom (l.) und Martin "Gotti" Gottschild. Beide sorgten am Sonnabend trotz des zeitweiligen Regens für ausgelassene Stimmung.

    hans still/MOZ
  • Sind gut vorbereitet: Regenschirme und Planen schützen vor dem Platzregen.

    Sind gut vorbereitet: Regenschirme und Planen schützen vor dem Platzregen.

    hans still/MOZ
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Die Antwort fällt eindeutig aus: „Ja, diese Karriere zeichnete sich schon in seiner Schulzeit ab. Sie haben ja immer im Keller mit der Band geprobt, direkt neben den Kohlen“, erinnert sich der Wandlitzer Gymnasiumsleiter Hartmut Arndt. Die Szene spielt am Sonnabendabend auf der Liegewiese der Fischerstube in Stolzenhagen. Arndt lehnt locker an einem Tisch, in Sichtweite schaffen sich Sven van Thom und Martin „Gotti“ Gottschild, die als Comedy-Duo „Tiere streicheln Menschen“ schon seit zehn Jahren erfolgreich unterwegs sind. Später begrüßt Schulleiter Arndt seinen ehemaligen Schüler mit „Hallo Sveni“. Spätestens da wird klar, beide hatten schon früher ein sehr gutes Verhältnis zueinander, als die Band "Sofaplanet“ mit ihrem Song „Liebficken“ durchstarten konnte.

Unfruchtbarer Boden

Sven von Thom, so der  Künstlername des 41-Jährigen, der in Stolzenhagen groß wurde, kommt auf der Bühne selbst auf seine Herkunft zu sprechen. „Ich blicke hier in viele bekannte Gesichter, das steigert die Aufregung“ heuchelt er kurz, eher er seine respektlosen Witze und rebellischen Lieder startet. Beispielsweise auf sich selbst: Die Rede kommt auf den unfruchtbaren Boden, den manche auch Glatze nennen. „Anhaarchie“ macht die Runde, wohl auch deshalb nennt sich das Programm "Dicke Luft und dünnes Haar“.

Es folgt ein Lied über den Lautesten im Yoga-Kurs, der manchmal auch schnarcht. Geht es um köstlichen schwarzen Humor und böse Pointen – „Gotti“ Gottschild steht seinem Partner in nichts nach, wie seine Berichte übers eigene Familienleben beweisen.

Beherzt zieht er über das Parfüm seiner Partnerin her, Autan. Ein kleiner Bengel ranzt ihn an und fängt eine passende Antwort. „Du laufender Meter, wenn ich ein Vampir wäre, würde ich Dich auf Ex austrinken.“ Später folgen Berichte der Reisevorbereitungen für den „Hafturlaub auf Binz“, die eher der Planung eines Bankraubes gleichen. Auf dem Weg zur Ostsee mit Tempo 180 durch die Ortschaften, beim Überholmanöver schiebt die Partnerin ihm hartgekochte Eier zwischen die Zähne, dann Kaffee, dann folgen Knutscher. „Manchmal lasse ich das Eigelb-Bällchen unzerkaut auf unseren Zungen hin und her tanzen, bis es in sich zerfällt und langsam in die Backentaschen abläuft“, behauptet Gotti. Darauf muss man kommen, angeblich macht „ditt die Weiber wild“. Jedenfalls tritt der „Liebsten das Weiße in die Augen“.

Das Publikum reagiert selbst auf derbste Witze mit herzhaftem Lachen, es unterhält sich prima. Daran ändert auch der Regen nichts, der aufs Dach der Bühne prasselt und bei den Zuschauern bunte Schirme und Planen zum Vorschein bringt. Gotti berichtet gerade von blonden Ratiopharm-Zwillingen, die Mau-Mau spielen und sich so ähnlich waren, dass am Ende keiner mehr wusste, wer dran ist. Sven van Thom bedient sich bei den Kollegen und kupfert gekonnt musikalisch und in der Performance. Rammstein, Elektrobeat, eine Falco-Bühnenshow, die berühmte Trommel von Stephan Remmler – dazu die tiefsinnigen Zeilen „Ich hab den Müll runtergebracht, und den Abwasch gemacht, und jetzt soll ich ihr auch noch sagen, dass ich sie liebe.“ Sein dynamischer Vortrag wird mit stürmischem Applaus belohnt.

Wer das Duo liebt, muss sich einige Monate bis zum Wiedersehen in der Heimat gedulden. Am 30. November präsentieren beide das neue Programm „Zwei Moorleichen auf Ibiza“ in der Wandlitzer Kulturbühne „Goldener Löwe“.

Fischer-Stuben-Inhaber Steffen Köhler zeigte sich, ebenso wie das Publikum, hoch zufrieden mit den beiden. Er ist bekennender Fan und freute sich über die Möglichkeit, diesen hochschrägen Humor auf seiner Bühne anbieten zu können. In seinem Sommerprogramm geht es übrigens am 30. August kulturell weiter. „Sommer, Sonne, Sonnenbrand“ heißt das Gastspiel des Wandlitzer Theaters an diesem Abend. Am Tag darauf wird dann der See beim „Stolzenhagener Lichterfest“ erleuchtet. An diesem Abend illuminieren die Anlieger nicht nur ihre Stege, auch die Fischerstube lädt ein.