Für Frank Süsser scheint die Sache klar: "Es ist so viel Geld für Straßenbau da wie noch nie", verkündete der Ministerialrat im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur am Mittwochabend auf einer Informationsveranstaltung zur Umgehungsstraße B 158 neu in Ahrensfelde.
Zugleich schob Süsser die Verantwortung dafür, ob die Einwohner und Pendler weiterhin im Stau stecken wollen oder nicht, den Ahrensfeldern zu. "Im nun beginnenden Baurechtsverfahren kann sich jeder für oder gegen die gefundene Lösung entscheiden", betonte der Beamte. Damit meinte er die Variante II, die sich  im Raumordnungsverfahren nach Auffassung der Behörden als die "beste Lösung" herausgestellt hatte. Die Umgehungsstraße soll demnach an der Märkischen Allee im Bereich des S-Bahnhofes Ahrensfelde beginnen. Über eine neue Kreuzung Ahrensfelder Chaussee/Dorfstraße verläuft sie über die Klandorfer Straße in Marzahn und anschließend über Ackerflächen wieder zurück auf die B 158. Das Planfeststellungsverfahren für das Projekt hatte jahrelang geruht. Erst vor wenigen Tagen hatten Berlin und Brandenburg eine Finanzierungsvereinbarung für eine Troglösung mit teilweiser Deckelung unterzeichnet. Beide Länder tragen die Kosten dafür in Höhe von rund zwölf Millionen Euro je zur Hälfte. Der Bund, der zunächst eine ebenerdige Ortsumfahrung vorgesehen hatte, investiert 45 Millionen Euro. Die 4,6 Kilometer lange Umfahrung ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 festgeschrieben.
Der Ministeriumsvertreter erteilte auf eine entsprechende Frage auch der Forderung, das gesamte Verfahren erneut zu beginnen, eine klare Abfuhr. "Unser Angebot steht", erklärte Süsser. Es sei nun Aufgabe der Einwohner, darüber zu entscheiden, ob sie die Umgehungsstraße wollen oder nicht, wiederholte er. Das Verfahren hänge "von der Qualität und Quantität der Einwände im Planfeststellungsverfahren ab", so Süsser.
Für viele Ahrensfelder und Marzahner, mehr als 300 waren in das Ortsteilzentrum gekommen, ist die Sache dagegen alles andere als klar. Es hagelte deutliche Kritik am Verfahren, am Trassenverlauf und an den politischen Spielchen von Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg. "Es ging immer nur ums Geld", meinte ein Marzahner. Da nun aber genügend finanzielle Mittel vorhanden seien, könnte man auch eine "Lösung finden, die im Interesse der Anwohner und Pendler ist", so der Mann.
"Erste Maßnahmen" Ende 2024
"Das ist eine Autobahn, die durch unser Dorf führt", sagte Oda Formazin und sprach von einem "Desaster für Ahrensfelde". Sie kritisierte scharf das Land Berlin, das eine Variante über eigenes Gebiet abgelehnt hatte. "Dann hat Brandenburg gesagt, uns ist es egal, nehmen wir eben eine andere Trasse", so die Ahrensfelderin. Die Widerstände der Gemeinde, aber auch der Willen der Einwohner seien ignoriert worden. "Die geplante Ortsumfahrung verdient nicht diesen Namen", betonte Formazin unter dem Beifall der Zuhörer. Weder das Land noch der Bund hätten sich für die Menschen eingesetzt. "Alle haben versagt". Formazin kündigte an, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Variante II zu verhindern.
Viele Anwohner wünschen sich eine Trasse, die im Osten in einem etwas größeren Bogen um Ahrensfelde herumführt. Diese wurde im Raumordnungsverfahren jedoch abgelehnt, weil sie mit massiven Eingriffen in die Landschaft verbunden sei, wie es damals hieß. Nach dem gegenwärtigen Terminplan soll das nun fortzusetzende Planfeststellungsverfahren etwa zwei Jahre dauern. Alle Einwände müssten bearbeitet und sorgfältig abgewogen werden. "Dies braucht Zeit", so Marko Jürgen vom Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg. Wenn alles "glatt durchgehe" gebe es einen Beschluss, anschließend beginne die Ausführungsplanung. "Erste Maßnahmen" könnten dann wahrscheinlich Ende 2024 erfolgen, so Jürgen. "Das wird doch nichts mehr", meinte ein älterer Mann und verließ genervt den Saal.