Porträt: Frederiek Weda ist neue Leiterin der Galerie Bernau

Hat viele Ideen: Die neue Galerie-Leiterin heißt Frederiek Weda und möchte die Bernauer mit bildender Kunst konfrontieren.
Sergej ScheibeDass es sie einmal nach Bernau verschlagen würde, war der gebürtigen Niederländerin nicht klar. Dann bewarb sie sich doch auf die Stelle der Galerieleitung und setzte sich gegen 30 andere Kunstbegeisterte durch.
„Dass ich das 30–Jährige der Galerie jetzt mitfeiern durfte, war schön. Es ist wirklich eine Wahnsinnsleistung, dass eine Kunstgalerie so lange verweilt“, macht Frederiek Weda klar. Ihr rotblondes Haar hat die Kunstwissenschaftlerin verwegen zu einem Knoten gesteckt, klar sind ihre Linien.
Das Studium der Kunstwissenschaften hat die inzwischen in Berlin lebende Weltenwanderin an der Katholischen Universität Leuven in Belgien und an der Freien Universität Berlin absolviert. Später machte sie ein Praktikum im Kunstraum Kreuzberg im Bethanien und ein Volontariat beim Professionalisierungsprogramm Goldrausch, einem Künstlerinnenprojekt. Was Bernau aufgebaut hat, ringt ihr Hochachtung ab. Denn die Galerie arbeitet kommunal und ist nicht profitorientiert.
Die bildende Kunst zu fördern, vorhandene Potenziale zu nutzen, diesen Ansatz trägt Frederiek Weda gern mit. Sie selbst arbeitet mit visuell bildender Kunst, bewegt sich sicher durch alle Medien und möchte zeitgenössische wie experimentelle Positionen in die Öffentlichkeit heben. „Neue Medien und moderne Denkweisen sind streitbar“, sagt Weda. Sie durchdringen das Leben der Menschen und provozieren. Das seien wichtige Ansätze von Kunst.
Dabei möchte sie einiges von ihrer Vorgängerin Ann–Kathrin Rudorf Begonnenes fortführen, jedoch auch Eigenes einbringen. „Ich habe Verständnis für den Förderkreis der Galerie und möchte wieder mehr Regionalität in die Ausstellungen bringen“, erläutert die Galerieleiterin und streicht sich eine Strähne aus dem Gesicht. Ab und an richtet sie den Blick in den kleinen Raum der Bürgermeisterstraße, betrachtet ihn und schmiedet Pläne. Mit dem Kuratorium hat sie das Programm 2020 ausgewählt.
Raumgreifende Stoffe
Ende des Jahres wird Christa Maria Jeitner ausstellen, eine Künstlerin, die schon 1989, als die Galerie das Laufen lernte, mit dabei war. Mit Textil–Objekten und weiten Stoff–Installationen erobert sich die Barnimer Künstlerin den Raum. Sie steht im Dialog mit weitestgehend unbekannten Werken aus dem Nachlass des Bauhaus–Künstlers Martin Jahn (1898—1981).
Aber auch an Josie Rücker denkt Weda, die sich Anfang 2020 vorstellt. Die Biesenthaler Filmemacherin und Fotografin ist keine Unbekannte. Mit „Die Kinder der Orama“ leistet sie einen Beitrag der Auseinandersetzung deutsch–jüdischer Geschichte.
Frederiek Weda, die sich auf die Arbeit in Bernau freut, hat vier Jahre lang in der Galerie Thomas Fischer und in der Künstlerresidenz AIR Antwerpen Ausstellungen kuratiert. Die kleinstädtische Atmosphäre aber, sagt sie, biete ihr Raum und sehr direkte und persönliche Formen der Kommunikation. Zum Nachbarn zu gehen, sich zu zeigen und ansprechbar zu sein, das möchte die Galerieleiterin leben. Der große Rückhalt in der Kommune durch Vereine könne durch die Professionalisierung der Galerie nur gewinnen, schätzt die moderne Frau ein, die ehrenamtlich für einen feministischen Kreis von Kunstarbeiterinnen engagieren möchte.
„Aktuell stecke ich zwischen Umzugskisten“, sagt Frederiek Weda und lacht. Schnell zieht sie Gesprächspartner in ihren Bann, ohne zu viel von sich preiszugeben. Freunde zu treffen, die Familie, das sei ihr sehr wichtig. Und natürlich das Leben mit ganz viel Kunst. Wenn sie Zeit findet, geht sie joggen und nutzt die Ruhemomente zum Innehalten. Auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen der Bernauer BeSt GmbH als Arbeitgeberin und Kollegin Isabelle Schmolzi freut sie sich.