Porträt
: Seit drei Jahrzehnten leiten sie den Sadako-Chor

Michael und Welislawa Letz sind die Chorleiter des Kinder- und Jugendensembles Sadako.
Von
Amy Walker
Zepernick
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  • Großer Auftritt in der Philharmonie: Der Kinder- und Jugendchor präsentiert alle vier Jahre in Berlin sein Können, zuletzt 2018. Es ist eine von vielen schönen Erinnerungen für die beiden Chorleiter.

    Großer Auftritt in der Philharmonie: Der Kinder- und Jugendchor präsentiert alle vier Jahre in Berlin sein Können, zuletzt 2018. Es ist eine von vielen schönen Erinnerungen für die beiden Chorleiter.

    Privat
  • Michael und Welislawa Letz: Die beiden Musiklehrer singen gemeinsam bei einer Probe.

    Michael und Welislawa Letz: Die beiden Musiklehrer singen gemeinsam bei einer Probe.

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Der Chorunterricht beginnt um 15.30 Uhr. Gegen 15.25 tröpfeln die ersten Jungen und Mädchen in die Aula der Grundschule Zepernick ein, am Eingang werfen sie ihre übergroßen Schulranzen auf den Boden. Pünktlich kommt der große Mann mit dem freundlichen Gesicht und dem Schnauzbart um die Ecke und begrüßt herzlich die Kleinen. „Na wunderbar, kommt nach vorne, setzt euch ordentlich hin und seid artig“, sagt Michael Letz, einer der beiden Chorleiter des Kinder- und Jugendensembles Sadako. „Wir müssen artig sein?!“ Die sarkastische Frage kommt von einem blonden Mädchen – Michael Letz wirft ihr einen Blick zu. Sie lächelt frech und setzt sich brav hin.

Michael Letz sitzt am Klavier, und die Gruppe von 15 Jungen und Mädchen beginnt mit dem Aufwärmsingen. Auf den ersten Blick wirkt die Gruppe chaotisch und wild – aber sobald sie mit dem Singen anfängt, wird klar, dass sie doch schon Ahnung hat. „Das war gerade ziemlich fantastisch“, sagt Michael Letz irgendwann. Kurze Zeit später wird die Tür wieder aufgerissen und eine Frau tritt hinein. Welislawa, die zweite Chorleiterin und Ehefrau von Michael, ist da. Sie setzt sich in die Reihe mit den Kindern und singt mit ihnen, kontrolliert deren Stimmen und unterstützt sie. Wenn ein Lied nicht wirklich zu klappen scheint, befielt sie den Kindern, einen Finger ins Ohr zu stecken, damit sie ihre eigenen Stimmen besser hören. Die Gruppe hat Spaß, sie darf wählen, welche Lieder sie als nächstes singen wird und manche dürfen sogar Solo singen. Nach einer Stunde Probe sind die Kinder ruhiger und entspannter.

Jahrzehnte voller Musik

Für Welislawa und Michael Letz hat alles 1986 angefangen. Den Chor gibt es aber schon seit über 60 Jahren. Benannt ist er nach Sadako Sasaki, einem japanischen Mädchen, das durch die Atombombe über Hiroshima schwer erkrankte und später starb. Der Chor trägt ihren Namen, damit die Kinder über Solidarität und Frieden zwischen den Völkern nachdenken, insbesondere, wenn sie fremdsprachige Lieder singen.

„Das Wichtigste für uns ist die musikalische Erziehung der Kinder. Aus diesem Grund ist der Chor auch für alle offen. Wir machen das querbeet, mit allen, die wollen“, sagt Michael Letz. Das Ensemble hat zwei Probegruppen: Die Jüngsten sind im Alter von sechs oder sieben Jahren. Im Anschluss kommen „die Großen“ – eine gemischte Gruppe aus allen Altersgruppen, Jugendliche wie Erwachsene. Der Sadako-Chor singt auf verschiedenen Sprachen, das ist das Besondere an diesem Ensemble.

Einer der „Alten“ ist Lars Grote, der selbst einmal als Schüler dem Chor beigetreten ist. „Irgendwie bin ich jetzt 20 Jahre dabei. Ich weiß eigentlich gar nicht, wie es dazu gekommen ist“, erzählt er lachend. Der Chor ist zu einer Art Familie geworden. Für ihn – und auch für die beiden Chorleiter – gibt es viele schöne Erinnerungen, wobei eines ganz besonders heraussticht. „Ich denke sofort an ein Konzert, das wir in Lettland hatten, das war im Jahr 2004.“ Die Kleinstadt Talsi, in der das Ensemble zu Besuch war, hat eine eigene Hymne. Michael hat einen deutschen Text für diese Melodie geschrieben. „Beim Konzert haben wir diese Hymne gesungen. Erst auf Deutsch und dann auf Lettisch. Und als die Bürger es erkannten, war der ganze Raum voller Emotionen. Da sind auch einige Tränen geflossen“, erinnert sich Michael Letz. Seitdem kommen ihre lettischen Freunde jedes Jahr zu Besuch. „Es ist eine langjährige Freundschaft daraus entstanden“, sagt Welislawa Letz.

Würdigung fürs Ehrenamt

Die beiden Musiklehrer leiten den Sadako-Chor seit mehr als 30 Jahren ehrenamtlich. Im Oktober wurden sie von der Stadt Panketal für ihre Arbeit und ihr Engagement gewürdigt.

„Das war wirklich schön, diese Ehrung. Wobei wir es sehr schade fanden, dass für all die Kinder nichts in dem Geschenkkorb dabei war. Zumindest denke ich, dass die Blutwurst für die Erwachsenen gedacht war“, sagt Welislawa Letz.