Nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine bereiten sich der Landkreis Barnim und die Kommunen auf die Ankunft zahlreicher Flüchtlinge aus dem Krisengebiet vor. Gerechnet wird vor allem mit Frauen und Kindern. Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen die Ukraine nicht verlassen.
„Wir bereiten uns aktuell darauf vor, unsere Kapazitäten für die Aufnahme von Menschen aus der Ukraine anzupassen“, erklärte Landrat Daniel Kurth (SPD). „Ich hoffe sehr, dass uns eine weitere Eskalation der Lage erspart bleibt“, so Kurth weiter, der sich bestürzt von den Geschehnissen der vergangenen Tage zeigte. Der Landrat bat die Barnimer um Unterstützung. Vor allem Unterkünfte würden jetzt gebraucht. Wer über sofort verfügbaren und zu fairen Preisen vermietbaren Wohnraum verfüge, könne sich unter ukraine-hilfe@barnim.de melden. Was hingegen nicht gebraucht werde, seien Sachspenden. „Sollten Bedarfe für Kleidung, Möbelstücke oder andere Sachmittel ersichtlich werden, wird der Landkreis Barnim hierüber öffentlich informieren“, erklärte der Sprecher der Kreisverwaltung, Robert Bachmann.

Werneuchen stellt Formular für Wohnungsangebote Online

Die Stadt Werneuchen stellte auf ihrer Internetseite ein Online-Formular zur Verfügung, in dem freie Quartiere in der Stadt oder den Ortsteilen gemeldet werden können. „Jeder, egal ob privat oder gewerblich, kann sich bei uns melden. Egal ob Gästezimmer oder Ferienwohnung – wichtig ist die Möglichkeit der Privatsphäre und das Vorhandensein von sauberen und funktionierenden Sanitäreinrichtungen“, erklärte Bürgermeister Frank Kulicke. Wer das Formular ausfülle, gehe noch keine Verpflichtungen ein. „Alle Details werden später persönlich besprochen“, so Kulicke.

Oliver Borchert: „Jede Hilfe ist jetzt wichtig“

Auch der Bürgermeister von Wandlitz, Oliver Borchert, rief seine Einwohner auf, freie Gästezimmer, Einliegerwohnungen, Sommerhäuschen oder Hotelzimmer anzubieten. „Jede Hilfe ist jetzt wichtig und herzlich willkommen,“ sagte Borchert, der sich besorgt über die Situation in der Ukraine zeigte. „Die Bilder und Nachrichten, die uns von dort erreichen, sind beängstigend und machen fassungslos.“ Er hoffe auf eine politische Lösung und ein schnelles Ende der Leiden.

Panketal will Kriegsflüchtlinge in ehemaliger Kita unterbringen

In Panketal will Bürgermeister Maximilian Wonke (SPD) den Gemeindevertretern vorschlagen, die ehemalige Kita Traumschloss als Unterkunft für bis zu 50 Kriegsflüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Erweiterungen seien bei Bedarf im Umfeld möglich. Wonke sprach von herzzerreißenden Bildern von Familien, „die sich von ihren für Frieden und Freiheit kämpfenden Vätern“ verabschieden. Er fühle sich verpflichtet, zu helfen.

In Bernau werden rund 200 Flüchtlinge aus der Ukraine erwartet

Bernaus Bürgermeister André Stahl (Linke) geht davon aus, dass allein die Hussitenstadt in den kommenden Wochen und Monaten rund 200 Menschen aus der Ukraine aufnehmen werde. Sie sollen in der künftigen Pflegeschule der Michels-Kliniken im UNESCO Welterbe Bauhaus Denkmal Bernau in Waldfrieden untergebracht werden. „Ich habe mit den Michels-Kliniken bereits gesprochen“, sagte Stahl.

Bürger gehen gegen den Krieg auf die Straße

Bei einer Anti-Kriegs-Kundgebung am Bahnhof mit rund 80 Teilnehmern bat Stahl die Bernauer, die Menschen aus dem Kriegsgebiet wohlwollend zu empfangen. Zugleich zeigte er sich erschüttert vom Einmarsch der Russen in der Ukraine. „Ich bin einer Illusion beraubt worden“, sagte Stahl. „Ich habe lange Verständnis für Putins Bedenken gehabt, aber immer geglaubt, dass wir eine Sicherheitsarchitektur in Europa entwickeln können, die allen entgegenkommt. Wer aber mit Panzern und Raketen in ein anderes Land einmarschiert, stellt sich klar ins Unrecht.“
Bei Lichterketten und Friedensgebeten gedachten zahlreiche Menschen am Abend in Basdorf und Klosterfelde der ersten Opfer des Krieges und äußerten ihre Hoffnung auf ein schnelles Ende der Kampfhandlungen.
In Basdorf protestierten Menschen mit einer Lichterkette gegen den Krieg in der Ukraine.
In Basdorf protestierten Menschen mit einer Lichterkette gegen den Krieg in der Ukraine.
© Foto: Sergej Scheibe

Landrat, Kreistagspräsident und Fraktionsvorsitzende stellen Forderungen an Russland

Landrat Daniel Kurth, Kreistagspräsident Othmar Nickel und die Vorsitzenden von acht Kreistagsfraktionen verurteilten die russische Invasion in einer gemeinsamen Erklärung: „Mit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine ist Völkerrecht gebrochen worden. Das ist durch nichts zu rechtfertigen. Unsere Solidarität gilt den Menschen, die Opfer dieses Krieges sind. Eines Krieges, der den Frieden und die Sicherheit in ganz Europa gefährdet. Krieg darf niemals Mittel politischer Auseinandersetzung sein!“ Die Kommunalpolitiker fordern den Stopp der Kampfhandlungen und den Abzug aller russischen Truppen aus ukrainischem Staatsgebiet, die Anerkennung der Souveränität der Ukraine durch Russland, die Öffnung der EU-Ostgrenzen für Geflüchtete sowie die sofortige Rückkehr an den Verhandlungstisch.
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