S-Bahn
: 72-jähriger Bernauer erstellt Studie zum 10-Minuten-Takt der S2

Sein Ergebnis: Die Taktverdichtung ab Bernau ist praktisch sofort möglich.
Von
Christian Heinig
Bernau
Jetzt in der App anhören
  • Stark nachgefragt: Seit Jahren fordern Bürger und Politiker einen Zehn-Minuten-Takt bei der S2 ab Bernau – bislang ohne Erfolg.

    Stark nachgefragt: Seit Jahren fordern Bürger und Politiker einen Zehn-Minuten-Takt bei der S2 ab Bernau – bislang ohne Erfolg.

    Soeren Stache
  • Eisenbahnkenner: Rolf Schlöffel aus Schönow hält den Zehn-Minuten-Takt Berlin–Bernau für machbar.

    Eisenbahnkenner: Rolf Schlöffel aus Schönow hält den Zehn-Minuten-Takt Berlin–Bernau für machbar.

    privat
1 / 2

Bevor wir ins Detail gehen: Warum interessiert Sie das Thema Zehn-Minuten-Takt bei der S2 überhaupt?

Ich wohne seit 40 Jahren in Bernau und bin in den 80er Jahren täglich mit der S2 nach Berlin gefahren. Damals war das bei einem 20-Minuten-Takt auch sehr entspannt. Fast jeder hatte einen Sitzplatz bis Pankow und darüber hinaus. Ab Mitte der 90er Jahre begann jedoch eine rasante Bautätigkeit im Niederbarnim, die Bevölkerungszahl schoss in die Höhe. Heute ist die S2 in den Stoßzeiten rappelvoll, vor allem deshalb, weil der bereits lange angekündigte Zehn-Minuten-Takt nicht realisiert wird. So fahren viele Pendler lieber mit dem eigenen Auto zur Arbeit nach Berlin, was nicht gerade klimafreundlich ist und die Lebensqualität von vielen einschränkt. Als besorgter und auch fachkundiger Bürger möchte ich mit meinen Untersuchungen zur Machbarkeit eines Zehn-Minuten-Taktes dazu beitragen, damit endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Ihre Untersuchung umfasst 35 Seiten und nimmt die Strecke zwischen Bernau und Buch ins Visier, auf der die Züge im Moment nur alle 20 Minuten fahren. Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Meine Untersuchungen haben ergeben, dass sofort und ohne jegliche bauliche Maßnahmen der Zehn-Minuten-Takt zwischen Buch und Bernau aufgenommen werden könnte. Ein 400 Meter langes Ausweichgleis, das mehrere Millionen Euro kosten würde, ist nicht nötig. Das gilt auch für den Bau eines zweiten S-Bahn-Gleises. Um den Takt auch wirklich umzusetzen, muss jedoch ein ernsthafter Wille von den maßgeblichen Stellen bei der Landesregierung in Potsdam, bei der Bahn und dem VBB vorhanden sein.

Worauf stützt sich das Ergebnis?

Meine Machbarkeitsstudie basiert auf den Daten des gegenwärtig gültigen Fahrplans der S2. Nach diesen Angaben habe ich einen Bildfahrplan aufgebaut, also quasi ein Weg-Zeit-Diagramm. Dazu habe ich den Zweig Buch-Lichtenrade einfach bis Bernau im Takt von zehn Minuten verlängert. Man sieht in dem Diagramm, an welchem Punkt und zu welcher Zeit sich die jeweiligen Züge der S2 auf dem Abschnitt zwischen Buch-Bernau-Buch jeweils befinden. Wichtig ist, dass sich die Züge auf einer eingleisigen Strecke nicht auf offener Strecke begegnen. Das wäre ein Ausschlusskriterium.

Und was zeigen die Diagramme?

Bei der Simulation, die ich gemacht habe, gibt es auf keinem Punkt zwischen den jeweiligen Bahnhöfen und Haltepunkten Überschneidungen. Das heißt, eine Begegnung wäre etwa am Bahnhof Zepernick möglich, hier gibt es ja bekanntlich auch zwei Bahnsteiggleise.

Was haben Sie mit Ihren Untersuchungsergebnissen vor?

Ich habe sie verschickt. An den Landtagsabgeordneten Péter Vida und die Bürgermeister von Panketal, Bernau und Biesenthal. Von Herrn Vida erhielt ich bereits eine Rückäußerung, die auf das Interesse der Freien Wähler für dieses Thema schließen lässt. Von den Herren Wonke, Stahl und auch Bruch habe ich noch nichts gehört. Ich hoffe, das hat nichts mit Desinteresse zu tun.

Haben Sie vor, Ihre Untersuchungen auch an die Landesregierung beziehungsweise Vertreter der Bahn zu schicken?

Nein, das habe ich nicht vor. Ich zähle da auf die gewählten Politiker in den genannten Städten und Gemeinden und ihr vitales Interesse für eine Lösung. Für die Landesregierung in Potsdam liegt der Niederbarnim gefühlt fast schon in Sibirien. Nur in Wahlkampfzeiten erscheinen von dort Politiker in Bernau und Umgebung. Deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig, dass die von den Bürgern aus dem Niederbarnim in den Landtag gewählten Abgeordneten – egal welcher Partei sie angehören –, sich gemeinsam für die Belange ihrer Region und für das Wohlergehen der Wählerinnen und Wähler in Potsdam stark machen.

Bei der Deutschen Bahn wird die Realisierung des Zehn-Minuten-Taktes derzeit geprüft. Fahrpläne und Infrastruktur werden untersucht.

Die Prüfungen gehen schon seit Jahren. Ich bin gespannt, was da herauskommt. Ein Ergebnis hätte aus meiner Sicht schon lange vorliegen können. Was den Bürgerinnen und Bürgern bisher immer von der Bahn, dem VBB und den Politikern in Potsdam verschwiegen worden ist, ist schlicht und einfach der Mangel an S-Bahn-Zügen, die man für solch eine Taktverdichtung benötigt. In Fachkreisen ist das längst bekannt. Ich habe für meine Studie letztlich einen Monat benötigt – und das ohne große Computerprogramme. Mein Vorschlag wäre, dass es eine „neutrale“ Überprüfung des Taktes gibt, durch die TU Berlin. Man könnte zum Beispiel einem Masterstudenten aus dem Verkehrsbereich die Aufgabe einer Simulation unter Aufsicht eines Professors übertragen.

Untersuchungen durch DB Netz AG

Die S-Bahn-Linie S2 wird täglich von tausenden Niederbarnimer Pendlern genutzt. Trotzdem wird die Strecke auf den Stationen Bernau, Bernau-Friedenstal, Zepernick und Röntgental nur im 20-Minuten-Takt bedient. Nur ab Buch gibt es einen Zehn-Minuten-Takt.

Eine mögliche Taktverdichtung wird derzeit von der DB Netz AG im Rahmen des Infrastrukturprojektes "i2030" der Länder Brandenburg und Berlin geprüft. Untersucht werden Fahrpläne und Infrastruktur. Wann die Prüfungen abgeschlossen sind, ist allerdings offen.⇥che