Wer diese Schule mit einem Abschluss in der Tasche verlässt, der muss sich um einen Job keine Sorgen machen. „Die Vermittlungsquote beträgt einhundert Prozent, unsere Schüler sind begehrt“, freut sich Dr. Johannes Plümpe. Der 58-jährige Leiter im Diakonischen Bildungszentrum Lobetal kann sich beim Tag der offenen Tür etwas Zeit für die Presse nehmen. Es fehlt der Trubel im Haus, das geschäftige Umherziehen der jungen Interessenten, die in normalen Zeiten oftmals mit Eltern nach Lobetal kamen, um gemeinsam über die zukünftige Ausbildung zu entscheiden. Ob Heilerziehungspflege, Sozialpädagogik, Pflegefachkraft oder Heilpädagogik, die Lobetaler Einrichtung gehört mit ihren 520 Schülern zu den wichtigen Bildungsstätten für Sozialberufe in den Landkreisen Barnim und Uckermark.

Im Chat mit den Fachfrauen

In Zeiten der Corona-Krise läuft der Tag der offenen Tür digital ab, was zunächst auf den Fluren für fast unheimliche Ruhe sorgt. Hin und wieder tauchen Lehrer auf, ehe sie wieder in ihren Kabinetten verschwinden. Untätig sind sie dort nicht, wie der Blick in die Chaträume zeigt, die Plümpe auf seinem PC besuchen kann. Zur Ausbildung der Erzieher beantworten die Fachverantwortliche Julia Bosse und die zur Schulleitung gehörende Annett Nöthlings die Fragen im Chat. Zuvor berichten sie aber, worauf sich Interessenten einstellen müssen. „Die Ausbildungszeit beträgt drei Jahre und beginnt mit einer sechsmonatigen Probezeit“, legt Nöthlings vor. Von 2400 Stunden in berufsbezogenen Lernfeldern ist die Rede, von jährlichen Praktika und auch von der Möglichkeit, durch Zusatzunterricht in den Fächern Mathematik und Deutsch die Hochschulreife abzulegen. Am Ende aller Mühen steht der Fachschulabschluss als staatlich anerkannter Erzieher.

Anerkennung sozialer Berufe muss ansteigen

Ein Jugendlicher fragt im Chat genauer nach. Er sei schwer interessiert, will aber auch sicher sein, wie die Inhalte vermittelt werden und ob die Schüler bei den Schwerpunkten der Ausbildung mitreden können. Wie zu erwarten war, muss der Präsenzunterricht derzeit noch zurückstehen. „Wir beginnen täglich um 7.45 Uhr und absolvieren vier Blöcke von jeweils 90 Minuten“, wird dem Jugendlichen erklärt. Während der Ausbildung bekommen die Schüler ihre Aufgaben zugeteilt, sie befassen sich mit Power-Point-Präsentationen, vergraben sich in fachlichen Themen, erarbeiten Dinge gemeinsam – natürlich ohne sich dabei zu begegnen. „Vieles läuft wegen Corona nicht wie sonst – wir nutzen hier in der Schule gern den gesamten Außenbereich, um im Grünen in Gruppenarbeit Aufgaben zu erledigen. Das muss jetzt leider entfallen“, erklärt Julia Bosse. Wie Schulleiter Plümpe später bestätigt, absolvieren einzig die Abschlussklassen derzeit Präsenzunterricht.
Vieles befindet sich im Sozialbereich in Bewegung, offenbart das Gespräch mit dem Schulleiter. So erwartet er dringend mehr Anerkennung für die Arbeit in den Sozialberufen. „Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich über Corona hinaus die Anerkennung und die Arbeitsbedingungen in sozialen Berufen verändern würden. Es reicht nicht aus, 300 bis 500 Euro Coronazulage zu zahlen. Es muss eine nachhaltige Aufwertung und eine angemessene Finanzierung in diesem Bereich geben“, äußert er beispielsweise.

Informationen noch länger auf der Homepage

An der guten Ausbildung dürfte es nicht scheitern, wie eine kurze Reise durch die einzelnen Reiter der Homepage der Schule zeigt. Seit 2017 stellt die Lobetaler Einrichtung verstärkt auf digitale Nutzung um, wie etliche Videos, Präsentationen oder Umfragen belegen. „Geschätzt haben wir mit diesem digitalen Tag der offenen Tür 200 Prozent mehr Arbeit gehabt“, sagt Johannes Plümpe. Der Vorteil daran: Auch nach dem Wochenende können sich Interessenten noch weiter digital über die Angebote der Schule informieren. Am Sonnabend waren übrigens knapp 400 Interessenten eingeloggt. Für Plümpe ein guter Wert – er entspricht dem Niveau der Besucher bei normalen Tagen der offenen Tür, bei denen Trubel auf den Fluren und in den Kabinetten herrscht.