Theater: Hören, wie der Donner grollt

Nicht immer lieb: Hexe Wanda schärft die Sinne für Feuer, Wasser, Erde und Luft. Dafür erzählte sie Kindern und Eltern im Wandlitzer Agrarmuseum - Barnim Panorama Geschichten, spielte wilde Spiele und sang mit ihren Gästen Lieder.
Sergej ScheibeHexe Wanda schärft den Blick und öffnet Herzen für die Kraft und Macht der Elemente Feuer, Wasser, Erde Luft. Lachen ist bei Wandas Spielprogramm eigentlich verboten. Das ist den Kindern aber egal. Sie lachen viel und herzlich über die kleine Hexe.
„Wir sind das Wasser in einem großen See“, behauptet Hexe Wanda und hört mit den Kindern, wie die Wellen leise plätschern. Sie erklärt den kleinen und großen Gästen auch, wie sie in der Rolle als Wassermoleküle verdunsten und sich am Himmel zur Wolkenpolonaise zusammenballen. Dann donnert es. Kinder und Erwachsene stampfen.
Mit ihrem originellen Programm zog Michaela Tiedt-Quandt alias Hexe Wanda nicht nur die verschiedenen Register der Naturpädagogik, sondern nützte auch Gelände und Räumlichkeiten des Agrarmuseums voll aus: Die Besucherschar zog vom Hof in den Garten, von dort in den Ausstellungsraum und später ins wohlgemerkt beheizte Baumhaus auf dem Außengelände.
„Ich nütze jede Gelegenheit, Kindern und Erwachsenen zu zeigen, wie wertvoll unsere Welt ist und, wie wichtig es ist, sie zu erhalten“, meint Michaela Tietz-Quandt und erklärt, warum sie sich Hexe Wanda gut eignet, den Kindern und Erwachsenen Augen und Herzen zu öffnen. „Hexen sind ja von Natur aus nicht die liebsten“, so die Darstellerin. Diese Magie begabten Wesen dürften auch mal kratzig und streng sein, findet sie, um Eindruck bei den Normalsterblichen zu schinden.
Zu wilden Laufspielen im Freien und anderen Mitmach-Aktionen animiert Hexe Wanda ihre Gäste. Bei einem davon dürfen die Zuschauer in die Rolle von Eichelhähern schlüpfen, ihre Nahrung verstecken und – nun wird die Uhr vorgestellt – Ende Januar wieder suchen. Wer sich schwer tut als Vogel mit der Eichel-Lagerwirtschaft, darf sich aber am Vogelhäuschen laben.
Später erzählt Wanda Kindern und Eltern das – wie wohl behauptet werden darf – wenig bekannte Grimm-Märchen, in dem eine Zauberin zwei ihrer Söhne in Tiere verwandelt: Einer wird zum Adler, der andere zum Wal. Der dritte, der ängstlich das Weite sucht, muss den Auerochsen besiegen, ein Eidotter unbeschadet zum Schloss bringen und die Prinzessin befreien.
Die Tatsache, dass Hexe Wanda ihr Programm am 6. Januar im Barnim Panorama zeigte, hatte übrigens nichts mit dem italienischen Festtag „La Befana“ zu tun, wie Michaela Tietz-Quandt auf Nachfrage aufklärte. In dem südeuropäischen Land nämlich hängen die Kinder am Abend des 5. Januars ihre Strümpfe an den Kamin, damit die Hexe Befana sie mit Gaben füllt. In der Nacht kommt sie durch den Schornstein in die Häuser. Wer böse ist, bekommt nur Kohle, „carbone dolce“, die allerdings aus süßer schwarzer Zuckermasse besteht. Mehr als hierzulande geachtet werden die Hexen offenbar in der italienischen Tradition. Befana soll immerhin mit dem Weihnachtsmann verheiratet sein.
Weder Hexe Wanda noch Michaela Tiedt-Quandt haben etwas mit dem Weihnachtsmann am Hut. Beide werfen weder Geschenke noch Kohle durch den Schornstein, sondern höchstens selbstgedrehte Samenbomben in Gärten und auf Felder. Bei letzteren handelt es sich übrigens um Erde und Saatgut, das Wanda mit ihren Gästen zu Kugeln knetet.
Wenn sie nicht gerade mit Kinder oder Erwachsenen die Natur erkundet, was den geringeren Teil ihres Arbeitslebens ausmacht, arbeitet Michaela Tiedt-Quandt als Forstwirtin bei den Berliner Forsten und bewirtschaftet das Revier Gorin. Als Hexe Wanda wird sie das Barnim Panorama noch im Februar und März einige mal durchwirbeln. Am 14. Januar können Naturinteressierte sie in Natura bei einer Wanderung zum Thema „Wald und Gesundheit“ begleiten. Treffpunkt: 10 Uhr in Bernau-Anglersruh, Wandlitzer Chaussee 75.
Informationen: www.barnimpanorama.com
