Eng zusammengekuschelt liegen die sieben kleinen Fellknäuel in ihrer Wurfkiste und schlafen. Chewbacca, Colorado und die anderen fünf kleinen Huskys – allesamt Männchen – sind gerade einmal vier Wochen alt und deshalb noch komplett auf Mutter Joy angewiesen. Deren kompletter Name lautet übrigens Joy of Covered Mountain – wie das bei reinrassigen Hunden eben so ist.
Ihre Besitzerin Donna Luettjen steht über die Kiste gebeugt und freut sich, dass ihre Hündin die Geburt so gut überstanden hat. Es ist der C-Wurf, also da dritte Mal, dass eine Hündin der Züchterin Junge bekommen hat. Ihr richtiger Name lautet übrigens Tatjana Boschen – doch weder sie selbst noch ihre Freunde nennen sie so. Seit diesem Sommer bietet sie in Wandlitz verschiedene Events mit ihren Huskys an.

Welpen werden verkauft, wenn sie alt genug sind

Mit aktuell 17 Exemplaren lebt die 34-Jährige im Wandlitzer Ortsteil Stolzenhagen. Die sieben Welpen werden allerdings, wenn sie alt genug sind – also zehn bis zwölf Wochen – verkauft, zudem wohnen gerade zwei Hunde zur Pflege bei ihr. Zu Donna Luettjens Rudel gehören also acht Huskys. Diese leben – wenn sie nicht gerade ihren Nachwuchs auf- und erziehen – im selbstgebauten Zwinger auf dem Grundstück. Mit einer Ausnahme: Die sechsjährige Ninja darf ins Haus. „Sie war meine erste Hündin“, erzählt Luettjen. „Im Gegensatz zu den anderen Tieren im Rudel ist sie nicht wirklich fürs Schlitten- oder Wagenziehen gemacht. Ihre Beine sind etwas zu kurz, sie hat viel Fell und ist ein wenig pummelig. Sie mag die Leckerchen einfach zu sehr.“
Kuschelbedürftig: Donna Luettjen hält die Welpen Colorado und Chewbacca im Arm. Wenn sie zwölf Wochen alt sind, werden die kleinen Huskys verkauft.
Kuschelbedürftig: Donna Luettjen hält die Welpen Colorado und Chewbacca im Arm. Wenn sie zwölf Wochen alt sind, werden die kleinen Huskys verkauft.
© Foto: Conradin Walenciak
Die angesprochene Hundeschlittenfahrt ist eines der Abenteuer, das die gebürtige Bremerin mit ihren Huskys anbietet: Eine Tour dauert etwa 90 Minuten, rund 20 Kilometer ist das Gespann dann unterwegs. Im Anschluss gibt es noch Stockbrot am Lagerfeuer oder eine Bratwurst vom Grill. Der Schlitten – der bei den Touren natürlich von Donna Luettjen gelenkt wird, die Beifahrer sitzen auf der mit Lammfell ausgelegten Bank – hat allerdings keine Kufen, sondern Räder: Es ist also ein Wagen. „Für Kufen liegt hier im Winter nicht genug Schnee.“ Am Spaßfaktor ändere das jedoch nichts. „Mit den Hunden zu fahren, gibt einen unglaublichen Kick. Dazu kommt dieses Erlebnis in der Natur. Das ist einfach wunderschön.“

Die meisten Menschen reagieren positiv

Viele Touren führen durch die Schönower Heide. Wenn man Glück habt, gibt es dort dann Hirsche, Rehe und anderes Damwild zu sehen. Bis die sechs Hunde aber vor den Wagen gespannt sind, können schonmal ein paar Minuten vergehen, berichtet die Besitzerin. „Sie sind dann ja auch aufgeregt. Da ist nicht jeder sofort da, wo er oder sie hingehört.“ Die meisten Spaziergänger, Fahrradfahrer oder Jogger, denen Luettjen auf solch einer Tour begegnet, reagieren positiv auf das hierzulande eher ungewöhnliche Gespann. „Viele halten an, gucken uns zu und grüßen freundlich.“ Nur selten höre sie einen negativen Kommentar. „Wenn wir auf andere Menschen treffen, rasen wir nicht an diesen vorbei. Ich nehme das Tempo raus oder halte komplett an. Vor allem, wenn uns andere Hunde entgegenkommen. Dann haben die Besitzer genug Zeit, diese an die Leine zu nehmen.“ Da sich ihr Leithund Dromi generell nicht von anderen Artgenossen aus der Ruhe bringen lasse, habe es diesbezüglich noch nie Probleme gegeben.
Frauchen hat das Sagen: Donna Luettjen umringt von ihren Huskys im selbstgebauten Zwinger
Frauchen hat das Sagen: Donna Luettjen umringt von ihren Huskys im selbstgebauten Zwinger
© Foto: Conradin Walenciak
Als Donna Luettjen mit Ninja ihren ersten Husky bekam, wohnte sie noch in Berlin-Spandau. Sie passte für ein paar Tage auf den Hund vom Nachbarn auf. Eigentlich. Denn der Nachbar ließ kaum noch etwas von sich hören, sagte ihr irgendwann, sie solle das Tier behalten. „Ursprünglich wollte ich einen Schäferhund. Ich fand Kommissar Rex immer so toll“, erzählt sie. „Ich wollte einen Hund, der genauso gut hört. Und dann hatte ich auf einmal einen Husky-Mischling.“

Huskys gelten als sehr selbstständig

In der Hundeschule wurde sie belächelt, gelten Huskys doch als sehr selbstständig. Doch Ninja wusste zu verblüffen: Es dauerte nicht lange, da hatte sie viele Kommandos drauf, gehorchte aufs Wort. Leckerchen seine dabei eine große Hilfe gewesen, so Luettjen. Eines Tages sah die Hundebesitzerin dann zufälligerweise einen Beitrag über sogenannte Dog-Scooter im Fernsehen, also Roller, vor die man einen Hund spannen kann. „Da dachte ich mir: ‚Ich habe doch einen Schlittenhund.’“ Sie besorgte sich ein solches Gefährt und unternahm in der Folge Wege wie zum Bäcker mit dem Scooter. Es war der Beginn ihrer Leidenschaft fürs Hundeschlittenfahren. „Es hat mich von Anfang an fasziniert.“
Noch in Spandau hatte sie sich bereits weitere Hunde besorgt. „Ich habe gemerkt, dass man mit zwei Tieren mehr machen kann als mit einem. Um aber mal einen Freund auf einem Wagen mitzunehmen, braucht es schon vier Hunde. Es ist so eine Art positive Sucht entstanden.“ Mehr als zehn Tiere will sie aber nicht haben. „Das wäre die Obergrenze“, sagt die junge Frau, die nun seit etwa vier Jahren in Stolzenhagen wohnt. Mit den Nachbarn habe es wegen der vielen Hunde nur vereinzelt Unstimmigkeiten gegeben. „Ich nehme Rücksicht. Grundsätzlich sind meine Huskys aber nicht laut. Es ist nur so, dass wenn hier mal ein Hund bellt, alle denken, dass das meine sind.“ Sie mache sich deshalb aber keine Gedanken. „Ich hatte einmal das Veterinäramt hier und das Ordnungsamt fährt auch immer mal wieder am Grundstück vorbei.“ Beanstandungen habe es von Seiten der Behörden nie gegeben.
Fühlen sich pudelwohl: Die sieben Welpen kuscheln sich in ihrer Wurfbox eng zusammen.
Fühlen sich pudelwohl: Die sieben Welpen kuscheln sich in ihrer Wurfbox eng zusammen.
© Foto: Conradin Walenciak

Viele Angebote: Wanderungen, Erste-Hilfe-Kurse und Husky-Hautnah

Etwa vier Events veranstaltet Donna Luettjen derzeit pro Monat. „Es könnten auch gerne noch ein paar mehr sein“, sagt sie. Zu ihrem Angebot gehören neben den Fahrten noch Husky-Wanderungen, Zughunde- und Erste-Hilfe-Kurse sowie das Husky-Hautnah-Programm. Bei diesem verbringt man mit den Hunden Zeit auf dem Gelände, dazu gibt es auch ein leckeres Essen. „Man kommt einfach raus aus dem Alltagsstress.“
Dass ihre Tiere auf den ersten Blick nicht wie typische Huskys aussehen, hört Donna Luettjen bei ihren Veranstaltungen immer wieder. „Alle denken immer an die Hunde mit dem dichten schwarz-weißen Fell und den blauen Augen. Das sind die Show-Huskys. Meine sind für den sportlichen Aspekt gezüchtet.“ Die Beine sind länger, um ordentlich Tempo machen zu können, das Fell ist kürzer, weil es sonst nur stört. „Man muss nur mal an Schwimmer oder Leichtathleten denken: Die sehen auch nicht aus wie Muskelpakete. So ist das mit den Huskys auch. Sie sind sehr drahtig, weil sie Ausdauersportler sind. Überflüssige Muskeln würden nur Energie kosten.“

Zahlreiche Pokale, Medaillen und Urkunden im Regal

Mit ihren Ausdauersportlern hat die 34-Jährige auch schon an vielen Zughunderennen teilgenommen. „Bei meinem ersten Versuch bin ich Letzte geworden“, erzählt sie schmunzelnd. Inzwischen sei sie aber schon viel besser geworden. Als Beweis zeigt sie auf die zahlreichen Pokale, Medaillen und Urkunden im Regal. Am liebsten fährt sie über die Mitteldistanz. Das sind dann 30 bis 50 Kilometer. „Das ist alles etwas ruhiger als beim Sprintrennen über fünf Kilometer. Man ist alleine mit seinen Hunden in der Natur. Das finde ich total schön.“
Viel unterwegs gewesen: Donna Luettjen ist mit ihren Hunden schon durchs finnische Lappland gefahren. Der Wegweiser weist ins kanadische Whitehorse und nach Anchorage in Alaska. In diesen Städten finden bekannte Schlittenhunderennen statt.
Viel unterwegs gewesen: Donna Luettjen ist mit ihren Hunden schon durchs finnische Lappland gefahren. Der Wegweiser weist ins kanadische Whitehorse und nach Anchorage in Alaska. In diesen Städten finden bekannte Schlittenhunderennen statt.
© Foto: Conradin Walenciak
Besonders gerne erinnert sie sich an ihre Reise ins finnische Lappland zu einem Rennen. „Es geht nicht darum, sofort am schnellsten zu sein. Man muss ein Tempo finden, das die Hunde durchhalten können.“ Schließlich sei man mehrere Tage unterwegs. Bald will sie sich auch an die Lang-Distanz-Rennen heranwagen. In Tschechien steht eine Tour über 300 Kilometer an. „Davor habe ich ordentlich Respekt“, sagt Donna Luettjen. Ihr Name geht übrigens auf ihre Oma zurück, erzählt sie. „Immer, wenn ich irgendetwas angestellt habe, hat sie ‚Ach du liebes Donnerlüttchen’ gesagt. Das ist bei mir hängengeblieben.“
Infos über die Veranstaltungen und die Hunde gibt es im Internet unter www.vanluettjen.de.