Trinkwasser: Bürger in Wandlitz sollen täglich Wasserfilter spülen

So lange der Verband das Problem des Schwarzwassers in Wandlitz nicht in den Griff bekommt, müssen die Anwohner selbst vorsorgen. Das Trinkwasser im Wandlitzer Siedlungsgebiet Louisenhain bleibt ein schwieriges Thema. Bürgermeister Oliver Borchert (li.), der NWA-Verbandschef Matthias Kunde und der Wandlitzer Christian Dittmar sind vor laufender Kamera im Gespräch. Zuvor spülte Dittmar erneut seine Filteranlage.
Hans Still/MOZDiese Empfehlung gibt der Geschäftsführer des Niederbarnimer Wasser– und Abwasserverbandes (NWA). Er entschuldigte sich am Montagnachmittag bei den Wandlitzer Bürgern, die aktuell unter extremen Schwarzwasser–Problemen leiden. Diese zeigen sich an den Filteranlagen, die teilweise schon innerhalb von ein bis zwei Tagen nach der Reinigung mit schwarzen Schwebestoffen zugesetzt sind.
Große Schwankungen im Netz
Als Ursachen benennt Kunde „alle Vorkommnisse“, die zu großen Schwankungen im Netz führen würden. Da wären nach seiner Meinung hauptsächlich die großen Wasserabnahmen in der Zeit von 17 bis 21 Uhr, die maßgeblich durch die Beregnung von Gärten oder das Befüllen von Pools verursacht würden. So sei vor gut einer Woche am heißesten Wochenende des Jahres der pro Kopf–Verbrauch beim Trinkwasser auf 200 Liter angestiegen. Üblich seien 80 bis 85 Liter. „In der Zeit dieser starken Abnahmen sinkt der Wasserdruck von vier bar auf 2,25 bar. Wir haben kein Trinkwasserproblem, sondern ein Problem beim Wässern der Gärten. Darauf ist unser Netz aber nicht ausreichend vorbereitet“, argumentierte Kunde vor laufender rbb–Kamera und im Beisein weiterer Journalisten.
Am Wohnhaus des Wandlitzers Christian Dittmar war es zum Treffen mit Kunde und dem Wandlitzer Bürgermeister Oliver Borchert gekommen, weil etliche Bürger aus dem Wohngebiet über Schwarzwasser klagen und aus Gründen des Gesundheitsschutzes seit Monaten kein Trinkwasser mehr entnehmen. Erst vier Tage zuvor hatte an gleicher Stelle Bürgermeister Borchert gestanden und sich den Ärger der Anwohner angehört, als der Filter gereinigt wurde und pechschwarzes Wasser zum Vorschein kam.
Wassermangel besteht nicht
Geschäftsführer Kunde räumte am Montag ein, einen derartigen Fall in seiner beruflichen Praxis noch nie erlebt zu haben. Darum werde der NWA innerhalb der nächsten Woche an verschiedenen Stellen spülen. Gleich mehrfach im Louisenhain, aber auch in Klosterfelde oder in Wandlitz Nord. Sowie der tägliche Wasserverbrauch sich normalisiert habe, stünden weitere Spülungen an. „Aktuell sind wir beim Verbrauch von 7800 Kubikmetern Wasser. Sinkt dieser Wert auf unter 5000 Kubikmeter, verfügen wir über genügend Reserven zum Spülen. Pro Tag werden dann zwischen 300 und 500 Kubikmeter Wasser eingesetzt.“
Auf die Frage nach etwaigen Kapazitätsproblemen beim Trinkwasser winkte Kunde ab. Demnach könne im Wasserwerk Prenden ausreichend Rohwasser gepumpt und verarbeitet werden.
Mit interessanten Aussagen beteiligte sich Borchert an der Diskussion. So berichtete er, die Bürger würden mittlerweile ihre Beschwerdemails an ihn schicken. „Die Bürger wollen wissen, ob beim NWA das Telefon besetzt ist und die Mails ankommen“, so Borchert.
Inzwischen liegt wegen des Schwarzwassers von Norbert Bury (AfD) der Antrag auf eine Sondersitzung der NWA–Verbandsversammlung vor. Ob und wann diese stattfinden wird, ist aktuell unklar. Borchert meinte, eventuell können die Themen Schwarzwasser und Beschwerdemanagement beim NWA auch in einer erweiterten Vorstandssitzung besprochen werden.
