Trinkwasser
: Kommunen im Barnim bitten um sparsamen Verbrauch

Die Wasser- und Abwasserverbände bitten, sparsam mit Trinkwasser umzugehen. Entnahmespitzen werden abends erreicht.
Von
Tatjana Littig
Panketal/Werneuchen/Bernau
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Sorgt für Probleme: das gleichzeitige Bewässern der Gärten zum Feierabend

dpa

Wohin das führen kann, konnte man kürzlich im niedersächsischen Lauenau beobachten. Dort ist die Wasserversorgung zusammengebrochen. Aus dem Hahn kam einfach kein Wasser mehr. Grund dafür waren neben den hohen Entnahmemengen auch die extrem trockenen Tage zuvor.

Fünffache der normalen Menge

Insbesondere die gleichzeitige Entnahme in den Abendstunden zwischen 18 und 21 Uhr stelle eine Herausforderung für das Wasserwerk Zepenick und das Rohrnetz dar, erklärt Robert Glasmacher, Techniker beim Eigenbetrieb. An einem Beispiel verdeutlicht er das: Am Dienstag wurden zwischen 19.45 und 20.15 Uhr etwa 690 Kubikmeter Trinkwasser pro Stunde ins Netz gespeist. Das entspricht ungefähr dem Fünffachen der normalen Trinkwasserabgabe und übersteigt die Aufbereitungskapazität, die derzeit bei 240 Kubikmeter pro Stunde liegt, bei Weitem.

In Panketal leben, wie auch anderswo im Barnim, viele Pendler. Kehren diese am Abend zurück, wird geduscht, der Garten bewässert und der Pool gefüllt – und das von allen gleichzeitig. Filter und Pumpen laufen dann auf Vollast. Die Fließgeschwindigkeit im Rohrnetz wird in den Entnahmespitzen um ein Vielfaches erhöht. Das bleibt nicht ohne Folgen.

Veränderte Fließgeschwindigkeiten können kleinste Partikel von Eisen und Mangan, die sich im Laufe der Jahre in den Leitungen festgesetzt haben, losreißen, erklärt Robin Dahlke, Geschäftsführer der Stadtwerke Werneuchen. Das Wasser kann sich trüben. Ob unbedenklich oder nicht: Er würde es nicht trinken, gesteht Dahlke, „da es schon unappetitlich aussieht.“

Werden viele Hähne gleichzeitig geöffnet, beeinflusst das den Leitungsdruck im System. Er sinkt. Während Kunden nahe der Einspeisequelle davon wenig bemerken, kann der Druckabfall an den Rändern des Versorgungsgebietes zum Problem werden. Im Wasserwerk Werneuchen sinkt der Druck rapide, sobald die Werkausgangsleistung 160 Kubikmeter pro Stunde übersteigt, bei einer Aufbereitungskapazität von 200 Kubikmeter pro Stunde.

Die Handlungsanweisung der Fachleute an die Bürger ist deutlich: Das Wasser im privaten Pool nicht voreilig austauschen und vor allem den Garten lieber in den Morgen- oder Nachtstunden bewässern. Letztere Maßnahme kann zum Beispiel durch Zeitschaltuhren realisiert werden. Das Bewässern in den Morgen- oder Nachtstunden steigere auch die Effizienz, so Daniel Nicodem, Verbandsvorsteher vom Wasser- und Abwasserverband „Panke/Finow“. Aufgrund niedrigerer Temperaturen als tagsüber verdunstet weniger Wasser, erklärt er.

Vorrang hat Schutz der Anlagen

Sprengverbote werde man trotz Entnahmepitzen am Abend nicht erlassen, sagt Nicodem. Auch bei den Stadtwerken Werneuchen möchte man davon absehen. „Zum einen vertrauen und bauen wir auf die Vernunft des einzelnen Bürgers und zum anderen haben wir auch gar nicht die personellen Ressourcen, um Verbote zu kontrollieren“, so Dahlke. Ausschließen möchte man beim Eigenbetrieb Kommunalservice Panketal hingegen nichts. „Vorrang hat der Schutz der Anlagen, um die Gemeinde auch zukünftig sicher mit Trinkwasser zu versorgen“, sagt Glasmacher.