Trockenheit: Warten an Barnims Schleusen

Ausflugsziele im Barnim: Die Kupferhammer-Schleuse am Finowkanal gehört zu den Wassersport-Stationen zwischen Liebenwalde, Eberswalde und Oderberg. Jede Schleusung kostet aber Wasser.
Sören Tetzlaff www.barnim-foto.Mit dem Wort Niedrigwasser hadert der Sprecher des Wasser– und Schifffahrtsamtes (WSA), Sebastian Dosch, etwas. „Das mag für die Oder zutreffen, aber nicht in den Kanälen“, macht er klar. „Wir haben einfach zu wenig Wasser“, sagt der Vize–Chef der Eberswalder Behörde, die mehr als 400 Mitarbeiter für 670 Kilometer Wasserstraßen hat.
Dazu gehören auch 39 Schiffsschleusen und 47 Wehre sowie 123 Brücken, nicht alle im besten Zustand. Bisher geht das Leben auf den Kanälen und Seen einen ruhigen Gang, wenn auch mit wachen Augen geschaut wird. "Aktuell arbeiten wir gemeinsam mit anderen Behörden wie dem Umweltministerium an einem Positionspapier. Es geht um engere Kooperation und vor allem Kommunikation“, berichtet Dosch.
Gerade in Zeiten knapper Ressourcen mit Fragen des Klimawandels müsse stromab– und aufwärts vielmehr als bisher gemeinsam gearbeitet werden. „Denn wenn wir den Klimaforschern glauben dürfen, wird es solche Sommer wie im Vorjahr und in diesem Jahr wohl demnächst öfter geben“, schätzt der WSA–Sprecher ein.
Noch fließt das Wasser der Oder und Havel zu, noch sind die Fahrrinnen bereit für die großen Schubverbände zwischen Berlin, Ost– und Nordsee. "Die Menge und die Qualität des Wassers müssen wir aber ständig beobachten“, erläutert der Fachmann. „Wir sprechen hier von einer komplexen Steuerungsaufgabe“, macht Dosch ebenso klar.
Aktuell sind im Barnimer und Oberhaveler Raum drei Schleusen von Einschränkungen betroffen. Es gibt nur noch Sammelschleusungen, wie Sebastian Dosch erläutert. Betroffen ist die Schleuse Voßwinkel kurz vor Neustrelitz. „Wir öffnen stündlich nur eine Passage“, erklärt Dosch die abweichenden Schleusenzeiten. Außerdem geht es über die Schleusen Rosenbeck und Eichhorst nur gesteuert in den Werbellinsee. „Wer nicht reinpasst, muss eben warten“, sagt der stellvertretende Leiter des Wasser– und Schifffahrtsamtes. Wie im Spreewald Schleusen ganz zu schließen, das behält sich die Eberswalder Behörde noch vor. „In vier Wochen kann es schon anders aussehen, wenn es so trocken bleibt“, sagt Dosch.
Auf der Oder–Havel–Wasserstraße bis zur Staustufe Spandau fehlen bis zu 20 Zentimeter Wasser. Kritisch zu betrachten sei der Veltener Stichkanal zum Hafen Velten (Oberhavel) hin. Schwere Lastenkähne großer Firmen müssen hier schon deutlich leichter beladen werden, damit sie nicht bei 1,60 Meter im sonst zwei Meter tiefen Kanal stecken bleiben. „Das haben wir eigentlich regelmäßig, dass Kähne liegen bleiben“, macht Dosch deutlich.
Den zweiten Dürresommer in Folge bekommen zunehmend die Berufsschiffer und Freizeitkapitäne zu spüren. Es ist mehr Sensibilität gefragt. So rät Behördensprecher Dosch vielen Paddlern, ihre Boote wie in Wesenberg um die Schleusen herumzutragen. "Wir wollen das Wasser in der Müritz halten. Das ist unser größter Speicher. Mit jeder Schleusung aber fließt Wasser in Richtung Elbe und Nordsee ab. Das ist eben nicht wie in gleichhohen Badewannen. Jede Schleusung verringert die Pegel.“
Auf der Havel eingeschränkt
In der Oranienburger Havel und im Veltener Stichkanal wurden die zulässigen Tauchtiefen reduziert. Lastenkähne müssen ihre Ladung überprüfen. Hobbyschiffer sollten überlegen, welches Revier sie ansteuern.
Die Oranienburger Havel dürfen Boote nur noch mit einem Tiefgang von weniger als einem Meter befahren. „Die Stadt ist trotzdem noch gut über das Wasser zu erreichen“, sagt Dosch. „Die Pegel im Oranienburger Kanal sind ausreichend, sodass alle gut in die Ruppiner Gewässer kommen.“
In Oberhavel wurden bislang keine Schleusenzeiten reduziert. Aktuell sei dies auch nicht geplant, sagt WSA–Sprecher Dosch. An Selbstbedienungsschleusen sollten Boote unbedingt auf nachfolgende Kapitäne warten. „Wenn jeder einzeln durchfährt, ist der Verbrauch enorm. Wassersportler müssen sich sowieso an der flachsten Stelle orientieren.“
Der Ausbau des Oder–Havel–Kanals zwischen Marienwerder und Lichterfelde werde die Schifffahrt nicht beeinträchtigen. 65 Millionen Euro gibt das WSA Eberswalde für die Verbreiterung eines sieben Kilometer langen Abschnitts der Wasserstraße aus.