Borchert mochte kaum glauben, was er zur Kenntnis nehmen musste. "So darf das auf keinen Fall bleiben", reagierte er und steckte einen Finger ins Wasser. Das Ergebnis: Wie ein pechschwarzer Film legte sich das "Trinkwasser" um den gesamten Finger, als hätte der Bürgermeister in einem Fass Altöl die Qualität geprüft.
Über die Ursachen dieser enormen Verschmutzung darf nun trefflich spekuliert werden – die Bürger tun es längst. Ganz offensichtlich gibt es entweder im Louisenhain, möglicherweise aber auf einem der Hauptstränge, ein größeres Problem. Der Louisenhain verfügt über eine sogenannte Stichleitung, hatte ein NWA-Mitarbeiter die Wandlitzer Familie informiert, als vor gut zwei Wochen diese Stichleitung  komplett gespült wurde. "Am Ende dieser Leitung, also in einer Art Sack, dort können sich natürlich Reste und schwarze Bestandteile ansetzen", orakelte Borchert am Donnerstagabend.
Sicheres Wissen ist das aber keineswegs, denn den Umstehenden stand später noch eine zweite Überraschung bevor. Zuvor bekam Borchert von den Anwohnern bohrende Fragen gestellt. "Eigentlich darf dieses Trinkwasser überhaupt nicht bezahlt werden. Wir holen unser Wasser im Getränkemarkt, es kann doch niemand verantworten, den Kindern dieses Wasser zu geben. Wer bezahlt uns das", wollte Wolfgang Reuter wissen. Christian Dittmar berichtete von einem weiteren Fall, in dem ein Bürger auf eine Beschwerde beim NWA seit dem 31. Juli ohne Antwort blieb. Wolfgang David wurde deutlich: "Der Herr Kunde scheint für seinen Job nicht geeignet, wenn er die Beschwerden der Bürger nicht ernst nimmt."

rbb will Thema "Scharzwasser" auch aufnehmen

Zur Überraschung aller tauchte deutlich nach 18 Uhr nach der Spülung der Hausfilteranlage ein NWA-Fahrzeug auf, um die Stichleitung, den Hausanschluss der Familie Dittmar sowie zwei weitere Hausanschlüsse zu spülen. Zuvor hatte Borchert den NWA-Geschäftsführer angerufen und ihn mit der Bemerkung "ich höre mir hier den Ärger der Bürger an" zu einem Folgetermin im Louisenhain eingeladen. Der NWA-Fahrer wurde daraufhin von Kunde zum Ort des Geschehens beordert.
"Ich bin jetzt selbst sehr gespannt, was der neue Termin am Montag bringt", blickte Borchert voraus. Dittmar hatte sich beim Bürgermeister übrigens bedankt. "Erst nachdem Sie meine Mail hatten, bekam ich überhaupt erstmalig eine Reaktion vom NWA. Eventuell kann ich jetzt immer über ihr Büro schreiben", hatte Dittmar gefragt.
Inzwischen hat sich auch ein Kamera-Team des rbb angemeldet, um das Thema aufzunehmen.