Umgehungsstraße
: Unendliche Geschichte

Der Ahrensfelder Förderverein fordert einen Planungsstopp für die aktuelle Variante der Ortsumgehung / Berlins Finanzierungsbereitschaft gab deN Anlass
Von
Kerstin Ewald
Ahrensfelde
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  • Staugeplagt: Wann geht es denn hier weiter? Viele Ahrensfelder wünschen sich eine Ortsumgehung, die ihre Dorfstraße (Foto) entlastet. Ein seit Jahrzehnten laufender Prozess und das 2011 angeschobene Planfeststellungsverfahren dauert vielen zu lange. Auch der Förderverein Ahrensfelde will eine Umfahrung.

    Staugeplagt: Wann geht es denn hier weiter? Viele Ahrensfelder wünschen sich eine Ortsumgehung, die ihre Dorfstraße (Foto) entlastet. Ein seit Jahrzehnten laufender Prozess und das 2011 angeschobene Planfeststellungsverfahren dauert vielen zu lange. Auch der Förderverein Ahrensfelde will eine Umfahrung.

    Wolfgang Rakitin
  • Auch der Lärm bereitet Sorgen: Bernd Allerdissen zuhause vor einer Lärmschutzkarte der neuen Trasse B 158n.

    Auch der Lärm bereitet Sorgen: Bernd Allerdissen zuhause vor einer Lärmschutzkarte der neuen Trasse B 158n.

    Kerstin Ewald
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Seit Jahrzehnten arbeitet Ahrensfelde an einer Verkehrslösung für seinen Ortskern. Nachdem nun endlich auch der Berliner Senat zu den Kosten der Ortsumfahrung beitragen will, macht der Förderverein Ahrensfelde etwas Überraschendes:  Er macht das dicke Fass noch einmal auf.

Eine Art kollektives Stöhnen lösen in Ahrensfelde bisweilen der innerörtliche Verkehr und die Umstände aus, die eine Umgehungsstraße Jahr um Jahr verzögern. Die favorisierte Trasse für eine Ortsumfahrung, wird seit 2011 in einem „Planfeststellungsverfahren“ entwickelt, das schleppend voran kriecht. Vor fast 20 Jahren haben sich die betroffenen Kommunen mit den verschiedenen Kostenträgern auf einen noch heute gültigen zukünftigen Verlauf geeinigt: Die B 158n wird vom S–Bahnhof Ahrensfelde über die Klandorfer Straße im Bogen um Ahrensfelde geleitet, um südlich des Autobahnrings wieder auf die bestehende B 158 geführt zu werden. Auf 150 Metern in Marzahn verläuft die Trasse unterirdisch, in einem sogenannten gedeckelten Trog. Soweit die Vorgeschichte.

Nach Jahren des Stillstandes hieß es im Dezember aus dem Landesamt für Straßenwesen, die Finanzierung käme nun voran und das auf Eis gelegte Planverfahren könne weitergehen beziehungsweise neu beginnen. Das war der Moment, in dem sich der Förderverein Ahrensfelde zu seinem Schritt durchrang. „Das Planungsverfahren für die Variante zwei muss gestoppt werden, da es auf teils falschen und völlig veralteten Grundlagen beruht“, erklärt Bernd Allerdissen, der Vereinsvorsitzende. Das Planfeststellungsverfahren stoppen zugunsten eines neuen Prozesses zur Verkehrsentlastung des Berliner Nordostens — das ist die Quintessenz eines Antrages, den der Förderverein zusammen mit zwei Marzahner Bürgerinitiativen im Dezember beim Bundesverkehrsministerium, beim Bundesrechnungshof, beim Land Brandenburg, beim Landkreis Barnim sowie den Kommunen Marzahn–Hellersdorf und Ahrensfelde eingereicht hat.

Ihren Vorstoß unternehmen sie gerade jetzt, weil das Land Berlin erstmalig bereit ist, eine anteilige Kostenübernahme bereitzustellen, wie sie ihrer Antragsbegründung schreiben. „Alle bisherigen Verfahren wurden an der mangelnden Finanzierungsbereitschaft Berlins ausgerichtet“, erklärt Oda Formazin, Gemeindevertreterin und stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins. Jetzt, da Berlin besser da steht, könne man eine sinnvollere Lösung als den schlechten Kompromiss von damals finden.

Mehrere Haken mokieren die Antragsteller an der favorisierten Trasse. „Der Untersuchungsraum wurde zu klein angelegt, das haben wir schon  vor 20 Jahren bemängelt“, so Bernd Allerdissen und zeigt auf eine Karte mit dem eingezeichneten Umriss des damals festgelegten Gebietes.  Deswegen sei zum Beispiel der Verkehr aus Hohenschönhausen und Falkenberg nicht betrachtet worden. Und tatsächlich: Betrachtet man den schon in den 90er Jahren festgelegten Untersuchungsraum, kann man einen Pilz mit sehr dickem Stil erkennen. Es fällt auf, dass eine südwestliche und eine südöstlichen Ecke „abgeknabbert“ erscheinen. „Da wichtige Verkehrsknoten auf Berliner Gebiet abgeschnitten wurden, konnten andere Varianten gar nicht fachgerecht geprüft werden“, meint Allerdissen. Gestützt sehen sich die Widersacher durch eine Stellungnahme des Landkreises Barnim von 1994, die ebenfalls die blinden Flecken im Untersuchungsraum bemängelte.

„Wir glauben, dass die heute favorisierte Variante unser Verkehrsproblem in Ahrensfelde nicht nur verschiebt, sondern sogar vergrößert“, erklärt Oda Formazin, die gemeinsam mit Bernd Allerdissen für den Förderverein den Antrag auf Abbruch unterzeichnet hat. Sie prognostiziert 38 000 tägliche Fahrzeuge auf der zukünftigen Trasse 158n. Und das bei 10 000 verbleibenden auf der Dorfstraße. Dabei berechnet sie neue Siedlungsgebiete in Brandenburg und neue Anschlusstrassen in Berlin, von denen die Planer vor 20 Jahren nichts ahnten, mit ein.

Der Bürgermeister und seine Verwaltung halten von einem Planungsstopp, wie ihn der Förderverein fordert, allerdings überhaupt nichts. Ein schwebendes Verfahren ist für den Ort das Schlechteste, es müsse weiter geprüft werden, selbst wenn die Prüfung am Ende negativ ausgehe, so äußerte sich Ahrensfelder Bürgermeister Wilfried Gehrke sinngemäß in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung. „Solange die Trassenprüfung läuft, hat Ahrensfelde einen höheren Planungs– und Verwaltungsaufwand und damit einhergehende Verluste“, erläutert hierzu Sven Schwarz, Leiter des Bereichs Bürgerdienste. Jede Planung im betreffenden Bereich arbeitet seit Jahren mit vielen Eventualitäten. So muss beispielsweise sowohl an der heutigen B 158 als auch an der potenziellen Umgehungsstraße mit großem Aufwand Schallschutz betrieben werden, so Schwarz.