Seit wenigen Wochen dient die Fahrradstraße von Ladeburg nach Lobetal als Umleitungsstrecke für den Fahrzeugverkehr. Der Grund: Die Kreisstraße von Rüdnitz nach Lobetal wird ausgebaut und ist daher bis voraussichtlich Dezember 2020 für den Durchgangsverkehr komplett gesperrt. Doch nicht nur aus diesem Grund wird darüber nachgedacht, ob es nicht besser wäre, den Status der Fahrradstraße dauerhaft aufzuheben. Denn auch schon vor Sperrung der Route über Rüdnitz wurden die Rechte der Radfahrer auf der Fahrradstraße immer öfter missachtet. Die Bernauer AG Radverkehr befasste sich mit dem Thema und regte an, unterschiedliche Alternativen für den Abschnitt Ladeburg/Lobetal zu überprüfen.
So lange diese Straße als Umleitungsstrecke dient, ist ihr Status als Fahrradstraße aufgehoben, erläuterte Marcel Kerlikowsky, Leiter der Barnimer Straßenverkehrsbehörde und der Unfallkommission. Auf einer Fahrradstraße haben Radfahrer den Vorrang vor Autofahrern, dürfen beispielsweise auch nebeneinander die Straße befahren. Der Fernradweg Berlin/Usedom, der in der sechsmonatigen Hauptsaison von rund 50 000 Radfahrern genutzt wird, soll ebenfalls bis Ende 2020 verlegt werden. Die Trasse führt dann von Bernau über Rüdnitz nach Biesenthal.
Für Marcel Kerlikowsky ist allerdings entscheidend, dass in der Praxis die Strecke von Ladeburg nach Lobetal nicht mehr die Kriterien einer Fahrradstraße erfüllt, da die Route grundsätzlich von zu vielen Kraftfahrzeugen genutzt wird. Dies führe zu Konflikten und Gefährdungen. Die Entscheidung über den Status müsse jedoch durch den Träger der Straße, die Stadt Bernau, herbeigeführt werden. Die gut einjährige Bauzeit in Rüdnitz könne dazu genutzt werden, über den künftigen Umgang mit der Straße nachzudenken.
Autofahrer drängeln Radfahrer ab und versuchen, selbst größere Gruppen zu überholen, lautet auch die Einschätzung der AG-Teilnehmer, Bürger und Vertreter der Stadtfraktionen. Da Lobetal wächst, werden künftig noch mehr Radfahrer und Autofahrer die Straße nutzen, so dass eine Zunahme der Konflikte erwartet wird. Zugleich befürchtet die AG  durch den Umleitungsverkehr zusätzliche Straßenschäden.
Vor diesem Hintergrund empfahl Michael Klitsch, Organisator der AG, über bauliche Veränderungen der Fahrradstraße nachzudenken. Vorstellbar sei, den Radweg von der Fahrbahn abzutrennen. Fahrradstraßen seien oft allein aufgrund der Unwissenheit der Verkehrsteilnehmer gefährlich. Darüber sollte eine Debatte im Ortsentwicklungsausschuss nebst Prüfauftrag an die Verwaltung angestoßen werden.
Daneben wurden andere Möglichkeiten erwogen, zum Beispiel eine Sperrung für Kraftfahrzeuge (außer Busse), die Wiedereröffnung der Straße hinter der För-sterei oder die Einführung eines Tempo-Limits von 25 Stundenkilometern.