Verkehr
: Melchow-Mobil tourt durch den Barnim

Verein zur Nachbarschaftshilfe startet mit einem Angebot zur Erweiterung des Bus- und Bahnverkehrs.
Von
Olav Schröder
Melchow
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  • Zuvorkommender Chauffeur: Jörg Kopec übernimmt als ehrenamtlicher Fahrer die Touren des Melchow-Mobils nach Biesenthal. Irmgard Stingl erledigt nach der Ankunft in der Naturparkstadt ihren Einkauf.

    Zuvorkommender Chauffeur: Jörg Kopec übernimmt als ehrenamtlicher Fahrer die Touren des Melchow-Mobils nach Biesenthal. Irmgard Stingl erledigt nach der Ankunft in der Naturparkstadt ihren Einkauf.

    Sergej Scheibe
  • Abfahrt in Melchow: Dora Duhn (l.) und Ingrid Riedel nehmen Platz vor der ersten Fahrt des Siebensitzers.

    Abfahrt in Melchow: Dora Duhn (l.) und Ingrid Riedel nehmen Platz vor der ersten Fahrt des Siebensitzers.

    Sergej Scheibe
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„Wir wollen als Ort nicht abgehängt werden“, sagt die 81-jährige Dora Duhn, als sie im Fond des Fahrzeugs Platz nimmt. Das Melchow-Mobil sei eine „gute Sache“, die hoffentlich von vielen angenommen werde. Bisher habe man sich auch untereinander viel geholfen, wenn jemand nicht mehr selbst fahren wollte. Das neue Angebot stärke nicht nur die Mobilität, sondern auch das soziale Miteinander.

Schnell und einfach

Ingrid Riedel (75) ist bei der ersten Fahrt mit dabei. Sie hat sich über diese Möglichkeit mit ihrer Familie unterhalten und sieht sie als Alternative zum eigenen Auto. „Die Fahrt war super“, sagt sie, als sie in Biesenthal aussteigt. Dort macht sie ihre Erledigungen und kommt dann zu den anderen wieder zurück.

Schon vor mehreren Jahren hatten Anwohner in einem Workshop der Gemeinde den Wunsch nach einer Erweiterung des öffentlichen Personennahverkehr geäußert. Einkäufe oder Arztbesuche waren oft aufwendig. Eine Fahrt mit der Bahn und dem Bus vom Melchower Bahnhof bis zum 5,5 Kilometer entfernten Biesentaler Ambulatorium dauert eine Stunde und sechszehn Minuten, hat Ronald Kühn, melchow-mobil-Vorsitzender und Bürgermeister der Gemeinde, errechnet. Der Weg zum Bahnhof ist dabei im ausgedehnten Melchow noch gar nicht berücksichtigt. „Ich würde diesen Weg auch gar nicht gehen wollen“, sagt Dora Duhn. „Ronald Kühn hat wirklich keine Mühen gescheut, dass jetzt alles einfacher ist.“ Mit dem Melchow-Mobil dauert es nur sechs Minuten bis Biesenthal. Dort kauft sie gemeinsam mit Irmgard Stingl (87) ein. Deren Rolator hat Jörg Kopec sorgfältig im Auto verstaut. Später hat auch der Einkauf noch Platz.

Der Ruheständler ist Vorstandsmitglied und einer von derzeit drei ehrenamtlichen Fahrern. Einen festen Fahrplan gibt es nicht. Er fährt allerdings ab sofort jeden Donnerstag nach Biesenthal. Die beiden anderen Kernzeiten sind dienstags und sonnabends, dann geht es nach Eberswalde beziehungsweise zum „Guten Morgen, Eberswalde“.

Die Vereinsmitglieder können unbegrenzt viele Fahrten absolvieren. Dafür zahlt ein Einzelmitglied 50 Euro im Jahr. Ein Melchower Haushalt, sprich eine Familie, kann für 80 Euro Mitglied werden. Die Buchung einer Fahrt erfolgt telefonisch, auf der Mitfahrtafel im Ort oder über das Internet. „Wenn sich mehr Mitfahrer melden, als Plätze vorhanden sind, dann ist das kein Problem, dann gibt es Pendelverkehr“, sagt Jörg Kopec. Eine Ladung des Elektrofahrzeugs reicht für 260 Kilometer, also für Fahrten im Barnim und darüber hinaus.

Car-Sharing als Grundlage

Grundlage für den Einsatz des Melchow-Mobils ist ein Car-Sharing-Hauptnutzervertrag des Vereins mit der Barnimer Energie-Beteiligungsgesellschaft, einer Tochter der Barnimer Kreiswerke. Die Gemeinde Melchow steuert für die ersten beiden Jahre 12 000 Euro als Anschubfinanzierung bei. Langfristig fallen für den Verein knapp 500 Euro monatlich und zehn Cent pro Kilometer an Kosten an. Je mehr Mitglieder und Sponsoren für den Verein gefunden werden, so Ronald Kühn, desto beständiger wird auch das Angebot sein.

Buchung und Kontakt: 03337 425699, info@melchowmobil.de,www.melchowmobil.de