Versorgung
: Kritik an schwarzem Trinkwasser in Wandlitz

In Wandlitz ärgern sich Bürger über Schmutz im Leitungsnetz. Niederbarnimer Wasser- und Abwasserverband räumt Probleme ein.
Von
Hans Still
Wandlitz
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  • Ziemlich verdreckt: Diese Filteranlage aus dem Seebadkorso wurde innerhalb weniger Wochen völlig schwarz. In Wandlitz ärgern sich Bürger über Schmutz im Leitungsnetz. Der Niederbarnimer Wasser- und Abwasserverband räumt inzwischen Probleme ein.

    Ziemlich verdreckt: Diese Filteranlage aus dem Seebadkorso wurde innerhalb weniger Wochen völlig schwarz. In Wandlitz ärgern sich Bürger über Schmutz im Leitungsnetz. Der Niederbarnimer Wasser- und Abwasserverband räumt inzwischen Probleme ein.

    privat
  • Endlich wieder sauber: Alle zwei Wochen guckt die Familie nun nach dem Filter. Noch schlimmer sind die Zustände im Haselweg.

    Endlich wieder sauber: Alle zwei Wochen guckt die Familie nun nach dem Filter. Noch schlimmer sind die Zustände im Haselweg.

    privat
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Wenn Dirk B.* im Wandlitzer Haselweg den Wirtschaftsraum seines Hauses betritt, gilt der erste Blick immer dem Trinkwasserfilter. Das gute Stück sollte eigentlich rein sein, denn schließlich filtert die Anlage das gute NWA-Trinkwasser. Doch die Erwartung stimmt längst nicht mehr mit der Realität überein. Die Filteranlage wird mitunter binnen drei, vier Tagen kohlrabenschwarz. "Am Anfang haben wir uns immer gewundert, dass die Wasserhähne irgendwie undicht werden. Bis ich dem auf den Grund gegangen bin und schwarze Partikel im Hahn gefunden habe. Die können ja nur aus dem Trinkwasser stammen“, beschreibt der Wandlitzer eine Entwicklung, die schon länger währt. Dann wurde eine Filteranlage angeschafft und wenig später eine noch bessere Filteranlage eingebaut, mit der der schmutzige Filter komfortabel ausgewaschen werden kann. Das in einen Eimer abgelassene Wasser sieht auf den ersten Blick klar aus. Das ändert sich aber beim Ausgießen in ein weißes Waschbecken. Grau-schwarz  erscheint das Wasser im Kontrast zum Becken. „Unglaublich! Das sollen wir also trinken“, kommentiert B., als er spontan zeigt, wie es ums Wasser beschaffen ist. Der Ärger darüber ist riesig, denn bislang verband Familie B. mit dem Trinkwasser die Vorstellung, ein sauberes Nahrungsmittel zu beziehen.

Gerda R.* im Seebadkorso kennt dieses Phänomen ebenfalls. „So richtig aufgefallen ist uns das im Mai. Damals nahmen wir sofort  Kontakt zum NWA auf und bekamen zur Antwort, das schwarze Wasser hängt mit einem Waldbrand zusammen, bei dem die Feuerwehr zu viel Löschwasser aus dem Netz gepumpt habe.“ Also reinigte die Familie ihre Filteranlage und guckte mehrere Wochen lang nicht hin. Bis zum Juni, als zur Monatsmitte der Filter erneut schwarz geworden war.  „Ich habe mich fürchterlich aufgeregt, denn ich frage mich natürlich, was wir hier ins Haus geliefert bekommen. Und ich denke daran, in wievielen Familien das Wasser pur getrunken wird, weil ja alle glauben, es sei sauber“, erzürnt sich Gerda R. Ihren Ärger schrieb sie erneut in einer Mail an den NWA nieder, eine Antwort gab es seitdem nicht. Auch eine weitere Mail vom 7. Juli blieb unbeantwortet. „Offenkundig hat der NWA kein Interesse an einer Antwort und lässt die Bürger mit dem Thema allein“, resümiert sie wütend.

NWA-Verbandschef Matthias Kunde kennt das Thema offenkundig, wie die Recherche ergibt. Er spricht vom „schwarzen Wasser“ und weiß auf Anhieb, was sich im Mai zugetragen hatte. „Die Wandlitzer Feuerwehr nahm beim Löschen eines Brandes binnen Stunden ohne Vorwarnung 800 Kubikmeter Trinkwasser ab. Diese Starkabnahme wirkt wie eine  Netzspülung und reißt eben Teile  der verhärteten Ablagerungen von den Rohrwänden. Die färben das Wasser schwarz und landen als Partikel im Filter.“

Kontaktanfrage unbeantwortet

Warum auch nach Mai immer noch die Filter schwarz werden, kann Kunde nicht erklären. Er weiß aber, das Trinkwasser wird regelmäßig ohne Beanstandungen überwacht. Im Haselweg wurde das Trinkwasser beprobt, ohne dass es Qualitätsprobleme gegeben habe. Weil es dort aber Beschwerden gibt, will der NWA das Netz kurzfristig spülen lassen.  Gerda R. empfiehlt er, sich schnell zu melden, dann würde der NWA den Hausanschluss spülen. Warum der Verband selbst auf das Einschreiben der Familie nicht reagierte, kann er sich nicht erklären. *Name geändert

Filteranlagen für das Hauswasser

Hauswasserfilteranlagen sollen das eigene Netz vor den Partikeln schützen, die mit dem Trinkwasser ins Haus kommen. Damit wird die Installation geschützt. Bei Altanlagen sind diese Filter nicht vorgeschrieben. Anders verhält es sich bei Neuinstallationen. Keine Installation bekommt heute eine Genehmigung, wenn die Hausfilteranlage fehlt, wissen die Fachleute seit vielen Jahren. Nicht zu verwechseln sind diese Anlagen mit Weichwasseranlagen, die den Härtegrad des Wassers senken sollen. Das Wirkprinzip dieser Anlagen basiert auf dem Ionenaustausch. Sie sind deutlich teurer als eine Hauswasserfilteranlage.  ⇥hs