Vogelwelt: 33mal Nachwuchs bei den Störchen des Niederbarnim
Einige Paare hätten drei Jungvögel ausgebrütet und aufgezogen. Das sei erfreulich, sagt Gerhard Meyer aus Seefeld, der seit 1979 die Storchenbilanzen erstellt. Zwar sei die Aufzucht von vier oder auch fünf Vögeln möglich. Doch angesichts der zurückliegenden trockenen Jahre und der Nahrungsknappheit wecken drei Tiere Hoffnnung auf Besserung. Seine Einschätzung: „2020 ist ein besseres Storchenjahr als die fünf Jahre zuvor, zufriedenstellend ist es aber nicht.“
Gerhard Meyer ist Mitglied im Naturschutzbund und ehrenamtlicher Storchenbeauftragter. Um die jährliche Bilanz zu erstellen, ist ein riesiger Aufwand erforderlich. Jedes Nest hat er sechs Mal kontrolliert. Dankbar ist er für die vielen hilfreichen Anrufe von Anwohnern, die ihm zum Beispiel signalisieren, dass ein Nest wieder angeflogen wird.
Wechsel-Beziehungen
Im Niederbarnim gibt es 46 Storchennester beziehungsweise Nisthilfen, die allerdings nicht alle belegt sind. Zum Kontrellgang gehört auch das Ablesen der Beringungen. Dadurch können nicht nur die Zugrouten der Störche festgestellt werden. Gerhard Meyer kann mit den Ergebnissen belegen, dass Störche durchaus den Partner und auch das Nest wechseln. Aber auch das ist nicht der Regelfall. So wurden in Weesow und Löhme in diesem Jahr wieder die gleichen Standorte belegt, in Zerpenschleuse ist der Horst bereits vier Mal in Folge von ein- und demselben Storch belegt.
Die Fakten, die Gerhard Meyer jedes Jahr zusammenträgt, meldet er der Vogelwarte auf der Insel Hiddensee. Dort werden sie gesammelt, so dass im günstigen Fall über die rund 25-jährigen Lebensläufe eines Vogels nachweislich Auskunft gegeben werden kann. Um ihre Flugrouten zu bestimmen, werden einige Tiere mit Sendern ausgestattet.
Die ersten Flugversuche haben die jungen Störche bereits Ende Juli unternommen. Da kamen sie allerdings wieder in das Nest zurück. Die eigentliche Abflugzeit zieht sich über Wochen hin, berichtet Gerhard Meyer. Sie sei von dem Futterangebot abhängig. Und dies ist der entscheidende Punkt.
„Die Störche sind in diesem Jahr wie üblich Ende März bis Mitte April eingetroffen und hatten auch in diesem Jahr wieder mit einem sehr trockenem Frühjahr zu kämpfen, die Nahrung war knapp“, so der Storchenexperte. Eine wechselseitige Bestellung der Felder könnte helfen. Nachdem die jungen Tiere geschlüpft waren, verschärfte sich die Situation noch einmal.
Die Altstörche waren stundenlang unterwegs, um zunächst Regenwürmer, Insektenlarven, Amphibien, und Käfer, später Eidechsen, Mäuse und Fische aufzuspüren. Drei bis fünf Kilometer und mitunter noch weiter entfernen sie sich vom Horst. Gerhard Meyer hat einige bis abends gegen 22 Uhr bei der Futtersuche beobachtet. Eine Tour könne dann bis zu drei Stunden dauern.
Hilfe beim Aufräumem
Um beim Aufziehen zu helfen, haben in Rüdnitz Kinder Fische geangelt und den Störchen hingestellt. „Sie wurden sofort angenommen“, sagt Gerhard Meyer. Die Unterstützung durch den Menschen ist vor allem dann gefragt, wenn ein Elterntier ausfällt. Aber nicht nur. Ausgesprochen hilfreich sei die Unterstützung der Gemeinde Wandlitz und der Stadt Werneuchen gewesen: So müssen die hohen Nester von altem Nistmaterial befreit werden. Dafür wurde zum Beispiel eine Hebebühne bereitgestellt. Unterbleibt die Reinigung, kann sich Regenwasser im Nest ansammeln, junge Störche unterkühlen sich dann oder drohen gar zu ertrinken.
Storchennachwuchs im Jahr 2020
Ahrensfelde: 2 JungvögelBernau-Lindow: 3Biesenthal: 1Blumberg: 2Ladeburg: 2Löhme: 3Rüdnitz: 3Ruhlsdorf/Siedlung: 3Schwanebeck: 3Zerpenschleuse: 2Schönerlinde: 2Schönwalde: 2Weesow: 2Willmersdorf: 2⇥fos

