Wanderung
: Pilgertour nach Börnicke

Eine Gruppe Wanderer machte sich am Sonntag auf den Jakobsweg. Der verläuft auch durch den Niederbarnim.
Von
Klaus Kleinmann
Werneuchen
Jetzt in der App anhören
  • Unterwegs auf dem Pilgerweg: Eine Gruppe Wanderer macht sich am Sonntag auf den Nebenweg des Jakobsweges, der von Frankfurt/Oder durch den Niederbarnim führt.

    Unterwegs auf dem Pilgerweg: Eine Gruppe Wanderer macht sich am Sonntag auf den Nebenweg des Jakobsweges, der von Frankfurt/Oder durch den Niederbarnim führt.

    Klaus Kleinmann
  • Stempeln gehen: Josephine Holz stempelt die Pilgerpässe für die Wanderer ab. Der Weg ist mit einer Jakobsmuschel gekennzeichnet.

    Stempeln gehen: Josephine Holz stempelt die Pilgerpässe für die Wanderer ab. Der Weg ist mit einer Jakobsmuschel gekennzeichnet.

    Klaus Kleinmann
1 / 2

Die Tourist–Informationen in Bernau und Werneuchen hatten mit dem Regionalpark Barnimer Feldmark am Sonntag zu einer Tour auf dem Jakobsweg eingeladen, die über 15 Kilometer von Werneuchen nach Börnicke führte. Das Pilgern auf dem Jakobsweg hat eine sehr lange Tradition. Schon seit dem 11. Jahrhundert machen sich Menschen auf den Weg in das spanische Santiago de Compostela, um die Seele zu läutern und Vergebung für ihre Sünden zu erlangen.

Der Apostel Jakobus soll dabei Fürbitte leisten, und die Kirche verstand es bereits sehr früh, diesen Wunsch nach Absolution in klingende Münze umzuwandeln. Auch in heutiger Zeit ist die Pilgerschaft nach Santiago weltweit in Mode. Die Hauptachse befindet sich in Spanien, aber dort gibt es viele verzweigte Nebenrouten, ebenso in Portugal, Frankreich und, man staune, in Deutschland. Schon vor Hunderten von Jahren machten sich nämlich auch deutsche Sünder auf die weite Wanderschaft zum heiligen Jakobus. Das historische Wegenetz ist gut erforscht und von der Jakobus–Gesellschaft fast durchgängig mit dem Pilgersymbol, der Jakobsmuschel, markiert.

Ein Stück dieser alten Route führt von Frankfurt an der Oder über Strausberg, Werneuchen und Bernau nach Berlin. Von dort aus geht der „zweite Teil der Reise“ über gut 3000 Kilometer nach Santiago. Am vergangenen Sonntag nahm sich eine frohe Schar von Wanderern immerhin den Abschnitt von Werneuchen nach Börnicke vor.

Josephine Holz von der Bernauer Tourist–Information berichtete, der Weg werde bereits sehr gut von Wanderern angenommen, man wolle ihn aber noch weiter bekannt machen. Über dem Jakobsweg liege nämlich eine besondere Aura, was sich daran erkennen lasse, dass die Teilnehmer der geführten Wanderungen besonders offen und gesprächsbereit sind. Vielleicht meldeten sich Leute, die dafür eine spezielle Ader hätten. Der spirituelle Charakter des Weges sollte aber bei der aktuellen Unternehmung keinesfalls im Vordergrund stehen.

Nach dem Bekunden der meisten Teilnehmer tat er das auch nicht. Man habe allgemein Spaß am Wandern, suche einen Weg aus dem Alltagstrubel und innere Ruhe. Viele Berliner Mitstreiter wollten ein neues Stück der brandenburgischen Natur kennen lernen. Zwei oder drei Teilnehmer waren schon in Santiago de Compostela oder planten eine Pilgerschaft dorthin.

Auf der Suche

Da staunte man nicht schlecht, als am Ende des Weges in Börnicke doch sehr viele den Pilgerausweis zückten und ihn abstempeln ließen. Es wollte scheinen, als hätte die Aura des Pilgerweges doch einen Einfluss und verleihe der Wanderung einen gewissen Nimbus. Vielleicht ist es angenehm, sich als Teil einer jahrhundertealten Pilgertradition zu empfinden. Die Suche nach Erbauung und Erlösung ist wohl eine Grundkomponente der menschlichen Seele, ähnlich wie die Sehnsucht nach der „blauen Blume“, dem Paradies oder dem fernen Shangri La.

So war die Wahl des Endpunktes für die Wanderung auf die Börnicker Kirche gefallen. Dort wurde die Gruppe üppig bewirtet und durfte in der Kirche ein Konzert des Blockflöten–Consorts Weißensee, verstärkt durch Streicher und Gesang, hören. Spirituell oder nicht – die Wanderung war ein Erlebnis.