Wandlitz
: Geschichte der Goebbels-Villa und der FDJ-Hochschule in Bogensee wird aufgearbeitet

Das Nebeneinander von Goebbels-Villa und FDJ-Hochschule Bogensee wird Thema zweier Ausstellungen im Wandlitzer Barnim-Panorama.
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Hans Still
Wandlitz
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Imposante Architektur: Ein Blick auf eines der Ausbildungsgebäude der ehemaligen FDJ-Hochschule. Das Nebeneinander von Goebbels-Villa und FDJ-Hochschule Bogensee wird Thema zweier Ausstellungen im Wandlitzer Barnim-Panorama.

Hans Still

Die Gemeinde Wandlitz ging eigens zur Ausstellung eine Kooperation mit dem Potsdamer Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZFF) ein. Elke Kimmel, damals eine der Ausstellungsmacherinnen, leitet heute das Wandlitzer Barnim Panorama.

Beide Frauen, Schmid-Rathjen und Kimmel, stehen nun erneut vor einer hoffnungsvollen Kooperation mit dem Potsdamer Zentrum für Zeithistorische Forschung. „Wir haben den Zuschlag für ein neues Forschungsprojekt bekommen. Im Fokus steht Bogensee mit seiner Historie als ehemalige Jugendhochschule der FDJ und der Goebbels-Villa am Bogensee“, berichtet die Wandlitzer Kulturamtsleiterin. Diesmal haben sich die Vorzeichen gedreht: Die Potsdamer Forscher sind nun die Hauptakteure in der Forschungsarbeit, die Wandlitzer sitzen quasi als „Juniorpartner“ im Boot. Ungeachtet dessen geht es beispielsweise darum, die Nutzung des Geländes im Nationalsozialismus und anschließend während der Besatzungszeit und der DDR-Zeit historisch aufzuarbeiten.

Zwei Ausstellungen des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF)

Seine Spannung bezieht das Projekt aus dem Nebeneinander zwei Schauplätze deutscher Geschichte. Da wäre erstens die Villa von Hitlers Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, die dieser seinerzeit als Wochenenddomizil, Liebesnest, Arbeitsstätte und Wohnsitz nutzte. Daneben der riesige Komplex der ehemaligen FDJ-Jugendhochschule, der in den 50-er Jahren nebenan errichtet wurde, mit für damalige Verhältnisse modernen Unterkünften und Gemeinschaftsgebäuden, die heute als Komplex unter Denkmalschutz stehen, aber zunehmend dem Verfall preisgegeben sind. Beide Schauplätze gehören übrigens dem Land Berlin. „Die Gemeinde Wandlitz geht mit ihrem historischen Erbe offensiv um“, bemerkt die Kulturamtsleiterin und verweist stolz auf eine zugesagte Förderung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Brandenburger Kulturministeriums. Immerhin 32 000 Euro werden demnach fließen.

Nach bisherigen Erkenntnissen dürften später zwei Ausstellungen folgen. Ab November 2020 wird sich der erste Teil der Forschung mit den Grundlagen befassen. Dazu gehören natürlich Zeitzeugen, ein Zeitstrahl der Entwicklung und Dokumente aus den jeweiligen Jahren. Diese Ausstellung soll bis zum Mai 2021 zu sehen sein und wird später um eine so genannte „Nahaufnahme“ ergänzt, die unter der Ägide von Anja Tack vom ZZF entstehen soll. Ob diese Ausstellungen auf Reisen gehen werden, ist derzeit noch nicht klar. Sicher aber scheint, Wandlitz macht erneut mit seiner Vergangenheit auf sich aufmerksam.