Es ist ein nettes Angebot, das sich das Center-Management der Bahnhofs-Passage überlegt hat: Während der Öffnungszeiten des Einkaufscenters werden in einem „WM-Wohnzimmer“ im Bereich vor der Medimax-Filiale die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar gezeigt. Bunte Sitzkissen, Stühle und Sofas bieten etwa 25 Zuschauern Platz. Theoretisch. Der tatsächliche Bedarf hält sich allerdings in Grenzen. Warum ist das so?
Selbst die deutsche Nationalmannschaft konnte mit ihrem Spiel gegen Japan (Partnerportal swp.de) kaum Menschen vor den Fernseher in der Passage locken. Das kann natürlich mehrere Gründe haben: Da wäre die Anstoßzeit am Mittwoch (23. November) um 14 Uhr, das generelle Desinteresse an der WM aufgrund des Gastgeberlandes – Stichwort Boykott – oder auch der fehlende Ausschank am WM-Wohnzimmer. Zudem gehört ein Einkaufscenter normalerweise nicht zu den klassischen Anlaufstellen eines Public-Viewing-Suchenden.

Der Fernseher ist groß, die Bildqualität ist gut

All das soll das Angebot nicht abwerten – die Sitze sind gemütlich, der Fernseher ist groß, die Bildqualität ist gut. Und dennoch: Stimmung kommt vor MediMax nicht auf. Nicht einmal als Ilkay Gündogan in der 34. Minute per Elfmeter das 1:0 erzielt. Sieben Plätze sind zu diesem Zeitpunkt besetzt. Zwei davon vom Ehepaar Krosetz aus Bernau. Gewusst hatten sie nicht, dass das Spiel in der Bahnhofs-Passage gezeigt wird, erzählt Thomas Krosetz. „Da sind wir beim Einkaufen quasi drüber gestolpert. Aber das sieht doch ganz schön aus hier.“
Der deutschen Mannschaft traut er bei der WM durchaus eine gute Rolle zu. „Es heißt ja immer, dass Deutschland eine Turnier-Mannschaft ist. Ich kenne zwar kaum einen Spieler, aber die können bestimmt alle gut Fußball spielen.“ Länger als bis zum Halbzeitpfiff hielt es das Paar aber nicht auf ihren Plätzen. Dann wurde der Einkaufsbummel fortgesetzt. Immerhin mussten sie dadurch nicht live miterleben, wie die deutsche Elf das Spiel noch aus der Hand gab und am Ende mit 1:2 verlor.

Angebot für die Besucher der Bahnhofs-Passage Bernau

Während des Spiels sind es ausschließlich Spontan-Gucker, die sich ins WM-Wohnzimmer setzen: Kunden, die ihren Einkauf kurz unterbrechen und eine Pause einlegen, Angestellte, die ihre Mittagspause dort verbringen, Schüler, die sich nach der Schule in der Passage aufhalten. Aber genau für diese wurde das Angebot geschaffen, erklärt Center-Manager Lutz Bennhardt. „Es ist gar nicht unser Ziel, dort hunderte Fans zu versammeln. Das ist unrealistisch.“
Für Besucher der Passage sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, Fußball zu gucken. „Zum Beispiel für Männer, die auf ihre Frauen warten, die im Schuhgeschäft einkaufen, und für Frauen, die auf ihre Männer warten, die nicht mehr aus MediMax herauskommen“, so Bennhardt. Das WM-Wohnzimmer wurde dann als gute Lösung betrachtet. „Wir mussten schließlich neue Wege gehen“, ergänzt der Center-Manager. „Denn dass die Vorweihnachtszeit und eine Fußball-WM auf denselben Zeitraum fallen, gab es ja so auch noch nie.“ Deshalb würde man die Flächen weiterhin für Weihnachts-Aktionen nutzen.

Fußball gucken während des Einkaufens

Dass der Public Viewing-Bereich künftig aber durchaus besser besucht werden kann, dagegen hätte Bennhardt nichts einzuwenden. „Das muss sich noch ein bisschen besser rumsprechen. Wenn erst einmal alle mitbekommen, dass man in der Bahnhofs-Passage während des Einkaufens Fußball gucken kann, kommen vielleicht ein paar mehr Zuschauer dazu.“