Wohlfahrt: Bernauer Arbeiterwohlfahrt feiert 100 Jahre

Tortenanstich: Awo-Vorsitzender Burkhard Thomaschewski (l.) und Geschäftsführer Frank Peters bewirten die Gäste der Jubiläumsfeier mit einer süßen Speise.
Wolfgang RaitinEs geht darum, die „Menschen zu befähigen, Probleme selbst zu lösen“, beschreibt Anne Baaske das Selbstverständnis der vor 100 Jahren gegründeten Arbeiterwohlfahrt. Die Geschäftsführerin des Awo-Landesverbandes Brandenburg ist am Freitag Gast der Jubiläumsveranstaltung des Bernauer Kreisverbandes und unterstreicht, dass die Awo "versucht, Selbsthilfe zu organisieren. Es geht nicht um Ersatzmaßnahmen“.
Zahlreiche Gäste sind gekommen. Im Foyer hängen viele Bilder, die Kita-Kinder gemalt haben. Sie stehen ebenso wie die Wohlfahrtsmarken für das soziale Anliegen des Verbands. Ab einem Preis von zwei Euro aufwärts können die Besucher ein Bild erwerben. Der Erlös kommt ebenso wie der Verkauf der Marken sozialen Projekten der Awo in der Region zugute.
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Allein 19 Einrichtungen betreibt der Wohlfahrtsverband, wie Marina Timmermann von der Stadtverwaltung unterstreicht. Sie überbringt die Grüße des verhinderten Bürgermeisters André Stahl. Der Kreisverband sei ein „beachtlicher Arbeitgeber in der Region“.
Konkret beschäftigt er 350 Mitarbeiter. Die Zahl der Mitglieder ist doppelt so groß. Doch ob ehren- oder hauptamtlich – sie alle knüpfen an die praktische Hilfe an, die schon in den ersten Einrichtungen der Awo geleistet wurden – es waren Suppenküchen und Nähstuben, erinnert Awo-Geschäftsführer Frank Peters. Und er fügt hinzu: „Einige Probleme sind heute immer noch dieselben.“ Der Kreisverband bietet unter anderem Kitas, Erziehungs- und Familien- sowie Schuldnerberatungen, Eingliederungshilfen, Wohnheimplätze und Pflegeleistungen an. Leider gebe es heute „zumindest gefühlt“, so Peters, immer mehr Bürokratie.
Die Zeit nach der Wiedergründung der Awo in Bernau im Jahr 1991 war wesentlich durch Klaus-Peter Jonas im Vorstand und Geschäftsführerin Sabine Schmalz geprägt. Ausgangspunkt war, so Frank Peters, die weitere Beschäftigung von zehn Gemeindeschwestern nach der Wende.
Dass Marie Juchacz, die Gründerin der Awo vor 100 Jahren, sich nicht nur durch ihr sozialpolitisches Engagement auszeichnete, hebt der heutige Awo-Vorsitzende Burkhard Thomaschewski in seiner Begrüßung der Gäste hervor. Die Sozialdemokratin sei eine von 39 Frauen gewesen, die in das erste demokratisch gewählte Parlament in Weimar einzog. Brandenburgs amtierende Landtagspräsidentin Britta Stark und Landrat Daniel Kurth unterstreichen dies und verweisen darauf, dass 100 Jahre nach Gründung der Awo durch Marie Juchacz Brandenburg als erstes Bundesland das Paritégesetz eingeführt hat.
Mit dem Blick nach vorn weist Anne Baaske darauf, dass die Awo junge Menschen zum Beispiel für Erzieher- und Pflegeberuf begeistern möchte. So wird seit 2017 ein tariflicher Ausbildungsmindestlohn in der Pflege von 925 Euro im ersten Lehrjahr gezahlt.