10 Jahre ADFC Falkensee
: Falkensee soll fahrradfreundlichste Stadt Europas werden

Der ADFC Ortsverband Falkensee feierte seinen 10.Geburtstag. Sein nächstes Ziel: Falkensee soll fahrradfreundlichste Stadt Europas werden.
Von
Silvia Passow
Falkensee
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Der ADFC Ortsverband Falkensee feierte seinen 10. Geburtstag. Auf dem Podium: Martin Eiselt, Uwe Kaufmann, Thomas Zylla, Antje Aurich-Haider und Jan Nickelsen (v.li.).

Silvia Passow

Gefeiert wurde dabei wenig, eher zurückgeblickt auf die Gründe, warum der Fahrrad Club auch für Falkensee nötig wurde. Natürlich wurde auch nach vor geschaut: Was steht an, wenn 2030 das Ortsschild mit dem Zusatz „Fahrradfreundlichste Stadt Europas“ versehen sein soll? Hier zeigt sich deutlich, dass es auch weiterhin fahrradaffine Falkenseer braucht, die die Bedürfnisse der Radler im Blick haben. Denn schaut man auf den Verkehrsentwicklungsplan, in das Maßnahmenkonzept Fahrradverkehr der Stadt, sieht der Betrachter rot. Denn rot unterlegt sind jene Bauvorhaben an Radwegen, die noch nicht umgesetzt wurden.

Vor zehn Jahren kämpfte der ADFC um Fahrradständer. Das ist heute auch noch so, mit dem Unterschied, dass es schon welche gibt — nur eben zu wenig. Die Fahrradständer am Bahnhof Seegefeld gehören zu den ersten Erfolgserlebnissen, auf die Gründungsmitglied Ursula Nonnemacher (B’90/Grüne) zurückblickt. Die amtierende brandenburgische Gesundheitsministerin aus Falkensee ist auch begeisterte Radfahrerin, so wie die ganze Familie Nonnemacher. Alle sind auch Gründungsmitglieder im ADFC Falkensee. Grund für die Gründung war die fehlende Infrastruktur für Fahrräder und ein von den Mitgliedern empfundener Mangel an Begeisterung für die Bedürfnisse der Radfahrenden im Rathaus.

Auch Joe Knarr ist von Beginn an dabei. Er sagt, damals sei die Zusammenarbeit mit der Verwaltung nicht besonders gut gewesen. Uwe Kaufmann, aktuell der Sprecher des rund 150 Mitglieder starken Ortsvereins, benennt die Erfolge, die man in den vergangenen zehn Jahren errungen hat. Zum Beispiel die Ernennung eines Fahrrad–Beauftragten für Falkensee.

Den Posten hat Dezernent Thomas Zylla inne und er ist auch anwesend. Zylla äußert sich erfreut über das erfolgreiche Stadtradeln im letzten Jahr. Mehr als 100.000 Kilometer hatten die Falkenseer erradelt. Er kündigt an, dass sich die Stadt auch in diesem Jahr an dem sportlichen Event beteiligen wird. Kaufmann hätte hierfür gern bessere Voraussetzungen. „Wir brauchen nicht nur ein Radverkehrskonzept, wir brauchen einen Umsetzungsplan“, sagt er.

Es gratulierte Antje Aurich–Haider, Landesgeschäftsführerin der ADFC Brandenburg, zum Geburtstag und für die verhinderte Fahrradbeauftragte aus dem Havelland, Jennifer Wydra, kam Referatsleiter Jan Nickelsen. Nickelsen unterstrich noch einmal, dass die Bedürfnisse der Alltagsradler ganz anderes sind, als die der auf den touristischen Routen Radelnden. Lennard Meyer vom Jugendforum sprach sich einmal mehr für die Anschaffung von Lastenrädern durch die Stadt aus.

Martin Eiselt, ebenfalls Sprecher des ADFC Falkensee, führte moderierend durch den Abend. Eiselt hatte das Motto: „Falkensee — Fahrradfreundlichste Stadt Europas 2030“ ausgerufen. Für die meisten Gäste auf dem Podium war klar, wenn das Ziel erreicht werden will, heißt es, kräftig in die Pedale zu treten.

Wie sich radeln in Falkensee anfühlt, dazu konnten einige der rund fünfzig Anwesenden etwas sagen. Auf die Frage, welche Stelle in Falkensee sie auf dem Sattel sitzend für die Gefährlichste halten, gab es, ganz unterschiedliche Antworten.

Für Julia Concu, Bündnis 90/Die Grünen und Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, sind die Hansastraße und die Falkenhagener Straße für Radfahrer bedenklich. Für sie besonders schlimm: Das ausgerechnet vor dem Rathaus eine der unschönsten Stellen für Radfahrende zu finden ist. Radwege, die baulich, zum Beispiel mit Poller, von der Fahrbahn abgetrennt sind, empfinde sie als sicher, sagt Concu.

Für Peter Kissing (SPD) ist die Bredower Straße eine der gefährlichsten Routen für Radfahrer. Auf dem Holperpflaster ist es unsicher und fährt sich wenig komfortabel, also wichen die meisten Radfahrer auf den Gehweg aus, erläutert Kissing. Was zu neuen Konflikten führen kann. Für Kissing, der sehr viel mit dem Rad unterwegs ist, ist auch die Nauener Straße stadtauswärts ab Tankstelle ein gefährliches Pflaster für Radfahrende. Hier sollte schnell der Lückenschluss zum Radweg nach Brieselang erfolgen.

Hans–Peter Pohl (CDU) sagt, er fahre nur sehr selten Rad. Auch als Autofahrer sieht man, wo es Knackpunkte geben kann. Die Kreuzung vor dem Kronprinz, Karl–Marx–Straße und dem Zubringer nach Waldheim, sagt er, die habe er schon öfter als gefährlich für Radfahrende erlebt. Für Martin Eiselt bleibt die Querung der Schönwalder Straße, außerhalb der Stadt, riskant. Hier setzt er sich schon lange für eine bessere Lösung ein.

Für Fabian aus Falkensee spricht der Umstand, dass Eltern bei der Wahl der Grundschule eben auch nach der sicheren Erreichbarkeit mit dem Fahrrad schauen, Bände, wie er sagt. „Sechs Jahre fuhr mein Kind auf dem Gehweg zur Schule“, sagt er. Der Schulweg führte über die Falkenhagener Straße.

Der ADFC ist ein bundesweit agierender Verkehrsclub mit rund 190.000 Mitgliedern, der sich als Verbraucherschutzorganisation für die Belange von Radfahrern einsetzt. Mit dem vom Verein geforderten „Gute–Straßen–für–alle–Gesetz“ schlägt der Verein eine fahrradfreundliche Überarbeitung der Straßenverkehrsordnung vor. Wer sich engagieren möchte und in Wustermark lebt, hat noch bis 28. Juni die Möglichkeit, sich an einer Onlinebefragung zum Radverkehrskonzept der Gemeinde zu beteiligen. Mehr dazu auf der Homepage der Gemeinde auf www.wustermark.de.