Abschied aus Potsdam-Mittelmark: Benjamin Stamer kann nicht „einfach so weitermachen“

Benjamin Stamer verabschiedet sich nach 15 intensiven Jahren.
arch/mozDas Arbeitsverhältnis Stamers im Belziger Forum e.V. endete, zum Ende des Jahres wird er seine Arbeit in der Region weitestgehend einstellen und lediglich dem Belziger Forum als Mitglied und für die Projektgruppe „Jüdisches Leben in der Region Belzig 1933-1945“ weiter zur Verfügung stehen.
Kritische Worte Stamers: „In den letzten Jahren galt die Unterstützung von geflüchteten Menschen in Potsdam-Mittelmark, neben der Initiierung interkultureller Projekte und der Arbeit gegen Rechtsextremismus, als meine Kernbeschäftigung. Ich habe in dieser Zeit zu viel Negatives erlebt, um so wie bisher einfach weitermachen zu können. Rechtsextreme Einstellungen im Träger für die Unterbringung von Geflüchteten oder die Drohung geflüchtete Menschen in die Obdachlosigkeit zu entlassen, welche von Politikern in der Kreistagsdebatte um die Seebrücke getätigt wurde, um nur einige wenige Punkte der letzten Monate zu benennen. Ob Diversität und die Inklusion von Migranten im Landkreis Potsdam-Mittelmark eigentlich gewollt ist, bleibt meines Erachtens kritisch zu überprüfen. In den letzten Jahren sah ich hier, um es offen zu sagen, viele Rückschritte. Viele meiner ehemaligen Kollegen in diesem Feld haben die Arbeit im Landkreis Potsdam-Mittelmark nicht gut verkraftet. Sie wechselten rechtzeitig oder sind heute zum Teil nicht mehr arbeitsfähig. Dies lag in der Regel nicht an den migrantischen Klienten. Problematisch waren und sind die widrigen Umstände, in denen sie, oft nahezu auf sich allein gestellt, versuchen Schutzbedürftigen Menschen zu helfen. Auch mir ist es wichtig, in Zukunft in einem Umfeld zu arbeiten, in dem ich nicht mehr gegen Windmühlen im Bereich Asyl und Migration kämpfen muss. Natürlich fiel mir die Entscheidung die Region mit meinem Wirken zu verlassen dennoch keineswegs leicht.“
Doch auch auf viel Positives im Belziger Forum e.V. blickt Stamer zurück. „Auf viele geflüchtete Menschen, die ohne uns nicht dort wären wo sie heute sind, auf sehr erfolgreiche Demonstrationen gegen die NPD, AfD und Co. in Bad Belzig, sowie Gedenkveranstaltungen, Länderabende, Workshops, Schulprojekte und vieles mehr. Der Verein Belziger Forum e. V. wird die Stelle so schnell wie möglich neu besetzen, um die interkulturelle Projektarbeit in der Region mit frischem Wind zu versehen. Dabei gilt hier der Dank dem Landkreis, ohne dessen Stelle der interkulturellen Projektarbeit viele der mehr als 100 Projekte und Aktionen, welche ich in den letzten Jahren durchführen durfte, nicht stattgefunden hätte. Ich hatte immer wieder auch die Chance das „andere“ Potsdam-Mittelmark kennenzulernen. Einen Landkreis mit einer vielseitigen humanistischen Zivilgesellschaft, für die es keine Rolle spielt welche Hautfarbe, Glauben, sozialen Status oder gar Aufenthaltstitel die Person gegenüber hat und ich hoffe, dass diese in Zukunft auch größeres Gehör finden wird. Die Einrichtung des Runden Tisch Asyl und Migration Potsdam-Mittelmark erscheint mir dabei als ein enorm wichtiger Schritt zur Vernetzung dieser unterschiedlichen Akteure. Ich möchte mich bei allen Unterstützern, Freunden und Kooperationspartnern meiner Arbeit bedanken. Insbesondere gilt dies dem Vorstand und dem Team des Belziger Forum e.V. / Infocafé „Der Winkel“ sowie der „Projektgruppe Jüdisches Leben 1933-1945“, die oft auch mehr als ein bloßes Arbeitsumfeld für mich waren, mir viel Freiraum gaben und in deren Umfeld ich viele besondere Freundschaften schließen durfte.