Angriff auf Opel
: Ein Brandenburger schildert seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg

Als Augenzeuge erlebte der 16-jährige Flaksoldat Goldbeck den Angriff auf Opel im Zweiten Weltkrieg. Nun schildert er seine Erlebnisse.
Von
Manfred Lutzens
Brandenburg an der Havel
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So sahen beispielsweise auch am Silokanal und in Butterlake die Flakstellungen aus, wo unter anderem der 16-jährige Heinz Goldbeck dienen musste.

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So beispielsweise im August 1944. Dazu schrieb BRAWO in seiner Ausgabe vom 11. 8. 2019: „Opel Brandenburg steht in Flammen“ und erinnerte an den Bombenangriff auf dieses Werk. Nun meldete sich bei uns mit Heinz Goldbeck ein gebürtiger Havelstädter. Mittlerweile 91 Jahre alt, dürfte er wohl der einzige noch Überlebende sein, der damals unfreiwilliger Augenzeuge wurde.   Er gehörte nämlich zu den Jugendlichen, die in der letzten Phase des für Deutschland schon längst aussichtslosen Eroberungskrieges noch zu den Waffen gerufen wurden. Gemäß Gestellungsschreiben musste sich der damals erst 16-Jährige am 1. August 1944 bei der Schweren Flakbatterie 204/3 in Butterlake „zur Verteidigung der Heimat“ einzufinden. Dabei teilte er das Schicksal mit weiteren 56 hiesigen Handwerkerlehrlingen; sie wurden vornehmlich Flakbatterien wie in Wilhelmsdorf, Neuendorf, Plauerhof, Wust und bei Opel am Silokanal zugewiesen. An der 8,8-cm-Flugzeugabwehrkanone (Flak) erlebte der angehende Tischler Heinz Goldbeck nach nur kurzer, aber fast menschenunwürdiger Ausbildung den Ernst des Krieges und im wahrsten Sinne des Wortes die Feuertaufe. „An jenem so heißen August-Sonntag hieß es plötzlich Alarm.  Nun ging alles sehr schnell, zudem heulten die Sirenen in der Stadt. Ein Dröhnen setzte ein, schwoll bedrohlich an. Und da kamen sie, die exakt formierten Bomberstaffeln der Alliierten“, erinnert sich der inzwischen betagte Brandenburger selbst heute noch im Detail. „Die Nerven schienen förmlich zu zerreißen. Doch eigenartigerweise legte sich das nach den ersten Schüssen unserer Batterie. Irgendwie stellte sich ein Gefühl von Kraft und Stärke ein, wir dachten da nur noch wenig an die große Gefahr.... Wenn da aber alle Bomber dieses Pulks ihre vernichtende Last abgeladen hätten! So aber nahm ihre überwiegende Zahl dann Kurs auf andere Industriezentren“. Und als die Maschinen beim Bombenabwurf hier auf das für den Aggressor Deutschland so wichtige Werk (Lkw Opel-Blitz für die Wehrmacht) ihre Höhe noch einmal reduzierten, konnte Heinz Goldbeck sogar die Piloten in der Kanzel erkennen. Der allergrößte Teil der imposanten, modernen Hallen fiel binnen Sekunden in sich zusammen. Staub sowie Flammen und Rauch breiteten sich  aus. 31 Opelaner fanden den Tod. Die große Uhr des Pförtnerhauses blieb übrigens um 12.45 Uhr stehen. Weitere Treffer gingen kurz darauf wohl noch auf das Havelwerk (Potsdamer Straße) sowie die Excelsior-Fahrradfabrik nieder. Für Heinz Goldbeck gab es im doppelten Sinne des Wortes schmerzhafte Erfahrungen, erlitt er doch bei diesem Luftangriff eine Brandwunde am Oberarm. Mitte September 44 folgte mit der Flak-Batterie ein Standortwechsel zum Flugplatz Neuendorf. Im weiteren Kriegsverlauf, nämlich am 17. April 1945, geriet der angehende Handwerker östlich von Berlin in russische Gefangenschaft. Aber das ist zu gegebener Zeit ein neues Kapitel für „BRAWO“.