Aus der Region
: Erste Marktschwärmerei im Havelland eröffnet im Frühling

In Schönwalde auf dem Landgut öffnet im März die erste Marktschwärmerei im Havelland - regionale Produkte direkt vom Erzeuger zum Verbraucher wird es hier geben.
Von
Silvia Passow
Schönwalde-Dorf
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Ingeborg Schwenger (re.) besucht Clemens Stromeyer im Potsdamer SauenHain. 200 Schweine leben hier als Herde auf einer alten Obstplantage. Die Weidehaltung von Schweinen wird aufgrund des hohen Aufwandes nur selten praktiziert.

Ingeborg Schwenger

Was ist eigentlich eine Marktschwärmerei? Im Grunde ein moderner Bauernmarkt, bei dem die Waren im Netz bestellt und dann zu einem festgelegten Zeitpunkt auf der Marktschwärmerei abgeholt werden. Die Idee dahinter: Regionales Einkaufen erfordert beim Kunden nicht selten ein hohes Maß an Flexibilität. Eier hier, Käse da, Fleisch dort. Mit der Marktschwärmerei entfällt die „Jagd“ nach nachhaltigen Lebensmitteln.

Auf der Marktschwärmerei können Kunden sich direkt beim Erzeuger über die Herstellung des Produktes informieren. Wie lebte das angebotene Schwein wirklich? Von welchem Acker stammt die Kartoffel und wie wurde sie angebaut? Sind die Hühner, die diese Eier gelegt haben, wirklich glücklich? Und auch für den Erzeuger hat das Konzept Charme. Nicht mehr über Stunden auf dem Marktplatz stehen und auf Kunden warten. Mitgebracht wird in der Regel nur, was vorher bestellt wurde. Neben der Zeit und den Kosten für den Marktstand, spart sich der Verkäufer auch den Rücktransport nicht verkaufter Produkte.

Seit 2011 gibt es dieses Konzept in Frankreich, von dort aus wanderte die Idee des nachhaltigen Einkaufs ohne Rennerei in die Schweiz, die Niederlande, Italien, Spanien, Großbritannien und auch nach Deutschland. Rund vierzig Schwärmereien gibt es in der Bundesrepublik, drei davon in Brandenburg, fünf weitere befinden sich hier im Aufbau, so auch die Marktschwärmerei in Schönwalde, die für das Havelland die Vorreiterrolle übernimmt.

So funktioniert eine

Marktschwärmerei

Zunächst muss man Mitglied werden. Das ist kostenlos und unverbindlich. Es gibt keine Bestellpflicht, keinen Mitgliedsbeitrag, keinen Mindestumsatz. Da die Waren selbst abgeholt werden auch keine Lieferkosten. Die teilnehmenden Erzeuger können aktuell ihre Angebote ins Netz stellen, der Käufer bestellt die Waren. Auf der Marktschwärmerei holt der Käufer seine bestellte Ware ab.

Was wird hier zukünftig angeboten? Die ersten Erzeuger von Lebensmitteln aus der Region sind bereits an Bord. Um das Angebot möglichst bunt und vielfältig zu halten, sucht Schwenger nach weiteren Herstellern von regionalen Lebensmitteln.

Mit dabei ist Angelika Glawe von der Luch-Gärtnerei. Neben Pflänzchen wird sie Obst und Gemüse, auch viele historische Sorten, Kräuter und Kartoffeln anbieten. Dazu Pilze und verarbeitete Spezialitäten aus eigener Produktion, wie ein Quittenmus. Feinstes Schweinefleisch wird vom Potsdamer SauenHain kommen. Die Tiere leben hier auf einer alten Obstplantage in der Gruppe. Für Geschäftsführer Clemens Stromeyer ist der respektvolle Umgang mit den Tieren der Schlüssel, um ein gesundes Nahrungsmittel zu produzieren.

Wurst und Fleischspezialitäten vom Wild wird Sven Kraatz aus Pausin anbieten. Schäfer Olaf Kolecki, dessen Herden auch im Havelland weiden, wird Produkte von Lamm und Zicklein verkaufen. Honig, made in Schönwalde, Kräuter von der Kräuterfee Tina aus Falkensee und Käse aus Baruth gehören bereits zum Angebot der Marktschwärmerei Schönwalde.

Für Schwenger war es bereits vor elf Jahren, als sie das Landgut übernahm, ein Anliegen, mit dem Anwesen einen Treffpunkt im Dorf zu schaffen. Die Schwärmerei soll also auch Treffpunkt bei einem Pott Kaffee sein, während die Kinder auf dem Spielplatz ihren Spaß haben. „Als Landgut haben wir hier alle Voraussetzungen für dieses Projekt“, sagt sie. Im Restaurant bietet Schwenger eine regionale und nachhaltige Küche an. Das Gut selbst wird nach ökologischen Gesichtspunkten von ihr betrieben.

„Wir leben hier ökologische Landwirtschaft. Das passt“, sagt sie weiter. „Es gibt hier viele gute Produkte, die saisonal und nachhaltig produziert werden und Tierhalter, die ihre Tiere artgerecht halten und wirklich gute und gesunde Nahrungsmittel produzieren. All denen will ich eine Plattform bieten.“

Die Idee der Marktschwärmerei findet offenbar Zuspruch, über 100 Mitglieder haben sich bereits als Kunden eingetragen. Zusätzlich zum regulären Programm einer Marktschwärmerei wird Schwenger an jeden ersten Freitag im Monat eine offene Verkostung anbieten. Auf eine günstige Wetterlage ist sie dabei nicht angewiesen. Sollte der Markt nicht auf dem Hof stattfinden können, weil es Land unter heißt, wird der Verkauf der Waren ins Herrenhaus verlegt.

Die erste Markschwärmerei auf dem Landgut Schönwalde, Dorfstraße 31,findet am Freitag, 22. März, von 15 bis 18 Uhr statt. Informationen gibt es unter: www.marktschwärmer.de oder direkt bei Ingeborg Schwenger unter 0172/3939178.