Bad Belziger Klinkengrund feiert: Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Ingo Kampf übernahm das rohe Ei - und damit die Verantwortung - aus den Händen von Lydia Näther. Das Ei blieb während des Festes heil
B. KraemerDas Fest war von den Organisatoren — Lydia Näther vom Stadtteiltreff Klinke 1 und den Stadtwerken Bad Belzig — unter das Thema „Das rohe Ei“ gestellt worden. Ziel war, auf die aktuelle Lage im Wohngebiet hinzuweisen.
Partner aus dem Quartier und der umliegenden Region hatten das Fest mit unterstützt. Mit dem rohen Ei, das über den gesamten Nachmittag auf einem Löffel balancierend vor dem zerbrechen bewahrt werden musste, war zusätzlich eine Challange verbunden. Blieb es heil, wollten Unternehmen für den Stadtteiltreff spenden. Die Stadt wiederum wird diesen Betrag mit Mitteln aus den Verfügungs– und Aktionsfonds aus dem Förderprogramm „Soziale Stadt“ aufstocken.
Im Verlauf des Nachmittags wechselte der Löffel mit dem Ei in die verschiedensten Hände. „Ich habe es auch schon gehalten“, sagte der Lütter Herbert Grüneberg. „Ich auch“, so Erhard Schwarz, der als Hausmeister der Bewog die Bewohner des Quartiers besser kennt als jeder andere. Wie lange jeder die Verantwortung für das zerbrechliche Ei übernahm, blieb jedem selbst überlassen. „Zur Sicherheit habe ich einen Sechserpack mitgebracht“, so die Quartiersmanagerin Lydia Näther lachend. Doch die übrigen fünf Eier konnten im Karton bleiben. Jeder Halter, der Verantwortung für das rohe Ei übernahm — machte mit ruhiger Hand deutlich, dass er für ein gutes Zusammenleben und Miteinander im Wohngebiet Klinkengrund einsteht. Wie viel Geld letztendlich über die Challange einkam, kann erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden.
Nur das Wetter, dass spielte seine eigene Symphonie. Es entsendete Dauerregen. In dieser Folge blieben die 20 Meter lange Hüpfburg des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) und die Kletterwand vom Brandenburger Sportbund unaufgebaut. Torwandschießen und diverse Bastelangebote fanden trotzdem statt. Sogar die musikalische Einlage, die der AWO–Seniorenchor zum Fest beisteuerte, musste unter schützenden Pavillondächern erklingen. Dafür aber begleitet vom Tanz der Regentropfen.
Etwas Gutes hatte der Dauerregen aber doch. Die Ei–Challange erfuhr, weil Festbesucher unter den Pavillons Schutz suchten, viel Aufmerksamkeit. In dieser Folge konnte auch der barrierefreie Stadtteiltreff Klinke 1 mit seinen Angeboten immer wieder in das Blickfeld der Festbesucher gerückt werden. Es gibt ihn seit zwei Jahren. Dem Kieztreff kommt nach Einschätzung von Lydia Näther bei allen Versuchen einer Verbesserung des Miteinanders im Wohngebiet — aktuell leben rund 2.400 Menschen dort — eine Schlüsselrolle zu. Denn nicht immer ist überall eitel Sonnenschein. Müll am Straßenrand und Konflikte zwischen den Einheimischen und Zugezogenen sorgen gelegentlich für Zerwürfnisse, die das Zusammenleben erschweren. Deshalb das Fest, dass helfen sollte, sich künftig ohne Vorurteile zu begegnen und dazu ermutigen sollte, enger zusammenzurücken. Rima und Fatima, zwei Frauen mit syrischen Wurzeln, hatten eigens dafür gebacken. Mit Kuchen und Torten nach arabischer Rezeptur steuerten sie ihren Teil zum Gelingen des Festes bei.
„Das Ei verbildlicht auch unseren Stadtteiltreff, die Klinke 1“, so Lydia Näther, nachdem sie wieder einmal mit ruhiger Hand den Löffel übernommen hatte. „Vielleicht haben wir im nächsten Jahr schon ein Küken in der Hand“, so Heiner Dörrwald von den Stadtwerken zuversichtlich.
An das erste Stadtteiltreff wird in der Klinke 1 demnächst eine Bilderwand erinnern. Jeder, der für das zerbrechliche Ei Verantwortung übernommen hatte, wird sich unter dem Titel „Wir für den Klinkengrund“ auf dieser wieder finden.