Bis zu zehn Euro pro Stunde weniger: Bauarbeitern droht Herabsetzung auf Mindestlohn

Häuserbauen für 9,35 Euro pro Stunde – das kommt für die Bau-Gewerkschaft nicht in Frage. Bauindustrie und Bauhandwerk müssen sich allerdings beeilen, um genau das zu verhindern.
Florian Schuh„Bauhandwerk und Bauindustrie müssen jetzt das tun, was die IG BAU schon gemacht hat: Die Arbeitgeber müssen einem Schlichterspruch und damit neuen Bau–Mindestlöhnen zustimmen. Passiert das nicht, droht dem Bau in Brandenburg an der Havel schlimmstenfalls der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde als unterste Verdienstgrenze. Jetzt hängt alles am seidenen Faden der Arbeitgeber“, sagte IG BAU–Bezirksvorsitzender Rudi Wiggert.
Der sogenannte Schlichterspruch sieht dabei vor, dass der Branchen–Mindestlohn auf dem Bau im Osten ab April steigt — und zwar auf 12,55 Euro. „Dieser Bau–Mindestlohn ist das Lohn–Stoppschild nach unten. Und genau das braucht der Bau ganz dringend. Wenn die Arbeitgeber den neuen Branchen–Mindestlohn allerdings nicht akzeptieren, dann wäre das ein Lockruf an alle Billig–Firmen aus dem In– und Ausland, als Dumping–Konkurrenz auf den Markt zu drängen. Diese Billigheimer würden dann ordentlich arbeitenden und anständig — nämlich den Tariflohn — bezahlenden Unternehmen in Brandenburg an der Havel wirtschaftlich das Handwerk legen“, ist sich Wiggert sicher.
Darüber hinaus warte der Vorsitzende der IG BAU Mark Brandenburg die heimischen Bauunternehmen davor, sich auf einen „Kamikaze–Kurs“ einzulassen. Der Countdown dazu laufe bereits, denn bis zum kommenden Freitag, 17. Januar, müssen die Arbeitgeber grünes Licht für höhere Mindestlöhne auf dem Bau geben. Die IG BAU ruft deshalb „alle anständigen Bauunternehmen in der Stadt auf, im Schulterschluss mit anderen als ‚starke Brandenburg–Kraft‘ klare Signale an den Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und an den Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) zu senden“ — und zwar für das Akzeptieren der neuen Bau–Mindestlöhne.
„Hier steht in erster Linie der faire Wettbewerb bei fairer Bezahlung auf dem Spiel. Der Bau darf nicht zur Niedriglohn–Branche werden, da die Folgen für die Beschäftigungsentwicklung verheerend wären — und das mitten im Bau–Boom“, macht Wiggert klar und ergänzt, dass selbst Facharbeiter dann abwandern würden. „Vom Niedriglohn–Image der Baubranche und ihrem fehlenden Nachwuchs ganz zu schweigen.“ Gerade jungen Menschen müsse seiner Einschätzung nach, das Signal gegeben werden, dass der Bau eine boomende Branche mit Zukunft sei, in der man was Tolles schaffen, den Erfolg seiner Arbeit sehen und gutes Geld verdienen könne und mit dem Tariflohn sei die „Lohnlatte“ fair gelegt.
Der Basis–Tariflohn für einen erfahrenen Maurer, Zimmerer oder Straßenbauer in Brandenburg an der Havel liege derzeit bei 19,50 Euro. „Würden Unternehmen, die nicht an den Tariflohn gebunden sind, künftig lediglich den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit nur 9,35 Euro bezahlen, dann würde das eine krasse Kluft von über 10 Euro beim Stundenlohn bedeuten. Das würde der Bau nicht verkraften“, so Wiggert, der als Konsequent darauf einen regelrechten Preiskampf sieht.
Genau dieser Punkt habe auch den Präsidenten des Bundessozialgerichts, Prof. Dr. Rainer Schlegel, als Schlichter für das Bauhauptgewerbe offensichtlich dazu bewogen, sich für neue Bau–Mindestlöhne auszusprechen. Wie es tarifpolitisch dann auf dem Bau weitergeht, darüber werden IG BAU und Bau–Arbeitgeber bereits im Frühjahr verhandeln: Dann steht nämlich die neue Lohn–Tarifrunde an.