Brandenburg an der Havel
: Auch „Stadt“-Bauern wurden in LPG gepresst

1960 setzten auch in Brandenburg an er Havel Scharen von übereifrigen Funktionären und Propagandisten alles daran, die landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) zu bilden.
Von
Manfred Lutzens
Brandenburg
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  • Das Bündnis zwischen Stadt und Land wurde vor 60 Jahren auch bei dem obligaten Aufmarsch am 1. Mai geradezu beschworen.Fotos: Archiv M. Lutzens

    Das Bündnis zwischen Stadt und Land wurde vor 60 Jahren auch bei dem obligaten Aufmarsch am 1. Mai geradezu beschworen.Fotos: Archiv M. Lutzens

    Archiv M. Lutzens
  • Noch als freier Bauer: Hermann Deckert aus der Watstraße mit seinem Pferdegespann beim Pflügen. Er musste vor 60 Jahren auch Mitglied der LPG "Fritze Bollmann" werden.

    Noch als freier Bauer: Hermann Deckert aus der Watstraße mit seinem Pferdegespann beim Pflügen. Er musste vor 60 Jahren auch Mitglied der LPG "Fritze Bollmann" werden.

    Archiv M. Lutzens
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Zurück zum Werbefeldzug im Frühjahr 1960. Mit dieser  großangelegten Aktion brachte die herrschende Arbeiter- und Bauernpartei ihre bereits 1952 eingeleitete Enteignung der zumeist jedoch widerwilligen Landwirte endlich zum Abschluss. Und so kam es nun beispielsweise auch im Stadtteil Plaue (inklusive Charlottenhof) zur Bildung der Genossenschaften  "Florian Geyer“ und „Plauer See“. In Kirchmöser gab es nun gar eine LPG namens „Rotes Banner"(!). Wie allerorts ging es damals im Lokal der Plauer Gartenstadt ebenfalls hitzig, ja geradezu tumultartig her. Den Beitritt machte man den so arg in die Bredouille gebrachten Bauern z. B. mit einem seinerzeit noch seltenen Fernsehapparat schmackhaft. Andererseits drohten bei Ablehnung erste Repressalien. So sollten diese Landwirte dann vom Beliefern mit Viehfutter bzw. Bereitstellen von Technik seitens der Maschinen-Traktoren-Stationen „zurückgestellt“ werden; aber trotzdem mussten sie ihr Abgabesoll erfüllen. Ansonsten folgten zumeist Strafurteile per Gericht.

Der massive ökonomische und psychologische Druck führte seinerzeit dazu, dass immer mehr Bauern in den Westen flüchteten (bis August ’61 offene Grenzen). Etliche zogen sogar den Freitod vor, andere verkrafteten die Drangsal nie mehr. Längst gab es wieder Versorgungsengpässe, so auch bei Butter. Die Geschäfte durften nur bestimmte Mengen abgeben, hatten eine Zeitlang sogar Kundenbücher zu führen. Schüler, Soldaten usw. mussten auf den Feldern oft helfen, da mittlerweile zahlreiche Gehöfte verwaist waren. In den umliegenden Dörfern unserer Stadt gab es vor 60 Jahren bei jener Kampagne namens „Sozialistischer Frühling auf dem Lande“ unbeschreibliche Auseinandersetzungen. Mit Lautsprechern, Schmähgesängen, Sprech-Chören von Agitations- und FDJ-Gruppen wollte man die Landwirte für eine der drei LPG-Typen weich machen. „Bauer Müller, versteck’ dich nicht, denn auch dich der Sozialismus kriegt“ oder „Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein“ - waren nur einige der dumpfen Parolen dieses „Feldzuges“. Und sarkastisch hieß es in einer von SED-Autorin Langnickel verfassten Chronik zum März anno 1960: „Viele Genossen (...) verlassen für einige Wochen ihren Arbeitsplatz, um den Bauern zu helfen, den Weg zur sozialistischen Entwicklung in der Landwirtschaft zu gehen“. Welch ein Hohn!

So ists richtig!

Auf unserem Foto vom Altstadt Rathaus zeigten wir in der BRAWO-Ausgabe vom vergangenen Sonntag selbstverständlich das Hauptportal des historischen Bauwerkes sowie den Kurfürstenbrunnen.