Brandenburg an der Havel: Auf dem Marienberg herrscht seit 170 Jahren „Funkstille“
Neben dem Telegrafenmast befand sich ein Häuschen, von wo aus die Beamten mittels eines Fernglases den Blick auf eine der nächsten, zumeist 15 km entfernten Stationen lenkten. In Richtung Berlin befand sich diese beim Vorwerk Schenkenberg, gen Magdeburg hatten in Möser (heute Kirchmöser) sowie in Zitz weitere „Sender“ ihren Standort. Wurde dort nun mit dem Flügel ein Buchstabe oder ein Wort angegeben, so zog der hiesige Bedienstete mit dem Apparat sofort dasselbe Zeichen. Bereits 15 Minuten nach Aufgabe in Berlin konnte so eine Meldung dann Koblenz erreichen. Jedoch hatte die Sache trotz allen Fortschritts einen gewaltigen Haken: Bei Dunkelheit, Regen und Nebel waren die Zeichen nicht zu sehen. Ergo: Die Zahl der Depeschen blieb eher gering.
Seit nunmehr gut 170 Jahren herrscht aber auf dem Marienberg wieder „Funkstille“. War doch die Station auf der damals noch als Harlunger Berg bezeichneten Erhebung lediglich bis 1849 von militärisch organisierten Telegrafisten betrieben worden. Mit dem Siegeszug der von Naturereignissen unabhängigen elektrischen Fernmeldeleitungen, die nun auch dem einfachen Bürger zugänglich waren, ging der optisch–mechanische Telegraf alsbald ein. Die nun nutzlose Anlage wurde samt Häuschen an einen Konditor verpachtet. Er bot den Spaziergängern während des Sommers vor allem Erfrischungen an. Später erhielt an diesem Platz das Kriegerdenkmal (siehe BRAWO vom 9. August) seinen Standort. An besagten Fernmelder „mit Flügeln“ erinnert seit der Bundesgartenschau 2015 die mit tatkräftiger Hilfe der hiesigen Metallbaufirma Windeck geschaffene Nachbildung. In unserer hochmodernen Zeit dürfte die Technik von dereinst aber nur noch ein Schmunzeln hervorrufen.

