Brandenburg an der Havel
: St.-Annen-Straße war einst Adolf-Hitler-Straße

Vom Stadtpalais zur Seifenfabrik – was in der Brandenburger Neustadt aus der Ecke Sankt-Annen-Straße und Deutsches Dorf wurde.
Von
Th. Messerschmidt
Brandenburg an der Havel
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  • Die St.-Annen-Straße im Jahr 1914 mit Rochows Stadtpalais an der Einfahrt zum Deutschen Dorf.

    Die St.-Annen-Straße im Jahr 1914 mit Rochows Stadtpalais an der Einfahrt zum Deutschen Dorf.

    Sammlung Th. Messerschmidt
  • Die St.-Annen-Straße heute.

    Die St.-Annen-Straße heute.

    Th. Messerschmidt
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Den Wohnsitz behielt der Fabrikbesitzer im  Stadtpalais. Um 1910 hat sich wenig verändert, jedoch ist Otto Hübner mit einer Materialwarenhandlung eingezogen und Restaurateur A. Richter hat das Gastliche übernommen. 1919/20 ist nun Zietens Sohn Friedrich der Seifenfabrikant und die Materialwarenhandlung erhalten, allerdings die Restauration verschwunden, dafür scheinbar die Seifenfabrik auf Teile des Palais ausgedehnt. Aus Deutschedorfstraße ist „Deutsches Dorf“ geworden und der Zieten-Besitz von 12 Mietern bewohnt, darunter Seifensiedermeister Albrecht Kauffmann.

1928/29  sind die Wohneinheiten kleiner, weswegen das Adreß-Buch von 1928/29 allein 13 Mieter für die St.-Annen.-Straße 12 und 19 Mieter im Deutschen Dorf 1/1a auflistet. 1938/39 ist die St.-Annen-Straße namentlich zur A.-Hitler-Straße mutiert, die Nr. 12 aber in den Händen von Seifenfabrikant Friedrich Zieten geblieben. Hertha Haueisen vertreibt hier neuerdings Damenbekleidung, während W. Hübener für Kolonialwaren sorgt und die Gaststätte wiederbelebt hat. Im Deutschen Dorf 1 haben 13 Mieter ein Zuhause, in der 1a ebenfalls – vermutlich erschwingliche Arbeiterunterkünfte.

Der Zweite Weltkrieg ist bereits im Gange, entfaltet in der Brandenburger Neustadt seine zerstörerische Kraft aber erst zum Ende.  Schwester Gilberta hat in der Chronik der Katholischen Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit Brandenburg a.d. Havel fürs Jahr 1945 notiert: „25.04. Letzte hl. Messe in der Kapelle. In den Vormittagsstunden Tieffliegertätigkeit und starker Beschuß in der Neustadt. Weitere große Brände in der Stadt (St. Annenstr., Temnitz, Abtstr. Rathaus, Riedel, Fauser, Kurfürstenhaus…).“ Und: „28.04. Während der Nacht mit kurzen Unterbrechungen andauernder Beschuß. Brandenburg ist in Feuer gehüllt und vom Feind umschlossen. Die sinnlose Verteidigung geht weiter.“ Anfang Mai kehrt Ruhe ein.