Brandenburger Gärten
: In der Sparte „Abendrot“ gelten Freiheiten, die es anderswo gibt

Die BRAWO Sommerserie geht weiter: dieses Mal mit der Kleingartensparte „Abendrot“ im Stadtteil Nord. Deren Mitglieder genießen besondere Freiheiten.
Von
Alexandra Gebhardt
Brandenburg an der Havel
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  • Ulrich Hoffmann, Vorstand der Kleingartensparte "Abendbrot" an seinem prächtigen Kirschbaum. Er trägt auch in diesem Jahr zahlreiche saftige Früchte.

    Ulrich Hoffmann, Vorstand der Kleingartensparte "Abendbrot" an seinem prächtigen Kirschbaum. Er trägt auch in diesem Jahr zahlreiche saftige Früchte.

    A.Gebhardt
  • Gartennachbar Hans Hoffmann an seiner "blauen Oase", die an heißen Tagen Abkühlung beschert.

    Gartennachbar Hans Hoffmann an seiner "blauen Oase", die an heißen Tagen Abkühlung beschert.

    A. Gebhardt
  • Ein Krokkodil in Brandenburg? Ja, zu finden im Garten von Ulrich Hoffmann. Wenn auch nicht ganz echt.

    Ein Krokkodil in Brandenburg? Ja, zu finden im Garten von Ulrich Hoffmann. Wenn auch nicht ganz echt.

    A. Gebhardt
  • Ulrich Hoffmann mag es verspielt. Dieses Baumgesicht ist der Beweis.

    Ulrich Hoffmann mag es verspielt. Dieses Baumgesicht ist der Beweis.

    A. Gebhardt
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„Ich mag es einfach verspielt und so habe ich auch meinen Garten angelegt“, gibt Hoffmann zu. Sein grünes Kleinod hat der Rentner in der Gartensparte „Abendrot“ angesiedelt. Sie erstreckt im Stadtteil Nord entlang des Silokanals zwischen den Straßen „Am Gallberg und „Rhinweg“. 206 Mitglieder zählt der Kleingartenverein auf 136 Parzellen. „Es waren mal 110, aber einige Parzellen wurden geteilt“, weiß Hoffmann. Seit 2015 ist er im Vorstand der Sparte, die bei den fast einhundert, die Brandenburg an der Havel und Umgebung zählt, eine große Besonderheit hat: das Gelände ist nicht bei der Stadt oder einem privaten Eigentümer gepachtet, sondern gehört dem Kleingartenverein. „Wir haben es vor gut 15 Jahren von Opel gekauft. Um das zu finanzieren, hat jedes Mitglied zehn Jahre Pacht im Voraus gezahlt“, erzählt der 67–Jährige. Der große Vorteil, der daraus resultiert: Die Mitglieder sind nicht den Vorschriften des Bundeskleingartengesetzes unterworfen. Dazu zählt auch die Regel, dass ein Drittel der Fläche der kleingärtnerische Nutzung, also dem Anbau von Gemüse und Obst,  dienen muss. „Das ermöglicht uns allen natürlich gestalterische Freiheiten für den Garten. Bei uns darf generell jeder seine vier grünen Wände eigentlich so gestalten, wie er möchte. Immerhin hat ja auch jeder andere Vorstellungen von dem, was schön ist. Nur gepflegt sollten die Parzellen aussehen. Das ist mir wichtig“, so Hoffmann.

Reichlich Gesundes hat er auf seiner 550 Quadratmeter großen Parzelle dennoch angebaut. Kartoffeln, Kürbisse, Knoblauch und Kohlrabi wachsen prächtig. Sogar Wein rankt sich an Aufstellern empor. Seine prächtigen Apfelbäume bescherten Hoffmann 2014 sogar eine Rekord–Ernte von 450 Kilo. "Damals hatte ich noch ein Bienenvolk im Garten. Das wird viel dazu beigetragen haben“, so Hofmann, der aus einem Teil der Äpfel jedes Jahr köstlichen Apfelsaft in Ketzür mosten lässt. „Nur die Triebe der Zwiebeln lassen ein wenig den Kopf hängen. Die Zwiebelfliege macht ihnen zu schaffen“, ist sich Hoffmann sicher. Als studierter Chemiker kennt er sich mit Schädlingen und Reaktionen aus. Vieles lernt man aber auch über die Jahre, meint Hoffmann. Seit 1959 ist er mit der Sparte verbunden. Vater Otto Hoffmann wurde damals in der 1947 hier Mitglied. "Ich bin damit am längsten hier, danke ich“, sagt Hoffmann mit einem Lächeln.

Generell nehme der Anteil an jungen Menschen in der Sparte aber zu. Viele Familien haben das Gärtnern in der Sparte „Abendrot“ für sich entdeckt. „Da muss man sich erst mal wieder daran gewöhnen, dass auf den Wegen auch mal getobt wird. Wir waren aber früher auch nicht anders, deshalb geht das in Ordnung“, meint Hoffmann, der das Vereinsleben in der Sparte generell schätzt.

Einen echten Freund hat er in Gartennachbar Hans Hoffmann gefunden. Die Namensvetter sind nicht verwandt, teilen aber die Leidenschaft fürs Grün. Seit 31 Jahren ist der 77–Jährige in der Sparte und hat seine 280 Quadratmeter direkt hinter der Laube von Ulrich Hoffmann. Ein kleiner „Geheimweg“, gut von Weinranken versteckt, verbindet die Parzellen. Über die vielen Jahre hat Hans Hoffmann es sich hier schön gemacht. Der Rasen ist akkurat gemäht, saftige Erdbeeren sprießen und in der Mitte lädt ein Pool zur Abkühlung an heißen Tagen. Das nimmt auch Ulrich Hoffmann natürlich gern einmal in Anspruch.