Regional betrachtet lag die Uckermark im vergangenen Jahr bei den Archäologen leicht vorn - bedingt durch die größte Fundplatzdichte des Landes in dieser landschaftlich besonders vielgestaltigen Region. Doch auch der Süden des Landes war dank der Braunkohlenarchäologie gut vertreten, die Beiträge streuen relativ gleichmäßig über das ganze Land. Oft sind es Bauarbeiten, die die Archäologen auf den Plan rufen und es auch im vergangenen Jahr getan haben - das reichte vom Neubau eines Gemeindezentrums wie in Bernau über die Erneuerung der Ortsdurchfahrt wie in Jüterbog oder Frankfurt an der Oder, der Verlegung von kleinen und großen Leitungen wie der EUGAL bis zu großflächigen Abbruch-Maßnahmen eines ganzen Industriegeländes in Kleinmachnow und der kompletten Landschaftszerstörung durch die Braunkohlentagebaue. Ein Blick auf die dabei angetroffenen archäologischen Perioden verrät für 2019: Die klassische Ur- und Frühgeschichte macht nur noch knapp die Hälfte der Fundplatzzahlen, 2019 waren es etwa zehn, aus, seitdem auch das Mittelalter und die Neuzeit als Themen der Archäologie erkannt wurden - und ein großer Teil der archäologisch zu begleitenden Bauarbeiten in Städten und Dörfern passiert.
Ganz anders hat sich ein Bodenfund hier in der Region, nämlich in Bad Belzig zugetragen: Im Jahr 2019 erreichte das BLDAM die Meldung eines in Bad Belzig beim Umbau einer Villa zur Kita zutage gekommenen Fundes. Auf dem Dachboden, im Gebälk versteckt, entdeckte der Dachdecker und ehrenamtliche Mitarbeiter der Landesarchäologe Sieghard Wolter aus Brandenburg ein Bündel von Papieren, Broschüren und Büchern. Es stellte sich heraus, dass es sich um Unterlagen verschiedener jüdischer Jugendorganisationen vom Anfang der 1930er Jahre handelt. Diese dezidiert kommunistischen Gruppen - unter den Schriftstücken waren auch ein Hammer-und-Sichel Motiv und ein hebräisch beschriftetes Karl-Marx-Porträt - bereiteten sich damals angesichts des zunehmenden Antisemitismus auf eine Zukunft in Palästina vor. Dafür gab es im Umkreis von Berlin eine ganze Reihe so genannter Hachschara-("Vorbereitungs")Stätten, an denen Gartenbau und Landwirtschaft gelernt werden konnte – so auch die Villa eines Kaufmannes in Belzig. Die sofort digitalisierten Schriften stehen nun der Forschung zur Verfügung – dankbar genutzt von einer Belziger Initiative zur Erforschung jüdischen Lebens in der Region, und einer Forschergruppe an der Universität Braunschweig. Unter den Schriften befinden sich äußerst seltene, in Deutschland sonst nicht mehr erhaltene Exemplare, die die Auf- und Umbruchssituation junger deutscher Juden am Vorabend des so genannten Dritten Reiches nachvollziehen lassen. Manche Hachschara Stätte wurde später übergangslos zum Zwangsarbeitslager.
In Vorbereitung der Ausstellung "Ausgeschlossen. Archäologie der NS-Zwangsarbeitslager", die zum 75-jährigen Jubiläum von Kriegsende und Befreiung der Lager für dieses Jahr konzipiert wurde, gab es weitere Grabungen in der Region. So veranstaltete das BLDAM einen Archäologie-Workshop am Standort
des Zwangsarbeitslagers eines Munitionswerkes bei Treuenbrietzen, wobei ein Film entstand. Dieser soll in der Ausstellung zu sehen sein, zusammen mit Originalfunden und Reflexionen von jungen Leuten, die am Workshop teilnahmen. Der Film zeigt die Grabungs- und Dokumentationsarbeiten und die zahlreichen aussagekräftigen Funde, die in den unterschiedlichen Aktivitätszonen des Lagers zutage kamen: im Bereich der Verwaltung Blech-Datenträger (sog. Adrema-Tafeln), Aktenordnerfragmente, verzierte Porzellantassen und Heizplatten, im Barackenteil aus Not selbst gemachte Behälter aus entwendeten Produktionsmaterialien und ein Trichter aus Blech. Im Gegensatz dazu steht extra für das Munitionswerk angefertigtes Porzellan des Amtes "Schönheit der Arbeit", was den ganzen menschenverachtenden Zynismus des rassistischen Systems verdeutlicht. Die Ausstellung "Ausgeschlossen. Archäologie der NS-Zwangsarbeitslager" soll vom 9. Oktober bis 5. April 2021 im Archäologischen Landesmuseum im Paulikloster zu sehen sein.

Bodendenkmale im Land Brandenburg


Im Jahr 2019 erfuhr die Liste der Bodendenkmale im Land Brandenburg eine Erweiterung um 333, zwei Bodendenkmale wurden aus der Liste gestrichen. Damit erhöht sich der Gesamtbestand der seit dem Jahr 2004 eingetragenen Bodendenkmale auf 11.520. Jedes Bodendenkmal kann jedoch mehrere Fundplätze umfassen. Bis Ende 2019 waren insgesamt 54.633 Fundplätze bekannt. Das Archäologische Informations- und Dokumentationszentrum (AIDZ) registrierte im Jahr 2019 insgesamt 1602 neue Fundplätze und bearbeitete 506 Fundmeldungen. Es wurden 1696 Grabungsdokumentationen aufgenommen, sodass deren Gesamtzahl im AIDZ 27.355 Dokumentationen umfasst.