Eigentlich klingen die Corona-Zahlen für die Stadt Brandenburg wenig dramatisch: Seit März dieses Jahres gab es 126 laborbestätigte Fälle, 84 Personen gelten als genesen, ein Mensch ist verstorben und 2 Frauen befinden sich in stationärer Behandlung. Dennoch ist die Havelstadt seit 22. Oktober ein Corona-Risikogebiet. Mit 39 Neuinfektionen in den vergangenen 7 Tagen ist die so genannte Inzidenz pro 100.000 Einwohner über den kritischen Wert von mehr als 50 (54) angestiegen.
Neben den Anordnungen aus der Landesverordnung, die am Dienstag in Kraft getreten ist, hat auch die Stadt selbst Regelungen erlassen „um das Infektionsgeschehen drastisch zu reduzieren“, die Oberbürgermeister Steffen Scheller am Nachmittag im Rathaus vorstellte.

Mund-Nasen-Schutz in den Einkaufsstraßen der Innenstadt

Größter Einschnitt: In der kompletten Hauptstraße, in der Sankt-Annen-Straße bis zum Abzweig Abstraße, in der kompletten Streinstraße und auf dem Neustädtischen Markt bis hin zur Kleinen Münzenstraße gilt ab sofort die Verpflichtung einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen - auch in den Außenbereichen. Nötig ist das, so Scheller, weil hier der Mindestabstand von 1,50 Metern nicht einzuhalten ist. Scheller kündigte an, dass es durch das Ordnungsamt und mit Unterstützung der Polizei entsprechende Kontrollen zur Einhaltung geben werde. Er appelliert an die Brandenburger ihren Mund-Nasen-Schutz zu tragen und so eine Weiterverbreitung des Corona-Virus zu verhindern.

Weitere Bereiche vorerst nicht betroffen

Gute Nachrichten dagegen gibt es für Schulen, Kitas, Spielplätze und Sport. Hier sind vorerst keine Schließungen oder Einschränkungen vorgesehen - natürlich unter Einhaltung der vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregeln. Dass derzeit ein Teil des Spielplatzes auf dem Packhof gesperrt ist führt der Oberbürgermeister auf angedachte Wartungsarbeiten zurück, coronabedingt sei nichts gesperrt.

Infektionen im gesamten Stadtgebiet

Grund für maßgeblichen den Anstieg der Fallzahl in den letzten Tagen sieht Steffen Scheller in zwei Betrieben (Gabarro und Westfälische Drahtindustrie), in der es einmal acht und einmal vier bestätigte Fälle gibt, in einer Privatfeier im Turnerheim, auf der sich weitere vier Personen infizierten und in einem Kleinbus der aus Polen zurückkehrte, in dem sich zwei weitere Infizierte befanden. „Wir haben sofort Maßnahmen ergriffen und Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt“, so Scheller. Am Sonnabend fallen fünf Personen aus der 7 Tage-Regelung heraus, doch da noch nicht alle Ergebnisse der Reihentests eingetroffen sind, rechnet der Stadtchef vorerst nicht mit einer spürbaren Entspannung.
Ein weiteres Problem: Lokal eingrenzen lassen sich die Neuinfektionen nicht. Sie sind, wie auch die Kontaktpersonen, über das gesamte Stadtgebiet verteilt.

Sicherheitshalber schneller testen lassen

Und Steffen Scheller sprach noch ein weiteres Problem an: Das Gesundheitsamt der Stadt verzeichne immer wieder Fälle in denen sich Personen testen lassen, die Symptome haben und dann positiv getestet werden. Das sei viel zu spät, da sie in der Zwischenzeit längst Kontaktpersonen angesteckt hätten, die wiederum nicht immer Symptome zeigen würden. Er appelliert deshalb an die Brandenburger schneller den Hausarzt zu konsultieren und sich testen zu lassen. Wer den Verdacht habe sich infiziert zu haben sollte sich zudem bis zum Testergebnis in häusliche Quarantäne begeben.

Bürgertelefon geschaltet und Gesundheitsamt verstärkt

Seit Montag ist auch das Bürgertelefon wieder eingerichtet. Unter 03381/581078 können die Brandenburgerinnen und Brandenburger Fragen stellen Hilfe finden.
um den steigenden Zahlen gerecht werden zu können wird das Gesundheitsamt mit acht weiteren Verwaltungsmitarbeitern aus anderen Bereichen verstärkt. Sie sind zuständig für die Kontaktnachverfolgung und Quarantäneüberwachung. Derzeit befinden sich 156 Personen in häuslicher Quarantäne.
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