Das Gutshaus in Buchow-Karpzow: Ein fast vergessenes Landidyll
Vom repräsentativen Landsitz zum schmucklosen Gebäude
Im Burgenatlas „Alle Burgen“ wird als Entstehungszeit für das Gutshaus ca. 1730 angegeben. Als Bauherr ist hier Carl Friedrich Wilhelm Albert von Bredow angegeben. Tatsächlich befand sich das Gutshaus bis zum Kriegsende im Besitz derer von Bredow. Das alte Adelsgeschlecht ist prägend für die Region Havelland. Ihr namensgebender Ort Bredow ist heute ein Ortsteil von Brieselang. 1879 soll es noch einmal Umbauten am Haus gegeben haben.
Insgesamt ist nicht allzu viel bekannt über die Geschichte des Hauses. Geschichtsinteressierten sei die Ausstellung im Erdgeschoss des Gutshauses ans Herz gelegt. In der Bürgerbegegnungsstätte wurde allerhand Wissenswertes aus der Region zusammengetragen, mit viel Liebe aufgearbeitet und ausgestellt. Die Familie von Bredow wurde 1945 enteignet, 1947 erhielt sie den Ausweisungsbescheid, gemäß der Sowjetischen Militäradministration. Die Familie ging nach West-Berlin. Ebenfalls 1947 wurde das Haus dem Stil der damaligen Zeit angepasst. Die dekorativen Elemente verschwanden, zurück blieb eine blanke, graue und nichtssagende Fassade.
Auf der Rückseite des Gebäudes lässt sich erahnen, dass hier einmal ein prächtiges Landhaus stand. Der Vorbau spricht sehr leise davon. Eigentlich hatte das Gutshaus saniert werden sollen. Schrittweise, doch wie sich zeigte, wäre dies ein kostspieliges Unternehmen. Eine Sanierung hätte außen und gleichzeitig im Innenbereich stattfinden müssen. Sehr aufwendig und teuer und somit auf Eis gelegt. „Jetzt haben wir eine Arbeitsgemeinschaft gegründet. Wir werden sehen, wie es mit dem Gutshaus weitergeht“, sagt Schöne. Auch einen Verkauf des Gutshauses, das derzeit der Gemeinde gehört, hält er für möglich. Allerdings müssten dann die Räume für die Aktivitäten an einem anderen Ort im Dorf unterkommen, sagt er.
Das Gutshaus hatte in den letzten Jahrzehnten eine wechselhafte Karriere, erzählt Ortsvorsteher Schöne, Lazarett, LPG-Küche und Kita. Heute sind in der oberen Etage drei Wohnungen untergebracht. Unten ist die bereits erwähnte Begegnungsstätte, zu der auch eine moderne Küche mit einer echten Rarität von Herdofen gehört. Im Yoga-Raum ist eine Wand komplett verspiegelt. Ein Hinweis auf die vorherige Nutzung als Übungsraum für Ballett. Auch die Freiwillige Feuerwehr hat hier Räumlichkeiten.
Blühendes Farbenmeer
Der Gutspark wurde erst vor wenigen Jahren aufwendig gestaltet. Schöne zeigt voller Stolz, und auch mit Wehmut, den gerade, aufgrund der Corona-Verordnung, abgesperrten Kinderspielplatz. Gegenüber ist die Boule-Bahn ebenfalls verwaist. Das zarte Grün, das gerade aufsprießt, wird im Gutspark von kräftigen Gelb- und Rottönen begleitet. Und zartes Blau in den Wiesen und unter den Bäumen. „Wir haben hier um die 10.000 Blumenzwiebeln gesetzt“, sagt Schöne. Mit wir meint er einige der Dorfbewohner. „Überwiegend die Frauen“, setzt er nach. Hinter den Bäumen fließt der Havelkanal, auch über die Wasserstraße und das Flüsschen Wublitz weiß Schöne einiges zu erzählen.
Zwei Friedhöfe
Der kleine Ortsteil Buchow-Karpzow, eine Verbindung der zwei gleichnamigen Dörfer, hat zwei Friedhöfe. Einer direkt an der Hauptstraße, die durch den Ort führt und ein weiterer Gottesacker liegt zu Füßen der kleinen Dorfkirche. Seit 1868 ist der kleine Kirchhof die Begräbnisstätte der Familie von Bredow. Hasso von Bredow fand hier 1954 seine letzte Ruhestätte - mit Sondergenehmigung. Sophie (2006) und Hildegard von Bredow (2012) fanden hier ebenfalls ihre Ruhestätte.
Vor 1868 hatte sich das Adelsgeschlecht im Kirchengewölbe bestatten lassen. Hermine Dorothea Marianne und Friedrich Wilhelm Albert Martin von Bredow wurden dort 1876 als letzte Familienmitglieder bestattet. Mit den letzten Arbeiten in der Kirche wurde der Zugang zu der Begräbnisstätte verschlossen, erzählt Schöne.

