Dokumentarfilm
: Auf der Spurensuche erfolgreicher Komponistinnen

In Deutschland sind Männer und Frauen seit zirka 70 Jahren gleichberechtigt. Aber in den Konzertprogrammen der sogenannten „ernsten Musik“ spiegelt sich das nicht wieder.
Von
red
Bad Belzig
Jetzt in der App anhören
  • Unter anderem wurde im Konzerthaus Berlin an dem Film gearbeitet.

    Unter anderem wurde im Konzerthaus Berlin an dem Film gearbeitet.

    Promo
  • Der Film startete am 5. November 2018 in deutschen Kinos und wird nun das Bad Belziger Publikum begeistern.

    Der Film startete am 5. November 2018 in deutschen Kinos und wird nun das Bad Belziger Publikum begeistern.

    Promo
  • Zu einer musikalischen und filmischen Entdeckungsreise quer durch Europa und zwei Jahrhunderte nimmt der Dokumentarfilm „Komponistinnen“ die Zuschauer mit.

    Zu einer musikalischen und filmischen Entdeckungsreise quer durch Europa und zwei Jahrhunderte nimmt der Dokumentarfilm „Komponistinnen“ die Zuschauer mit.

    Zu einer musikalischen und filmischen Entdeckungsreise quer durch Europa und zwei Jahrhunderte nimmt der Dokumentarfilm „Komponistinnen“ die Zuschauer mit.Szenenfoto Emelie Mayer Stettin
1 / 3

Fakt ist: unter den 100 meistgespielten Komponisten findet sich keine einzige Frau. Das fiel der Leipziger Pianistin Kyra Steckeweh vor einigen Jahren schlagartig auf. Seither beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit den Werken von Frauen. Gemeinsam mit dem mehrfach preisgekrönten Filmemacher Tim van Beveren entstand so der eindrucksvolle Dokumentarfilm „Komponistinnen“.

Es handelt sich dabei um eine musikalische und filmische Entdeckungsreise quer durch Europa und zwei Jahrhunderte. Im Mittelpunkt des Films stehen die Werke und die Biographien der Komponistinnen Mel Bonis (1858—1937), Lili Boulanger (1893—1918), Fanny Hensel (1805—1847) und Emilie Mayer (1812—1883).

Am Klavier lässt Kyra Steckeweh die Musik der vier Frauen lebendig werden. Ein besonderes Highlight ist die über 150 Jahre unentdeckte Klaviersonate d–Moll von Emilie Mayer. Aber wie wird heute mit dem musikalischen Erbe dieser zu ihrer Zeit teilweise sehr erfolgreichen Frauen umgegangen? Ihre Spurensuche führt Kyra Steckeweh in Archive, Bibliotheken und zu den Nachfahren der Komponistinnen. Zu Wort kommen darüber hinaus Experten, die sich bereits wissenschaftlich mit der Thematik beschäftigt haben. In den Interviews geht es auch um Fragen zur gegenwärtigen Situation: Warum wird allgemein so selten Musik von Komponistinnen aufgeführt? Ist das heute noch zeitgemäß?

„Als ich vor fünf Jahren anfing, nach Klavierwerken von Frauen zu suchen, habe ich die gesamte Thematik völlig unterschätzt. Ich habe erwartet, dass es nur sehr wenige wirklich gute Stücke gibt und dass sie höchstens eine kleine Ergänzung meines Repertoires sein werden. Rückblickend kann ich meine Erwartungshaltung von damals verstehen, denn die Werke von Komponistinnen sind immer noch eklatant unterrepräsentiert in klassischen Konzertprogrammen, in Schulbüchern und auch an Musikhochschulen.  Momentan spiele ich in meinen Konzerten ausschließlich Klavierwerke von Frauen und die Auswahl fällt mir schwer, weil ich immer mehr wunderbare Werke entdecke. Sie aufzuführen, teilweise sogar ur–aufzuführen ist mir ein großes Anliegen.“

Ende September 2018 wurde der Film „Komponistinnen“ beim „3. Alive Doc International Documentary Film Festivals“ in Los Angeles als „Beste Dokumentation von Frauen oder über Frauen“ ausgezeichnet. Außerdem wurde er zu weiteren internationalen Filmfestivals eingeladen, darunter die 40. Biberacher Filmfestspiele Ende Oktober 2018 und drei Festivals in den USA.

Nachdem der Kinofilm in den letzten Monaten in verschiedenen deutschen Kinos gezeigt wurde, habe ich mich dafür eingesetzt, den Film auch im Hofgarten Belzig zu zeigen. Er ist thematisch informativ, gesellschaftlich relevant und hat mittlerweile einige nationale und internationale Dokumentarfilm–Preise gewonnen.

Kyra Steckeweh ist Musikfreunden im Hohen Fläming keine Unbekannte. Sie hat des Öfteren unter anderen in der Waldkapelle Konzerte gespielt — vor vollem Haus und interessiertem Publikum. Bei der Filmvorführung am Sonntag, 13. Januar, um 13.00 Uhr im Bad Belziger Hofgartenkino werden die beiden Filmemacher Kyra Steckeweh und Tim van Beveren anwesend sein, in das Thema einführen, sich vorstellen und auftauchende Fragen beantworten.