Eröffnungsveranstaltung Bad Belzig
: Reißigerhaus wird als Gedenkort eröffnet

Es ist ein lang gehegter Traum, der am 21. März mit der Einweihung des Reißigerhauses als Gedenkort in Erfüllung geht. „Thea Labes hatte ihn schon zu Lebzeiten“, sagt Ingrid Mundil.
Von
Bärbel Kraemer
Bad Belzig
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  • Ingrid Mundil präsentiert die von Thea Labes in mühevoller Handarbeit abgeschriebenen Noten des David Oratoriums.

    Ingrid Mundil präsentiert die von Thea Labes in mühevoller Handarbeit abgeschriebenen Noten des David Oratoriums.

    B: Kraemer
  • Thea Labes gestaltete die Plakate selbst.

    Thea Labes gestaltete die Plakate selbst.

    B. Kraemer
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Doch wird im Haus nicht nur an Reißiger (1798 bis 1859), den wohl berühmtesten Sohn der Stadt und Kapellmeister am Dresdener Hof erinnert, sondern auch an die 2011 verstorbene Ehrenbürgerin Thea Labes. In mühevoller Arbeit hatte sie die in Vergessenheit geratenen und in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden auf Mikrofilmen archivierten Originalpartituren von Reißiger abgeschrieben, zum Druck und die Werke zur Aufführung gebracht.

Dafür wurde ihr die Ehrenbürgerschaft hiesiger Stadt verliehen. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2011 lebte Thea Labes im Reißigerhaus neben der Kirche - an dem Ort, an dem 1798 Carl Gottlieb Reißiger das Licht der Welt erblickt hatte.

Musik prägte über drei Jahrhunderte das Haus. Während dieser Zeit war es immer wieder Wohnstatt für Kantoren und Diakone. Albert Baur, der 1836 als Diakon nach Belzig kam, in der Stadt den ersten Sportverein gründete und ein begnadeter Zeichner und Musiker war - er pflegte zugleich eine enge Freundschaft zu Felix Mendelssohn-Bartholdy - gehörte ebenfalls zu den Bewohnern des Hauses. Im neuen Gedenkort wird auch an ihn erinnert.

Tritt man über die Schwelle des Hauses, wird man quasi bereits mit Musik empfangen.

Im Eingangsbereich ist neben Fotografien von Carl Gottlieb Reißiger und Thea Labes das alte Tenorhorn ausgestellt, mit dem sie musizierte - obwohl es bereits mit Tesafilm geklebt war. Von Thea Labes gestaltete Plakate aus drei Jahrzehnten schließen sich an. Es sind Plakate, mit denen zu Konzerten und Andachten eingeladen wurde.

„Es ist nur ein kleiner Auszug. Wir haben noch viel mehr“, sagt Ingrid Mundil. Für die Einweihung des Hauses als Gedenkort haben die Stiftungsmitglieder explizit Plakate ausgewählt, mit denen Thea Labes Werke von Reißiger ankündigte. So geschehen 1971, als sie zum ersten Mal Werke von Reißiger in Belzig präsentierte. Elf Jahre später, 1982, brachte sie in der Marienkirche Psalmvertonungen für Chor und Orchester zur Aufführung. Dann, 1984, folgte die erste Aufführung von Reißigers „Missa solemnis“, die in den folgenden Jahren an elf verschiedenen Orten wiederholt wurde.

Die Plakate, die eigene Kunstwerke sind und die sie ohne jegliche Hilfsmittel zeichnete, sind ein besonderer Schatz der Stiftung. „Die Plakate konnten damals nicht vervielfältigt werden“, erklärt Mundil und zeigt auf die Staffelei, auf der Thea Labes sie entstehen ließ. Im Höchstfall entstanden fünf bis sechs Exemplare für jede Aufführung. „Dr. Hans-Jörg Scherer pflegt zu sagen, sie sind gemalte Musik“, so Mundil weiter.

In unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit haben die Mitglieder der Stiftung die Räume für den Gedenkort saniert, Ausstellungsobjekte ausgewählt und alles für den großen Tag vorbereitet. Viele Unterstützer und Helfer brachten sich ein, damit das Werk gelingt. Der Bad Belziger Janos Frecot betreute beispielsweise die Ausstellung vom Entwurf bis zur Fertigstellung.

Ausstellungstafeln widmete die Stiftung Carl Gottlieb Reißiger, Thea Labes und Anneliese Krolzig; ihrer Wegbegleiterin, mit der sie seit 1968 in Reißigers Geburtshaus lebte und mit der sie seinen Werken zu neuem Glanz verhalf.

Eröffnung

21. März 2020, 15.00 Uhr, Bad Belzig, St. Marienkirche, der David Chor unter Leitung von Kantor Winfried Kuntz bringt in der St. Marienkirche Musik von Carl Gottlieb Reißiger zu Gehör, anschließend findet die Eröffnung des Gedenkorts im benachbarten Reißigerhaus statt.