Auf die Dienste des gebürtigen Greifswalders möchte man beim FC Stahl jedoch nichtverzichten. Es gibt das Angebot für die Stelle des Sportlichen Leiters, doch da sind noch beide Parteien im Gespräch. Märzke kann sich das vorstellen, ist aber auch für andere Tätigkeiten offen.Er ist mit nun 67 Jahren zwar im "Rentenalter", seine Frau würde sich freuen, wenn er mehr Zuhause sein würde, doch er möchte seine Zeit sinnvoll verbringen und sie würde bestimmt mit Fußball zu tun haben. Zum Beispiel mit seinem Enkel trainieren, der beim SV Alemania Fohrde kickt oder Spielbeobachtungen für andere Vereine, Anfragen gab es schon.
Man kann sich Eckart Märzke auch schlecht außerhalb des Fußballs vorstellen. Er spielte in der DDR-Oberliga für Hansa Rostock und der BSG Stahl Brandenburg, wo er1986 seine Kariere als Leistungssportler beendete.Bemerkenswert seine Bilanz bei der BSG, wo er überwiegend in der Abwehr eingesetzt wurde. In den 164 Gesamtpflichtspielen kassierte er lediglich zehn Gelbe Karten, doch keinen Platzverweis. "Als ich bei der BSG Stahl anfing war ich ja schon erfahrener, ahnte eher wo der Ball hinkam. Und zudem hatte ich es als kleiner Spieler (1,70 Meter) auch einfacher. Wenn ich einen Größeren foulte gab es mehr Nachsicht, wenn ich gefoult wurde, gab es den Pfiff", erzählte Märzke. In seinem gesamten Fußballerleben sah er zwei Roten Karten. Einmal in der B-Jugend für Ball wegschlagen, was ihm sein damaliger Trainer Heinz Werner sehr übel nahm. Und dann als Rostocker in einem Spiel gegen Zwickau, als er nach einem Revanchefoul gegen sich beim Fallen die Hacken zu hoch nahm und seinen Gegenspieler traf.
Für die Entscheidungen der Schiedsrichter zeigte der A-Lizenz-Trainer, der sie erst kürzlich für drei weitere Jahre verlängert hat, vollstes Verständnis. Er hatte kaum Auseinandersetzungen mit den Unparteiischen, nur einer war ihm nicht "grün" – Dieter Riedel. In jeder Partie die Riedel pfiff sah er Gelb, auch wenn nichts Verwarnungswürdiges vorlag. Nach ihrer aktiven Zeit traf der "Sünder" seinen "Richter" und wollten wissen: "Sag mal, warum hast du mich eigentlich immer verwarnt?" Die verwunderte Antwort: "Du hast mich mal ausgelacht."In Märzkes Erinnerung war es aber eher ein Anlächeln, als er einmal einen Einwurf ausführte.
Auch über seine Trainertätigkeit ist der 67-jährige tief mit der Stadt Brandenburg verwurzelt. Von 1990 bis 2004 trainierte er die 1. Männer des BSC Süd 05. Dort erlebte er auch einen der emotionalsten Augenblicke als Übungsleiter. Als Aufsteiger lag die Elf acht Spieltage vor Schluss der Saison 1999/2000 auf einem Abstiegsrang. Vor dem Saisonfinale gegen Frankfurt auf heimischer Anlage, holte die Mannschaft sechs Siege und ein Remis. Und auch in diesem packenden Duell behielten die Nullfünfer mit 2:1 die Oberhand und die Klasse war gesichert. Auf der Pressekonferenz fiel dann die Anspannung von ihm abrupt ab, brachte unter Tränen zunächst kein Wort heraus.
Aber im Gegenzug sagte er gleich: "In der Nacht zuvor habe ich trotzdem gut geschlafen. Das ist eine meiner Stärken, egal in welchem Schlamassel ich steckte – als Trainer stehst du ja praktisch mit deiner Unterschrift schon vor der Entlassung-, die Ruhe zum Schlaf habe ich immer gefunden."
Nach dem BSC Süd 05 folgten nach Stationen in Neustadt, SV Lichtenberg, Torgelow, dem mittlerweile wieder aufgelösten FC Pommern Greifswald und seit 2015 beim FC Stahl Brandenburg. Mit viel Freude denken die Stahl-Fans an die Spielzeit 2016/17 zurück, als die damalige Mannschaft mit großer fußballerischer Qualität die Zuschauer erfreute. Das Ende beim FC Stahl hatte sich der Fußballlehrer auch anders vorgestellt. Durch die Covid19-Pandemie ist der Spielbetrieb vorerst eingestellt, ob er in Gänze abgebrochen wird, steht noch nicht fest. Eckart Märzke würde die Saison liebend gern sportlich beenden.Das Team liegt mit 31 Punkten auf dem 5. Platz, bei nur 5 Zählern Rückstand auf den Tabellenführer SV Zehdenick und noch 13 zu absolvierenden Spielen. Keine schlechte Ausgangslage. Eine Möglichkeit die Landesliga sportlich zu beenden, wäre eine Auf- und Abstiegsrunde, so wie es Märzke noch aus der DDR-Zeit kennt. Aber natürlich steht auch für ihndie Gesundheitan erster Stelle, Fußball soll erst dann wieder betrieben werden, wenn die Risiken wieder beherrschbar sind.