Fontane.200: Perlen an der Havel

In seinen Notizbüchern machte sich Theodor Fontane Notizen und zeichnete Skizzen, wie vom Schloss Paretz, für die spätere Arbeit an den Wanderungen durch die Mark.
Helmut AugustiniakDie Orte rund um Ketzin, entlang der Havel, spielen bei Fontanes Wanderungen eine interessante Rolle. Darauf verwies Möller in seinem dreiteiligen Vortrag. „Über Ketzin sagte Fontane wenig. Aber Sie haben hier Paretz, wo sich ein Königspaar zu Schäferspielen einfand, Falkenrehde mit einem fast Enthaupteten, in Etzin wirkte ein Pfarrer, der für Friedrich II. eine Schlacht gewann. Sie leben hier interessanter Nachbarschaft“, begeisterte Möller seine Zuhörer.
Das Beispiel Etzin: Die Kriegstaten seines Vorgängers Joachim Friedrich Seegebarts waren der Anlass für Fontane, Etzin zu besuchen und über den geistlichen Kriegshelden zu schreiben. Seegebart erhielt die Pfarrei, weil durch sein Eingreifen eine Niederlage der preußischen Armee Friedrich II. beim Dorf Chotusitz verhindert wurde. Er überzeugte die zurück flutenden Preußen davon, nicht zu fliehen, sondern sich wieder zu formieren und gegen den Feind zu kämpfen. Er hatte mit seinen Appellen Erfolg und rettete damit einen Sieg für Friedrich II. Sein Lohn war die Pfarrei in Etzin.
Auf seinen Reisen war Theodor Fontane immer mit Notizbüchern ausgestattet. „Darin hielt er Eindrücke, Skizzen und Notizen fest, die ihm beim Schreiben der Wanderungen Hilfsmittel waren“, erklärt der Archivar des Theodor-Fontane-Archivs in Potsdam. Die 21 Notizbücher werden derzeit in einer Ausstellung in Karwe, einem Ort im Ruppiner Land, gezeigt. Zudem ediert Gabriele Radecke von der Theodor-Fontane-Arbeitsstelle an der Universität Göttingen diese Notizbücher. Neben dieser Arbeit erschienen mit dem Jubiläumsjahr zu Fontane auch vier Biografien über den Literaten neben zahlreichen Marketingaktivitäten. „Das Land Brandenburg feiert ein großes Fontane-Fest“, so Möller.
Der literarische Nachlass Fontanes ist unvollständig. 1933 wurden er in einer Auktion teilweise versteigert, der Rest wurde im „Märkischen Schrifttum Archiv“, dem heutigen „Theodor-Fontane-Archiv“, zusammengefasst. Dort lagern auch zahlreiche Briefe. Weniger bekannt ist, dass der gelernten Apotheker und Literat Fontane ein eifriger Briefeschreiber war. 10.000 Briefe schrieb er wohl in seinem Leben. Die Briefe an seine Ehefrau sollten vom Überlebenden mit in dessen Grab genommen werden. Sie wurden dann aber von der Ehefrau, die ihren Mann überlebte, verbrannt.