Darüber ist Trainer Florian Franz erst einmal erleichtert, doch hätte er lieber die Spielzeit aktiv zu Ende gebracht. Er hat seiner Mannschaft zugetraut, das vor den West-Frauen liegende Team des Oranienburger HC noch zu überholen und mit dem 10. Platz die Klasse zu sichern. Durch ihren frühen Rückzug stand der Lausitzer HC frühzeitig als erster Absteiger fest. Die Brandenburgerinnen lagen auf dem 11. Platz mit 3:25 Punkten, der OHC hatte 5:25 Punkte. In den verbleibenden Partien gab es durchaus realistische Möglichkeiten, die noch nötigen Zähler einzusammeln.
Denn die Mannschaft hat eine positive Entwicklung genommen. Der Start war für Franz nicht leicht. In der Vorsaison stiegen die West-Damenmit 2:42 Punkten sang- und klanglos aus der Oberliga Ostsee/Spree ab. Ein Großteil der Mannschaft, mit fast allen Leistungsträgern,inklusive Trainer Jens Bermig verabschiedete sich in Richtung Wusterwitz.Die übrig gebliebenen Handballerinnen und ein großer Schwung aus dem A-Jugendbereich bildeten das neue Brandenburgligateam. Der Beginn in die Saison 2019/20 verlief holprig. "Wenn man dauernd "Haue" bekommt in der Oberliga, hinterlässt das Spuren.In vielen Partien haben wir gut mitgehalten, doch in den entscheidenden Spielsituationen, gerade in den Endphasen,kamen die schlechten Erinnerungen wieder hoch und wir gaben die Spiele ab", so Florian Franz.Nach vier Niederlagen in Folge im Punktspielbetrieb, gab es dann am 5. Oktoberdie erste Erfolgsmeldung. Im Viertelfinale des Landespokals besiegten die Brandenburgerinnen den Ligarivalen VfB Doberlug-Kirchhain mit 31:27.
Doch bis die ersten Pluspunkte auf dem Konto landeten sollte noch einige Zeit vergehen, auch weil es gegen die renommierten Teams der Liga ging. Trotz der Pleiten war das West-Team aber gefestigt. Das lag auch an Allen Loskarn die sich im Saisonverlauf entschlossen hatte ihre Wettkampfpause zu beenden und nun wieder zwischen den Pfosten stand. Zusammen mit Madeline Schünemann sind die 63ger auf der Torhüterposition gut aufgestellt. In der Abwehrarbeit stellte Trainer Franzsowieso die größten Fortschritteder Mannschaft fest. Das Hauptmanko liegt in der Chancenverwertung, was sich auch ergebnistechnisch niederschlug.
Im letzten Spiel des Jahres 2019 freuten sich die Brandenburgerinnen über den ersten Punkt, denes beim 28:28 in Doberlug-Kirchhain gab. Doch wann können sie endlich den ersten Sieg feiern? Nah dranwaren sie am 19. Januar im Heimspiel gegen den HSC 2000 Frankfurt. In dem engen Match hatten die Gastgeberinnen mehrmals die Chance sich weiter, wie die zwischenzeitlichen zwei Tore Vorsprung abzusetzen.Dies rächte sich am Ende, mit 24:25 hatten sie das Nachsehen. Auch eine Woche später, in der Partie beim HSC Potsdam, wäre bei größererKonzentrationdie 25:28-Niederlage vermeidbar gewesen.
Doch die Auftritte zeigten, mit den Brandenburgerinnen ist zu rechnen und am nächsten Spieltag war es dann so weit. Und dass in einer Begegnung, diementalschwer auf den West-Frauen lastete. Um überhaupt die Minimalchance auf die Klasse zu erhalten, musste der Oranienburger HC vor heimischer Kulisse bezwungen werden: egal wie.
Das Nervenkostüm schien auch nicht das Beste zu sein, die Gastgeberinnen liefen permanent einem Rückstand hinterher.Sie verkürzten zwar immer wieder, doch die Gäste gaben stets die passende Antwort. Neun Minuten vor dem Abpfiff lagen die Brandenburgerinnen mit 17:20 hinten, konnten aber dank des immensen Siegeswillens noch als 24:22-Siegerinnen das Parkett verlassen.
Nach dieser physischen wie auch psychischen Meisterleistung wuchs die berechtigte Hoffnung beim Trainer und der Mannschaft die Brandenburgliga durch entsprechende Punktgewinne zu halten.Dies Problem ist für die Spielzeit 2019/20 nun aufgehoben, würde sich aber in der nächsten Saison - wann und wie es sie auch immer stattfindet – erneut stellen.
Allerdings hat Trainer Franz nun den Vorteil den Kader zu kennen. Er konnte einige Ansatzpunkte sammeln, die nun verstärkt in die Trainingsarbeit einfließen sollen. Zum Beispiel muss sich das Umschaltspiel von Abwehr auf Angriff dringend verbessern, denn Kontertreffer sind noch immer die leichtesten Tore.
Dass sein Team sich in der Offensive schwer tut, liegt auch an den körperlichen Grenzen.Da gibt es keine hochgewachsene Spielerin, die mal ebenso den gegnerischen Abwehrblock überspringen kann. Mit Freude sah der 29-jährige Übungsleiter die Entwicklungen der jungen Spielerinnen Sophia Engelke und Jolina Mundt. Die eine in der Rückraummitte und die andere auf Halbrechts. Sie haben im Laufe der Saison viel Selbstvertrauen getankt, was sich auch in ihren Torstatistiken bemerkbar machte.
In dieser Hinsicht ist ihnen Maxi Mühling schon ein Schritt voraus. Sie musste sichebenfalls früh im Seniorenbereich beweisen (was ihr gelang) und ist nun mit nur 20 Jahren die Top-Werferinder Mannschaft. Mit exakt 100 Treffern kommt sie auf fast ein Drittel aller 332 West-Tore und dass, obwohl ihre Torgefährlichkeit den Kontrahentinnen nicht verborgen geblieben ist.
Für Trainer Florian Franz war es ein gutes erstes Jahr als hauptverantwortlicher Frauentrainer. Wichtig war für ihn zu sehen, dass es in der Mannschaft stimmt. Trotz der "Nackenschläge" gab es keine Unstimmigkeiten unter den Spielerinnen. Er sieht das Potenzial und würde lieber heute als morgen wieder mit ihnen im Training zusammen arbeiten. Doch dieser Zeitpunkt liegt wohl noch in weiter Ferne.