Freiwillige Feuerwehr
: Gemeinschaft und Anerkennung als Antrieb

Eine Retter-Prämie soll der Freiwilligen Feuerwehr Nachwuchskräfte sichern und den Aktiven Anerkennung zollen. Allerdings geht das auch auf anderem Wege.
Von
Alexandra Gebhardt
Brandenburg
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Maik Schwietzke, Christian Schulz und Jennifer Schult engagieren sich ehrenamtlich bei der Feuerwehr und gehen mit ihren Handpuppen zur Brandschutzerziehung in Kitas und Schulen. Diese Leistung soll mehr honoriert werden.

MOZ.de

Gut eine bis anderthalb  Stunden sind je nach Alter der Kinder dafür vor Ort nötig, hinzu kommen der Anfahrtsweg und mehrere Stunden Vorbereitung. Zeit, die die Drei ehrenamtlich, als Mitglieder bei der Freiwilligen Feuerwehr investieren – neben dem Beruf. So wie gut 36.000 andere, die im Land Brandenburg in den verschiedenen Einsatzabteilungen der Feuerwehr aktiv sind.

„Vor einigen Jahren lag die Zahl noch bei rund 50.000“, resümierte Frank Kliem, Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes, bei der Delegiertenversammlung des Stadtfeuerwehrverbandes am vergangen Samstag in der Brandenburger Rettungswache.

Eine Zahl, die zweierlei deutlich macht: Erstens, auch die Freiwilligen Feuerwehren haben mit Nachwuchsproblem zu kämpfen. Und zweitens: es bedarf einer erhöhten Anerkennung dessen, was die  Kameraden mit ihrem freiwilligen Einsatz bei der Feuerwehr leisten.

Ein Schritt in die richtige Richtung zur Lösung dieser Probleme könnte die sogenannte Retter-Prämie sein, auf die sich SPD und Linke bei den Planungen für den Doppelhaushalt 2019/2020 verständigt haben. Sie sieht vor, dass die aktiven Einsatzkräfte  ab dem kommenden Jahr eine finanzielle Zuwendung von 200 Euro pro Jahr erhalten. Alle zehn Jahre soll zudem eine Prämie von 500 Euro gezahlt werden. Ein echtes Novum, für das Brandenburg bundesweit Vorreiter wäre. „Das wäre eine Anerkennung, die finanziell sofort ankommen würde, um sich und der Familie etwas zu gönnen. Immerhin sind sie es, die während der Einsätze um das Leben ihrer Lieben bangen“, kommentierte Kliem die Prämie,  mahnte aber gleichzeitig, man wolle sich das Ehrenamt nicht kaufen.

Sven Wolfram, Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbandes, riet deshalb auch dazu, den Kameraden ihren Einsatz anderweitig, etwa über die Beschaffung einer neuen, modernen Tagesdienstuniform, Respekt zu zollen. „Diese Uniformen sind in Frankfurt/Oder die Regel, warum also bei uns nicht?“, so Wolfram, der mit dieser Ausgabe auch das ‚Wir-Gefühl’ unter den Kameraden gestärkt sieht.

Denn genau das war vor allem im vergangenen Jahr gefragt: Über 500 Waldbrände machten den Feuerwehrleuten während des Rekordsommers zu schaffen. An die 1000 Einsatzkräfte waren teilweise über Tage vor Ort, darunter viele Ehrenamtliche der Freiwilligen Feuerwehr, die Seite an Seite mit der Berufsfeuerwehr alles taten, um die tödlichen Flammen zu löschen.

„Sie alle haben Großartiges geleistet“, honorierte Michael Bialek, Chef der Berufsfeuerwehr, die Leistung der Kameraden. Eine Einschätzung, die Sven Wolfram ebenfalls betonte. Er erinnerte in diesem Zusammenhang auch daran, dass der Feuerwehrdienst eigentlich eine kommunale Pflichtaufgabe sei, die  nur aufgrund der Vielzahl an Ehrenamtlern in diesem Umfang zu bewerkstelligen ist. Umso wichtiger sei es deshalb, nicht nur über eine Prämie, sondern auch über Anschaffungen wie neue Einsatzfahrzeuge, Anerkennung zu zollen. „Das Land hat erkannt, dass es sich von dieser Pflicht nicht mehr wegdrücken kann“, so Wolfram abschließend.