Führung durch Stadtwald: Trockenheit und Schädlinge bringen Bäume zunehmend in Gefahr
Seit Januar diesen Jahres finden vermehrt Baumfällungen statt. Zähneknirschend wird dies von Bürgern wahrgenommen, aber viele Fragen bleiben offen. „Wir gehen regelmäßig im Wald spazieren und beobachten die Fällungen schon eine ganze Weile“, berichtete Monika Kock, eine der zehn interessierten Bürger. „Am Anfang haben wir geschimpft und gar kein Verständnis gehabt. Da habe ich mir gedacht, wenn so eine aufklärende Wanderung angeboten wird, dann muss ich auch hingehen“, so die Brandenburgerin weiter.
Eine Maßnahme, die auch Forstwirtschaftsmeister Gerd Ballerstädt betont: „Es ist wichtig, die Bürger über die aktuell notwendigen Maßnahmen aufzuklären. Wir verzeichnen ein deutschlandweites Waldsterben ungeahnten Ausmaßes und müssen reagieren. Das Problem wurde in unserer Region erstmals im Winter vor 1,5 Jahren sichtbar, als sich plötzlich die Waldränder braun färbten“.
Mittlerweile seien seinen Angaben zufolge bereits 500 Hektar der insgesamt 3300 Hektar großen Gesamtfläche als Schadfläche deklariert. Inwiefern sich das Problem ausweiten wir, lässt sich nicht abschätzen. Viele Bäume leiden noch heute an der Trockenheit der letzten Jahre. Das verschleppte Wasserdefizit führt unter anderem zu verkümmerten Baumwurzeln, die eine ausreichende Nährstoffaufnahme nicht mehr gewährleisten können. Der Baum ist unterversorgt und geschwächt und bietet somit Schädlingen leichte Angriffsfläche. Dabei scheint keine Baumart vor den schädlichen Pilzen und Käfern gefeit. Neben der Kiefer sind ebenso Eichen, Eschen, Ulmen, Fichten und Lärchen betroffen.
Etwas Erleichterung schafft die diesjährige Niederschlagsmenge, die mittlerweile bereits die geringe Gesamtniederschlagsmenge des letzten Jahres von 390mm erreicht hat. Hoffnungsvoll blicken die Förster einem nassen Herbst und schneereichen Winter entgegen. Für einige Bäume könnte dies die entscheidende Wende in ihrem derzeitigen Überlebenskampf bedeuten. Für die bereits befallenen oder abgestorbenen Bäume jedoch ist jede Hilfe vergebens. „Einschlag ist ein Muss und die einzig sinnvolle Reaktion, ansonsten lockt man sekundäre Käfer an“, betont Meier.
Dabei fallen dem ungeübten Auge die massiven Schäden bei einem Waldspaziergang nicht unbedingt auf. Scheinbar gesunde noch voll benadelte Bäume erkennt der Förster als bereits befallen und prophezeit ihnen eine verbleibende Lebenszeit von wenigen Wochen. Eindrucksvoll demonstrieren die Experten dies an einer vom Borkenkäfer befallenen Lärche. Hier ist der Schaden bisher nur unter der Rinde zu beobachten. Ist der Käfer aber einmal in das Holz eingedrungen, kann er sich langsam durch das Holz fressen und richtet dort sein Unheil an. Wasserleitungsbahnen werden zerstört was binnen vier Wochen den Tod der Lärche herbeiführt. Wehren kann sie sich nicht, ihr Wasserdefizit aufgrund der trockenen Jahre ist zu groß, eine Harzproduktion ist ihr nicht mehr möglich. Wertloses Holz lässt sich lediglich an die Zellstoffindustrie oder als Brennholz verkaufen.
Was nun folgen soll, ist die Aufforstung der betroffenen Gebiete. Stück für Stück. Dabei schätzt Meier den Kostenfaktor auf 150.000€. „Gibt es einen Baum der Zukunft, der als Geheimwaffe gepflanzt werden kann?“, fragte Rainhard Reiher, Bürgerbeirat Eigene Scholle/Wilhelmsdorf. Eine Frage, die viele Menschen interessiert. „Geplant sind sowohl Mischwälder als auch reine Laubwälder. Dabei gilt es, zunehmend fortschrittlicher zu denken und auch exotische Arten zu pflanzen. In der Forstwirtschaft sieht man erst Jahrzehnte später, ob man Erfolg hatte. Der Klimawandel scheint schneller voran zu schreiten als Bäume wachsen, daher ist es umso dringender, neue Wege zu beschreiten!“, konstatiert Meier auf diese Frage und schließt Hilfsprojekte für die Baumpflanzung nicht aus.
In den folgenden Tagen werden die noch verbliebenen Schadbestände gefällt. „Es ist ein harter Kampf der auf uns zukommt und ich hoffe, dass wir ihn nicht verlieren“, so Meier, der die Runde mit dem Satz „Jeder Baum, der gepflanzt wird, hilft!“ entließ.

