Beim FC Stahl Brandenburg sind die Wurzeln nicht vergessen. Am 20. November kam es zur Gründung der Betriebssportgemeinschaft (BSG) Stahl Brandenburg, aus der, nach einigen Umbenennungen und Insolvenzen in den Nachwendejahren, im Jahr 1998 wieder der FC Stahl Brandenburg wurde. Die Fans erinnern sich noch gern an die Jahre in der DDR-Oberliga (ab 1984) und natürlich am internationalen Auftritt im UEFA-Cup im Jahr 1986. Die Hürde zum Auftakt, gegen den Coleraine FC aus Nordirland, nahmen die Kicker vom Quenz. Auf der „Grünen Insel“ holten sie ein 1:1 und im ausverkauften Stadion am Quenz feierten die mehr als 18.000 Fans den 1:0-Erfolg. In der zweiten Runde folgte das K.O. durch den IHK Göteborg (0:2/1:1). Das Pokal-Aus ließ sich am Ende noch gut verkraften, da die Brandenburger gegen den späteren UEFA-Cup-Sieger ausschieden.

Positive Stimmung

Solche Erinnerungen sind schön, doch die jetzigen Verantwortlichen um den Vorsitzenden Friedhelm Ostendorf, wie der Marketingleiter Oliver Gühne oder Sportliche Leiter Lars Bauer, sind im Jetzt verankert und haben noch einiges vor mit dem Verein am Quenz. Aber es lohnt sich auch der Blick zurück, denn die positive Grundstimmung im Klub ist erst mit den Jahren gewachsen.

Spieler als Trainer

Vor 14 Jahren gab es im Nachwuchsbereich eine Großfeld- und drei Kleinfeldmannschaften erinnert sich Lars Bauer. Damals wollte seine vierjährige Tochter Livia Bauer Fußballspielen im Verein und zusammen mit Per Schmidt organisierte er eine Bambini-Trainingsgruppe, die sie über die Jahre betreuten. Von diesem Vorbild angezogen, konnten sich auch andere Spieler - Lars Bauer war zu diesem Zeitpunkt noch aktiver Spieler der 1. Männer - vorstellen, ein Nachwuchsteam zu betreuen. Häufig waren es zunächst die eigenen Sprösslinge, die den Ausschlag gaben. Darin sieht der Sportliche Leiter einen großen Vorteil: „Unsere Trainer haben alle selbst gespielt, sie können den Kindern vormachen, was sie erwarten.“

Eigene Verstärkungen

Aus diesen zarten Anfängen im Jugendbereich ist mittlerweile ein dicker Stamm von circa 180 Spielern geworden, betreut von 40 Trainern und Übungsleitern. Von den Bambini (G-Junioren) bis zu den A-Junioren ist der FC Stahl in allen Altersklassen vertreten, zurzeit sind es vier Großfeld- und acht Kleinfeldteams, wobei jede Altersstufe in der höchsten Spielklasse des Landes vertreten ist. Die gute Jugendarbeit des Vereins bringt nun die ersten Früchte. Aus dem 2002er-Jahrgang gehen sechs Kicker in den Männerbereich hoch.  Leon Butz, Alexander Swantusch, Tim Nikolaiczyk, Luca Butz, Tilmann Peters und Derek Rossner verstärken zukünftig das Team der 2. Männer des FC Stahl. „Ziel unserer sportlichen Ausrichtung ist es, über den Kader der 2. Männer Druck auf die Spieler der 1. Männermannschaft auszuüben, Trainingsformen beider Teams anzugleichen und dadurch qualitativ in allen Bereichen weiter zu wachsen“, so der Sportliche Leiter. Vom „Goldenen Jahrgang“, die 2003er, sollen ebenfalls Akteure schon „Seniorenluft“ schnuppern, wobei sie noch für die A-Jugend spielberechtigt sind. Dieser Jahrgang stand vor vier Jahren, als C-Junioren, im Landespokalfinale und musste sich damals dem FC Energie Cottbus geschlagen geben.

Kunstrasenplatz angedacht

Den Weg, über gute Nachwuchsarbeit Spielermaterial für den Seniorenbereich selbst zu entwickeln, soll kontinuierlich ausgebaut werden. Große Hoffnung legen die Verantwortlichen darin, dass ihr Antrag für einen Kunstrasenanlage auf dem jetzigen Platz 3 über den „Goldenen Plan Ost“ in den kommenden Jahren bewilligt wird. Das wäre natürlich das „I“-Tüpfelchen auf der momentanen Entwicklung. Denn in der Infrastruktur des Geländes wurde zuletzt investiert (siehe Seite nebenan), damit sich „alle, ob Trainer oder Spieler, wohlfühlen. Dann geben sie auf dem Platz auch alles“, ist sich Lars Bauer sicher.

Regionale Identität

Mit ihrer „Wohlfühlatmosphäre“ und großer Überzeugungskraft ist es den FC Stahl-Verantwortlichen im Vorjahr gelungen, wieder eine schlagkräftige 1. Männermannschaft auf die Beine zu stellen. Angefangen mit dem Trainertrio um Chefcoach Maik Aumann sowie Stefan Taube und Stephan Schubarth war es gelungen, Fußballer an den Quenz zu holen, die zum Teil auch schon höherklassiger spielten. Ziel war es außerdem, Akteure aus der Umgebung zu überreden, um so einen größeren Zusammenhalt mit den Fans zu erreichen. Es fühlt sich familiärer an, wenn die Anhänger ihre „Platzhelden“ aus der Schule, vom Arbeitsplatz oder aus der Nachbarschaft kennen. Dass dies keine leeren Worte waren, zeigten die steigenden Zuschauerzahlen, bevor die Pandemie die Landesligasaison 2020/21 vorzeitig beendete. Für Trainer Aumann war das Aus bitter. Nach neun Spieltagen nahm sein Team die Spitzenposition ein. Ob es letztendlich zum Aufstieg gereicht hätte, ist Spekulation, doch der gute Weg der Mannschaft war auf jeden Fall erkennbar.

So macht Ehrenamt Spaß

Den soll sie auch in der kommenden Spielzeit weiter fortführen. Der Kader blieb nicht nur zusammen, er konnte sogar noch verstärkt werden. Vielleicht gelingt ja dann schon der ersehnte Aufstieg in die Brandenburgliga. Wenn es nach dem Sportlichen Leiter geht, soll da aber nicht das Ende der Fahnenstange sein. „Mein großer Traum wäre es in zehn Jahren, oder so, in der Regionalliga zu spielen“, so Lars Bauer und ergänzt: „Aber auch wenn es nicht klappt. Ich bin mächtig stolz auf unsere Entwicklung als Gesamtverein. So kann einem ein Ehrenamt viel Spaß bereiten.“

Frauen seit Jahren dabei

Doch nicht nur die Männer bereiten den Verantwortlichen Grund zur Freude, seit sieben Jahren sind auch die Frauen unter Trainer Oliver Gühne präsent in der Landesliga. In Gegensatz zu anderen Vereinen, die immer wieder Frauenteams anmelden und dann wieder abmelden, kann man beim FC Stahl von einer Kontinuität sprechen. Auch für die kommende Spielzeit steht ein verheißungsvoller Kader zur Verfügung, der um die Meisterschaft mitspielen kann. 2017 holten die Stahl-Damen den Pott an den Quenz.

Neuer Fußboden

Auch beim FC Stahl Brandenburg wurde die coronabedingte Zwangspause genutzt, um die Räumlichkeiten aufzuwerten. Das Funktionsgebäude in der Thüringer Straße 251 ist kaum mehr wiederzuerkennen. Im gesamten Gebäude – in den neun Kabinen, dem Fitnessraum und dem Geschäftsstellenbüro – wurde neuer Fußboden verlegt.

Kabinen mit Spielernamen

Die richtigen Hingucker stecken jedoch in den Details. So wurden in den Gängen Stahlträger eingezogen, um die Verbundenheit mit dem einstigen Hauptsponsor und Namensgeber, dem Stahlwerk Brandenburg, zu demonstrieren. Dies zeigt sich auch an den Kabinentüren, die eine Stahl-Optik erhalten haben. Zudem erhielten die Umkleideräume Namen verdienter Stahl-Spieler wie Frank Jeske, Eckart Märzke oder Lars Bauer.

Verbundenheit demonstriert

Die Gänge zu den Kabinen sind oben in Weiß gehalten, der Sockel in Blau, verziert mit dem aufgesprühten Gründungsjahr 1950. An den Wänden sollen noch Fotos, Plakate wie auch eine große Stahl-Trikotauswahl zur Geltung kommen. Alles zeigt viel Liebe zum Detail; im Hauptflur finden sich Utensilien aus dem Stahlwerk sowie ein aus Baustahl gebogener Schriftzug „Stahl Schmiede“.

An die Trainer gedacht

Im Nebengebäude haben nun alle Trainer – getrennt nach Kleinfeld, Großfeld und Frauenteams – in ihren Kabinen einen abschließbaren Schrank, wo auch große Bildschirme installiert sind, um Spielszenen auszuwerten. Zudem gibt es eine großzügigere Trainer-Duschkabine, für zwei Leute. Nun sollen noch die Außenwände von ihrem grauen DDR-Putz befreit werden, auf weißer Farbe sollen noch FC Stahl-bezogene Bilder entstehen. Und irgendwann müssen dann die Nassbereiche wieder einer kompletten Renovierung unterzogen werden.

Fans halfen mit

Doch schon jetzt sind die Verantwortlichen stolz auf ihre neugestalteten Räume. Dabei gab es reichlich Unterstützung von Firmen, doch ohne die treue Anhängerschaft wäre dies nicht gelungen. Bis zu 25 Fans opferten immer wieder ihre Freizeit, um in den Kabinen oder Gängen herumzuwerkeln. Involviert war auch der Trainerstab, der schließlich ebenfalls großes Interesse daran hat, in schönen Räumlichkeiten seiner Tätigkeit nachzugehen. Von den Spielern, egal welchen Alters, ganz zu schweigen.