Gefallenen zu Ehren
: Kriegerdenkmal 1880 von Prinzen auf dem Brandenburger Marienberg eingeweiht

Um den Marienberg in Brandenburg an der Havel neu zu gestalten, gab es viele Vorschläge. Durchgesetzt hat sich der Vorschlag für ein Kriegerdenkmal.
Von
Manfred Lutzens
Brandenburg an der Havel
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Das vor 140 Jahren eingeweihte Kriegerdenkmal auf einer Postkarte von 1907.

Archiv Lutzens

Schließlich nahmen Vorschläge Gestalt an, mit einem Monument die Gefallenen  von 1864 (gegen Dänemark), 1866 (Deutscher bzw. Preußisch-Österreichischer Krieg) sowie von 1870/71 (kontra Frankreich) zu ehren. Dafür sprachen sich nach der Reichsgründung  vornehmlich die Vaterlandsfreunde aus. Nun trat auf Vorschlag des Gerichtssekretärs Seligo ein von Bürgermeister Rudolf Hammer geleitetes Gremium zusammen. Zudem wandten sich die Initiatoren an die kurmärkischen Stände wie auch das preußische Kulturministerium und konnten schließlich die noch fehlende Summe requirieren. Im Gegenzug hieß es, auf den Erinnerungstafeln namentlich alle Gefallenen aus der Kurmark zu verewigen. Baumeister Hubertus Stier hatte inzwischen den Architekten–Wettbewerb für das Denkmal gewonnen.

Sein Entwurf sah einen 30 Meter hohen Ziegelturm mit  achtseitiger Krone inklusive dem über 91 Stufen zu erreichenden Aussichts"gemach“ vor. Ein vergoldetes Kreuz – symbolisch mit einen Kranz verbunden – sollte künftig von der Spitze des Kegeldaches leuchten. Auf den Strebepfeilern  waren vier Kolossal–Statuen aus Sandstein vorgesehen. Zwar stand dann 1874 der Rohbau, aber erst sechs(!)  Jahre später kamen die Bildhauerarbeiten zum Abschluss. Am 12. August 1880, vor genau 140 Jahren, wurde schließlich das Kriegerdenkmal im Beisein des Kronprinzen Friedrich Wilhelm und mehrerer Prinzen – unter ihnen der spätere Kaiser Wilhelm II., feierlich auf dem Marienberg enthüllt. „Vom Bahnhof bis dort hinauf" – so der „Brandenburger Anzeiger“ — „erstreckte sich eine mit Fahnen und Laub–Girlanden geschmückte Feststrasse, an der die Mitglieder der Krieger– und Turnvereine, der Innungen und Gilden sowie Tausende von Schülern Spalier standen“. Der Kronprinz übermittelte den Dank des Kaisers an die Stifter und Erbauer des Monuments. Für die mit keiner Silbe erwähnten Initiatoren (inklusive Bürgermeister Hammer) gab es schließlich noch eine Nachfeier.

Der künstlerische Wert des Denkmals, mit vier Reliefs in den Nischen und Namenstafeln aus Marmor, ist verschiedentlich angezweifelt worden. Dabei erhielten die Arbeiten des Bildhauers Professor Siemering weitaus mehr Lob als die vom Italiener Calandrelli. Ihre Werke erinnerten an den Einzug der Prämonstratenser, die Huldigung des Kurfürsten Friedrich I. sowie an die 1732 von Preußen aufgenommenen protestantischen Glaubensflüchtlinge aus Salzburg. Ein weiteres Thema war die Krönung Kaiser Wilhelm I. (Teile dieser Figurengruppe befinden sich übrigens im hiesigen Museum, d. Verf.). Acht Wappen märkischer Orte neben den bereits erwähnten Tafeln mit 3400 Namen der Gefallenen kamen hinzu. Vor dem Eingang erhielten drei 1870/71 erbeutete französische Kanonen ihren Platz. Übrigens, im Innern des Monuments fand für längere Zeit ein hölzerner Roland seinen Platz.

Als im April 1945 die zurück weichende deutsche Wehrmacht eine Flak–Stellung nebst Beobachtungsposten im Kriegerdenkmal eingerichtet hatte, wurde dies weitgehend von sowjetischen Granaten zerstört. Noch 2013 musste in diesem Bereich ein derartiges Geschoss aus jener Zeit entschärft werden. Reste der Ruine indes ragten immerhin noch bis 1955/56 wie ein hohler Zahn empor. Als dann das Beseitigen der Trümmer erfolgte, bargen unter anderen auch Jungen aus der Neubauer–Oberschule neben vielen Steinen mehrere zerborstene Tafeln mit den Namen der Gefallenen und Daten eingangs bereits erwähnter Schlachten. Seit 1967 befindet sich an Stelle des Kriegerdenkmals ein Trinkwasser–Hochbehälter, der heutzutage zudem wieder an den Weinanbau sowie den optischen Telegrafen erinnert (seit 2015).

Aus „Der Marienberg im Wandel der Zeiten“ (M. Lutzens). Erhältlich u.a. bei Thalia, in der Wichern–Buchhandlung sowie im Archäologischen Landesmuseum, Paulikirchplatz.